Textdaten
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Titel: Der Badeort Salzloch
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aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 816
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[816] Der Badeort Salzloch. Nichts eignet sich wohl besser zur Satire als das heutige Badeleben und die darauf berechneten Badeschriften. Es war daher ein glücklicher Gedanke vom Verfasser des weltbekannten Struwwelpeter (dem Herrn Dr. med. H. Hoffmann), daß er in einer völlig den Styl vieler neueren Badeempfehlungen nachahmenden Broschüre („Der Badeort Salzloch, seine jod-, brom-, eisen- und salzhaltigen Schwefelquellen und die tanninsauren animalischen Luftbäder, nebst einer Apologie des Hasardspiels. Dargestellt von Dr. Polykarpus Gastfenger, fürstlich Schnackenbergischem Medicinalrathe und Brunnenarzte, Mitglied der aquatischen Gesellschaft, des deutschen Douche-Vereins, des Casinos und des Kegelclubs zu Schnackenberg, so wie vieler anderer gelehrter Gesellschaften correspondirendem und Ehrenmitgliede u. s. w. Frankfurt a. M. Literar. Anstalt 1861. 8.“) die Geißel des Humors lustig über dieses Treiben schwingt, Seine Satire, in bester Laune geschrieben, macht um so mehr Wirkung, da sie sich ganz treu an die Wirklichkeit hält und fast nur durch große Offenherzigkeit derselben den Stempel naiver Lächerlichkeit aufdrückt. Wer z. B. erkennt nicht gewisse, in Westdeutschland allenthalben in Hotels aushängende Annoncen wieder, wenn er liest: „Es bietet unsere Bank den Pointeurs 75 Procent mehr Vortheil, als alle anderen Banken. Man spielt Roulette mit 1/4 Zero und Trente et quarante mit 1/4 Refait und Pharao. An Sonntagen wird Roulette (für die umwohnenden Landleute, Vf.) mit nur 1 Zero gespielt.“ – Oder die Redensarten gewisser Brunnenschriftsteller in den Floskeln: „Man bezeichnet die Quelle als die stille Freundin des vegetativen Lebens,“ „die sanft sich in den Organismus schleichende Schmeichlerin;“ „das balsamartige Gefühl bei dem Trinken;“ „jedes Bad muß in seinem Gesammtapparat als ein medicinisches Ganzes betrachtet werden;“ „eine chemische Analyse mit ihrer Zahlenreihe ist ein trauriges Skelet“ u. dergl. mehr. – Natürlich durften in des Herrn Dr. Gastfenger Musterbad alle die Beigaben moderner Curmethoden nicht fehlen, welche jetzt von den Curorten ausposaunt zu werden pflegen, als da sind: Heilelektricität und Magnetismus, Heilgymnastik, Inhalationen, Pastilles de Salzloch, Trauben- und Aepfelwein-Cur, Wellenbäder (NB. in 8 Abstufungen, als Streichel-, Kitzel-, Wiegen-, Schaukel-, Stoß-, Schlag-, Rüttel- und Sturm-Bäder!), Fichtennadel- und Schlammbäder, Quellsalzseife u. s. w. – Die „tanninsauren animalischen Luftbäder“ bestehen darin, daß der Patient den Dunst der dortigen Gerbereien einathmet. (Erinnert an die weitausposaunten Inhalations-Apparate eines gewissen Curorts, welche, in der Nähe besehen, aus einem Holzkasten voll Eichenlohe bestehen, den man neben das Bett des Curgastes hinsetzt!) Das Hasardspiel der Curorte wird auf höchst sarkastische Weise als moralische Staatsanstalt und als „psychosalinische“ Curmethode in Schutz genommen. – So empfehlen wir denn das Büchlein unbefangenen Aerzten wie Laien zur erheiternden Lectüre.