[185]

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Siehe auch: Der Jenner (1803)
Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Der Jenner
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aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1, S. 185–189
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Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Der Jenner.

Im Aetti setzt der Oeldampf zue,
Mer chönnte ’s Aempeli use thue,
und d’Läden uf. Der Morge-Schi
blickt scho zuem runde Nastloch i. –

5
O lueget doch, wie chalt und roth

der Jenner uf de Berge stoht.

     Er seit: „I bi ne b’liebte Ma,
der Stern am Himmel lacht mi a!
Er glitzeret vor Lust und Freud,

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und mueß er furt, sen ischs em Leid;

er luegt mi a, und cha’s nit lo,
und würd bizite wieder cho.“

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     „Und unteher in Berg und Thal,[a 1]
wie flimmerets nit überal!

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An allen Ende Schnee und Schnee:

’s isch Alles mir zue Ehre g’scheh,
und woni gang im wite Feld,
sin Stroße bahnt, und Brucke gstellt.“

     Er seit: „I bi ne frische Ma,

20
i ha ne luftig Tschöpli a,

und rothi Backe bis ans Ohr,
e heiter Aug und Duft im Hoor,
ke Wintergfrist, ke Gliederweh,
und woni gang, se chracht der Schnee.“

25
     Er seit: „I bi ne gschickte Ma,

lueg, wieni überzuckere cha!
I chuuch, und an de Hürste hangts,
und an de zarte Birche schwankts.
Der Zuckerbeck mit gschickter Hand,

30
mit Geld und Guet wärs nit im Stand.

[187]

     „Jez lueg au dini Schiben a,
und wieni Helgli chritzle cha!
Do hesch e Blüemli, wenns der gfallt,
do hesch e ganze Tannewald!

35
Der Früehlig chönnts nit halber so,

’s isch mit der Farb nit Alles tho.“

     Er seit: „I bi ne starche Ma,
und zwing mi Näumer, wenn er cha!
Der Forster gstablet uf der Jacht,

40
Der Brunntrog springt, der Eichbaum chracht.

D’Frau Sunne, mittem Gsichtli rund,
het’s Herz nit, aß sie füre chunnt.“

     ’s isch wohr, me weiß nit, was sie tribt,
und wo sie alli Morge blibt.

45
Wie länger Nacht, wie spöter Tag,

wie besser aß sie schlofe mag,
und blieb es bis um Zehni Nacht,
se chäm sie erst, wenns Oelfi schlacht.

     Nei, het sie’s ghört? Dört chunnt sie io!

50
Me meint, ’s brenn Alles liechterloh! –
[188]

Sie stoht im chalte Morgeluft,
sie schwimmt im rothe Nebelduft.
Zeig, chuuch e wenig d’Schiben a,
’s isch, aß me besser luege cha!

55
     Der Nebel woget uf und ab,

und d’Sunne chämpft, sie loßt nit ab.
Iez het sie ’s gunne. Wit und breit
strahlt ihri Pracht und Herlichkeit.
O lueg, wie’s über d’Dächer wahlt,

60
am Chilche-Fenster, lueg, wie’s strahlt.


     Der Jenner setzt si Arm in d’Huft,
er ruckt am Huet, und schnellt in d’Luft.
Der Jenner seit: „I förch di nit.
Chumm, wenn de mit mer baschge witt!

65
Was gilts, de würsch bizite goh,

und rüehmsch dim Büebli nüt dervo!“

     Je, ’s wär wohl hübsch und liebli so,
im warme Stübli gfallts eim scho.
Doch mengi Frau, das Gott erbarm,

70
sie nimmt ihr nackig Chind in d’Arm,

sie het em nüt um d’Gliedli z’thue,
und wicklet’s mittem Fürtuech zue.

[189]

     Sie het kei Holz, und het kei Brod,
sie sitzt und chlagts im liebe Gott.

75
G’friert Stei und Bei, wohl thaut der Schmerz

no Thränen uf im Muetterherz.
Der Jenner isch e ruuche Ma,
er nimmt sie nüt um d’Armeth a.

     Gang bring der arme Fischer-Lis

80
e Säckli Mehl, e Hemdli wiß,

nimm au ne Wellen oder zwo,
und sag, sie soll au zuenis cho,
und Weihe hole, wenn i bach,
und decket iez der Tisch alsgmach.

Ausgabe I.

  1. Und unter mer in Berg und Thal,