Textdaten
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Autor: Michel Buck
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Titel: D Väahkommissiau’
Untertitel:
aus: Bagenga’. Gedichte in oberschwäbischer Mundart. S. 221–230
Herausgeber: Friedrich Pressel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: bis 1888
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Robert Lutz
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[221]

D Väahkommissiau’.[1]

Um da Bussa laufet wôlle[2]
Sieba Kittelhearra rum,
Gravatätisch thant se schreita,
S gucket koiner rum und num.

5
Und as gôht mit langi Schritta

Eusa Schultas keack vorous,
Um da Bou[3] en gspickta Ranza
Und en Dachspitz hintanous.

Und se seahet meangi Mischte,

10
Meangi Geaschta, meanga Klai –

Halt! do stauhnt se voar der Lacha,
Stauhnt se voar em Bodasai.

Jetz dô thuat im Friederishafa
S Rautschilts Hengscht[4] da letschta Pfiff,

15
Und se sollet glei uffs Wasser,

Uff a fürnehms, mächtigs Schiff.

[222] Und der Schultas gôht fürani
Und ear putzt derbei sein Kumpf,[5]
Tappet richtig neabad s Brückle,

20
Hearr, wia lôht es dô en Pflumpf!


Und as leit – au Waih und Schreacka! –
S Schulza’namt im Wasser dinn
Und as schreit dô: „Je Mareia,
Healfet, i versouf dôhinn!“

25
Und d Matrausa ziehet grad noh,

Wo-n-as ischt am Letschta gsei’,
Eusan Schultas halbversoffa
Zuenen en a Schiffle nei’.

Au’, wia hôts dea Ma’ so gfraura,

30
Ousgseah’ hôt er pfannablô!

„Jô, der Sai hôt koini Bälka,“
Denkt er beinem selber dô.

Ear wär dinna, diesi[6] dussa,
Etz[7] wia kommt ma’ zua’n anand?

35
Diesi gauhnt it übers Brückle,

Weil se it versoufa want.

[223] Und doch sott ma’ über d Lacha,
Sott ma’ Simmathaler[8] hau’,
Und füar was denn isch ma’ gschossa

40
Woara ous zur Kommissiau’?


D Schiffskneacht kommet über s Brückle,
Bindet en glei d Auga zua,
Führets num. Mei’ Schultas lachet:
„S Kalb isch wieder bei der Kuah!“

45
Und so fährt ma’n uffam Wassar

Und verspricht glei ällz, was guat,
Faschta, Beata, Alamuasa,
Wia ma’s in de Näuta thuat.

„Hairet, Manna’,“ sait der Nyse[9],

50
„Hairet, Leut, i schmeck en Rauh,[10]

Und wo s Kemmat[11] so thuat raucha,
Schla mi s Bläßle, brennt es au.“

Und er schreit so lout aß mügle:
„Fuiriau, des Kemmat brennt!“

55
Oi’smôls schlet der Kapadäne

Ihm a Humsa’n[12] an da Grind.[13]

„Halt dei' Goscha!“ schreit er zoanig,
„Hôsch noh koi Maschina gseah’?
[224] Bischt dei’ Leabtig hintram Ofa

60
Und an Muatars Juppa gwea?“


Und der Schultas schneuzt uff d Seita,
Sait em Kapadän ins Gsicht:
„Dui Hums koscht en graußa Frevel,
Denn s ischt oiner uß em Gricht.“

65
Doch der Kapadäni lachet:

„„Uffem Schiff bi’n i der Reacht,
Dô sind boid Kollegi zema
Sannt em Schultas meini Kneacht!

Und i schreib it viel, i strôf glei,

70
Seahnt er dô mei’ Protakol?““

Und er fau’schtat[14] gegam Schultas:
„„Jeder kriagt da Buckel vol.““

Und der Schultas fangt a’ lacha:
„Des Juschtiara gfällt mer guat!“

75
Und ear sait gem Kapadäni,

Daß ers au so macha thuat.

Wia Herodes und Pilates
Geant dô boid anander d Hand,
Und der Kapadäni trucknet

80
Dô am Kemmat s Schulza Gwand.


[225] Und se trinket mit anander
Und der Ousschuß thuat au mit,
Seall der Nyse lôht se brichta,[15]
Hôt koi’ Tröpfle Wei’ verschütt.

85
Und so kommet se ge Roscha,

Wo se ab em Dampfschiff gauhnt,
Juhsget äll, daß sia jetz wieder
Uffam feschta Boda stauhnt.

Und se neammet iahri Steacka,

90
Stuiret gegs der Ei’sabah’,

Zweagats em Bolletalaisa[16]
Lauft der Schultes äll füra’.

D Fränkla kennt er, aber d Räppla
Want am it ins Hiara nei’.

95
Zletschta lôht er halt au fainfe

Grad, wia diese[17] Schwôba, sei’.

Und voar Zürch, dô hoißt as Oha!
D Ei’sabah’ hebbt woidle still,
Und ma’ sieht dô deckti Tischla,

100
Weil dô menger jeassa will.


D Richter[18] laiset[19] iahri Au’ser[20]
Ouf und langet nô em Speack,
[226] Denn se gunnet andri geara
Sealli feine Hearraschleack.

105
„Seis ums Fränkle!“ sait der Schultas,

„Eabbas muaß mer denischt hear.
Jetz a Schöpple Wei’ vom beschta,
Wo-n-er haunt in uiem Kear!“[21]

Und der Restaurater bringt em

110
Gschwind a Fläschle, wo a Drôht

Und a gmodlats Silberhüatle
Oba’n um da Zapfa gôht.

Und der Schultas vola Freuda
Macht dui Flascha wolli ouf.

115
Hui! dô fluicht em grad der Zapfa

Mittla uff da Zinka[22] nouf.

Und der Schaum, dear strudlat mächtig
Über s Schulza Leible[23] na,
Und der Schultas ka’ voar Schreacka

120
It a Stearbaswöatle sa.


Und as strudlat äll noh luschtig
Koiner woißt dô, wia und wenn,
Bis se wieder schwätza könnet,
Ischt nu’ Bodadecki dinn.

125
[227] Und der Schultas schleackat endli

Ärmel, Händ und Leible a,
Hebt nôch d Flascha nouf in d Haihe
Und ar sait: „Ai Donder schla!“

Doch der Restaurater sait dô:

130
„Zahlet Lüt, der Zug will gô!“

Und verlangt fainf gschlagne Franka:
„S ischt bi üs der Pris a so!“

S Schulza’namt, des zuicht vom Leadar,
– S ischt am voar de Auga blô –

135
Gucket nôch noh ganz verbärmschtle

Seine arme Fränkla nô.

„Desmôl z Zürich mei’ Gurgel gwäscha,“
Sait er druff, „und nimmamaih!
O iahr Manna’, wär i blieba

140
Danna[24] übram Bodasai.“


„„Hairet, Schultas!““ sait der Nyse,
„„Launt jetz ujan Jômar stauh’,
Denn des malafitzisch Fläschle
Muaß in d Hagareachning gauh’.““

145
Endli sind se z Erla[25] dinna,

Frôget nô der Öbrigkoit.
[228] „Chrüezi!“ sait der Erlar Schultas,
„Chümmet gli uff d Hagawoid!“

D Schwôba sind mit ei’verstanda,

150
Schwänzet iahri Kittel ouf,

Stuiret mit de langi Steacka,
Luaget an de Felsa nouf.

Und se schnoufet und se schwitzet,
Stauhnt a Weile wieder na’,

155
Und se thant nôch wieder spoicha,[26]

Was a jeder nu’ verma’.

„Kreuz und Olfe!“ sait der Nyse,
„Lôht der Berg denn noh it nô?“
Sait der Erlar Schultas gmüatle:

160
„„S wird gô gli noh besser chô.““


Oh wia schnappet dô die Knujer[27]
Und wia glitschet d Bossa’n[28] ous!
S Wasser lauft de Kommassäri
Ällbereits dur d Hosa nous.

165
Endle, endle wead as eba,

S gôht sogar a Stichle[29] na,
Und der Schultas mit de Manna
Schreit voar Freud Viktoria!

[229] Älli Oussicht isch en Oi’ding,[30]

170
Oi’ding sind en Bearg und Thal,

Was se seah’ want, sind nu’ Kälber,
Küah und Hägi nô der Wahl.

Und se greifet nô de Mäuler
Und se greifet nô de Rischt[31]

175
Und betrachtet Gmülk[32] und Kealla,

Ob au ällz zum Loba’n ischt.

Und iahr däaffets keackle glauba,
Könnts a bitzle mügli sei’,
Schlüefet se beim Visatiara

180
Hofreacht[33] seall in d Viacher nei’.


Und so geit es glei en Handel,
Sieba Hägi wearet kauft,
Wenn schau’ noh a’n achter blinder
Spôter in der Reachning lauft!

185
Sieba Schweizer, sieba Schwôba

– Jetz was will ma’ weiter maih? –
Schwimmet in der zwoita Klassa
Friedle dur da Bodasai.

[230] Und se haunt da deutscha Boda

190
Ällbereits voar Freuda küßt:

„O miar wäret nia uff Roisa,
Hättet miar dia Gfôhra gwißt.“

Fahret drum jetz stolz gem Bussa[34]
Mit der schöna Scheackawar[35],

195
Und se spitzet iahri Auhra,

Wenn se hairet, dia sei rar!

Und se hairet suscht noh Reda,
Wo en grousig gfalla thant,
Bis ses zletschta sealber glaubet,

200
Daß sia gscheidi Kerle sand.


„So a Gmoi’d ischt zum Beneida,“
Sait der Schultas, „wo ses füagt,
Daß ma’ grad a Väahkollegi,
Wia miar sieba, zema kriagt!“



  1. Viehkommission.
  2. Hurtig.
  3. Bauch.
  4. Dampschiff.
  5. Nase.
  6. Die andern.
  7. Jetzt.
  8. Simmenthaler Vieh.
  9. Dionys.
  10. Rauch.
  11. Kamin.
  12. Ohrfeige.
  13. Kopf.
  14. Macht eine Faust.
  15. Zufrieden stellen.
  16. Wegen des Kartenlösens.
  17. Jene.
  18. Die Kommission.
  19. Lösen.
  20. Brotsäcke.
  21. Keller.
  22. Nase.
  23. Weste.
  24. Jenseits.
  25. Erlenbach.
  26. Schiebend laufen.
  27. Kniee.
  28. Halbstiefel.
  29. Eine kleine Strecke.
  30. Einerlei.
  31. Rückgrat.
  32. Euter.
  33. Geraden Wegs.
  34. Berg bei Riedlingen.
  35. Rot und weiß gefleckt.