Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Der Riesenstein bei Kleptow
Untertitel:
aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 218–219
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[218]
181. Der Riesenstein bei Kleptow.

In der Nähe des Dorfes Kleptow unweit Pasewalk liegt auf dem Felde ein großer Stein, den die Leute den Riesenstein nennen, und von dem sie sich Folgendes erzählen: Vor alten Zeiten haben in der Nähe dieses Steines zwei Felsen gestanden. In dem einen hat ein Riese gewohnt, in dem anderen haben eine Menge kleiner Berggeister ihr Haus gehabt. Der Riese und die Zwerge lebten mit einander in Streit, und thaten sich gegenseitig manchen Schabernack an, wo sie nur konnten. Zuletzt machten die Zwerge unter dem Felsen des Riesen ein Erdbeben, wodurch sie den ganzen Felsen in Stücke zertrümmerten. Darüber gerieth der Riese in großen Zorn, und er lauerte auf eine Gelegenheit, wie er den kleinen Berggeistern wieder Schaden thun könne. Das traf sich bald. Denn kurz nachher feierten die Zwerge in einem Theile ihres Felsens ein Fest, bei dem sie alle versammelt waren. Als nun der Riese ihr Singen und Jubiliren hörte, nahm er ein gutes Stück von seinem zertrümmerten Felsen, und warf es nach dem Felsen der Zwerge, so daß der Theil, in welchem diese ihr Fest feierten, davon zerschmettert wurde, und eine ganze Menge von ihnen im Fallen erschlug. Unter den Getödteten befand sich sogar ihr König, den sie nach einigen Tagen mit großer Trauermusik zu Grabe trugen.

[219] Darauf schwuren die Zwerge dem Riesen den Tod, und auch dazu kam bald die Gelegenheit. Es wohnte nämlich in der Gegend ein Bauer, der eine schöne Tochter hatte; in diese verliebte sich der Riese, und er begehrte sie von dem Bauern zum Weibe. Allein der Bauer wollte sie dem ungeschlachten Heiden nicht geben. Der Riese raubte sie daher mit Gewalt. Nun wandte sich der Bauer an die Berggeister und bat die um Hülfe. Diese paßten darauf eine Gelegenheit ab, als der Riese einmal im Felde seinen Mittagsschlaf hielt. Jetzt nahmen sie ein großes Stück von ihrem zerschlagenen Felsen; das wanden sie in die Höhe, gerade über dem schlafenden Riesen, und ließen es dann auf diesen herniederfallen, so daß er davon zerdrückt wurde, und elendiglich darunter sterben mußte. Dieses Felsstück, das von der Zeit an liegen geblieben, ist der Riesenstein bei Kleptow. Man kann darin noch die Spuren von dem Gesichte des Riesen sehen, welche sich bei dem Herunterfallen darauf eingedrückt haben.

Mündlich.