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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Das Unersetzliche
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aus: Zerstreute Blätter (Vierte Sammlung) S. 94–96
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Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: Google und Commons
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[94]

 Das Unersetzliche.

 An nichts Geliebtes mußt du dein Gemüth
 also verpfänden, daß dich sein Verlust untröstbar machte.

 Innig liebt’ ich einst
 in jungen Jahren einen schönen Freund.

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 Sein Antlitz war mir wie das Heiligthum,

 zu dem man im Gebet sich wendet. Süß
 war sein Gespräch; und seine Freundschaft schien
 mir meines Lebens köstlichster Gewinn.

Unter den Engeln vielleicht, nicht unter den Menschen ist Einer,

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 Einer an Treue wie Er, Einer an Sitten wie Er!
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 Er starb. Da lag ich Tag’ und Nächte lang
 Auf seinem Grabe, seufzete und sprach:

„An dem Tage, da Dir des Schicksals Dorn in die Ferse
     stach, o wäre mir auch niedergeschmettert mein Haupt!

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Daß mein Auge die Welt, die meinen Geliebten entbehret,

     Nicht mehr sähe, daß ich unter der Erde mit Dir
läge, wie jetzo weinend auf deinem Grabe mein Haupt liegt.
     O des unglücklichen Manns! denk’ ich der seligen Zeit,
Da, auf Rosen gebettet, mir kam der Schlummer: die Rosen

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     sind verblühet; sein Grab ist mir mit Dornen bedeckt.“
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 Nun schloß ich zu mein Herz, und hielt es Untreu,
 nach Ihm mir einen Freund zu wählen: denn
 wer unter allen Menschen wär’ ihm gleich.

 ––––

Freilich winket das hohe Meer mit reichem Gewinn dir;

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     aber die Welle des Sturms droht mit dem Tode dir auch:

Mit der Rose zu leben, ist süß; doch stachliche Dornen
     stehen umher, und Sie welket im schönsten Genuß.
Gestern ging ich einher wie ein Pfau im Garten der Freundschaft;
     heute wind’ ich mich ein, wie ein gekrümmeter Wurm.