« Kapitel B 5 Beschreibung des Oberamts Göppingen Kapitel B 7 »
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6. Gemeinde Börtlingen,
bestehend aus 4 Parcellen. G. E. 734.

a) Börtlingen, früher auch Bertnang, evangel. Pfarrdorf mit 457 Einw., nördlich, 11/2 St. von Göppingen. Die Parcellen liegen bergigt, aber gesund. Die Gemeinde gehört in die III. Classe und ist dem Forstamt Lorch zugetheilt. Die Zehenten in Börtlingen stehen, vom Kl. Adelberg her, dem Staat zu; an den übrigen grundherrlichen Rechten desselben hat die Gemeinde seit 1817 für 1420 fl. 4 kr., und namentlich alle Laudemien, abgelöst. (S. auch S. 79.)

Die Gemeinde hat 106 Haupt- und 28 Neben-Gebäude. Die Kirche ist gut beschaffen und vom Heiligen, St. Johann, zu unterhalten. Der jetzige Thurm mit 3 Glocken wurde 1821 errichtet. Das Schulhaus wurde 1837 neu erbaut. — Die Verhältnisse des Bodens und der Landwirthschaft sind wie die in Oberwälden; der Nahrungsstand ist aber etwas weniger gut. Der Obstbau ist von ziemlicher Bedeutung, und der Hopfenbau (oben S. 49) scheint eine immer größere Ausdehnung zu erhalten. Die Gewerbe sind ganz unbedeutend. Es sind 1 Mahl- und 3 Säg-Mühlen vorhanden. | Etwa 15 der ärmsten Einwohner nähren sich durch Verfertigung von Dachschindeln, die sie in der Gegend verkaufen. Man will übrigens die Bemerkung machen, daß der reiche Fonds des Heiligen die Einwohner von größerer Thätigkeit im Betriebe der Gewerbe und Landwirthschaft abhalte.

Die Tabelle IV. zeigt, daß der hiesige Heilige der reichste im Bezirk ist. Die Pfarrei ist, wie wir hienach sehen werden, alt; sie war aber schon vor der Reformation nicht mehr besetzt und bereits 1595 mit der von Oberwälden vereinigt, welche Vereinigung noch besteht. Der Pfarrer von Oberwälden predigt hier abwechslungsweise mit dem Mutterorte. Als Subfilialien gehören die drei nachgenannten Parcellen und der evangelische Theil von Birenbach hierher. Die Schule wird von den Kindern des Pfarrsprengels besucht. Auch eine Kleinkinderschule besteht hier. Eine Industrieschule wurde 1840 errichtet und ein neuer Gottesacker 1837 angelegt.

b) Brech, zum Unterschiede von dem gleichnamigen Weiler im O.A. Welzheim auch Adelberger Breech genannt, ein Weiler mit 150 evangel. Einw., nördlich, 1/2 St. von Börtlingen, nahe an der Grenze des O.A. Welzheim. Die Zehenten gehören vom Kl. Lorch her dem Staat. Die ganze Markung bestand 1496 aus 7 Lehen und 1 Sölde, die dem Kl. Adelberg zugestanden. Zwei Lehen waren in alten Zeiten Filialien von Lorch dem Dorf. Dasselbe scheint noch früher auch mit den übrigen Lehen der Fall gewesen zu seyn, da der Ort nicht nur 1 Pfund 10 Schilling Heller für den kleinen Zehenten, sondern auch 1 Simri Kirchenhaber dem Kl. Lorch zu reichen hatte.

c) Pöppelenshof, W. mit 35 evangel. Einw., ganz nahe bei Brech gelegen. Dazu gehört eine auf der Grenze des O.A. Welzheim am Marbach gelegene Ölmühle. Die Zehenten stehen von dem Kl. Lorch her dem Staate zu. Der Ort war früher ein größerer Weiler, welcher immer unter dem Namen „Pöpplinsweiler“ vorkam. Im J. 1487 verkaufte das Kl. Gotteszell an Adelberg „Wald vnd Wiesen am Brecher Feld, alles by einander gelegen, genannt der Nunnenwald, das vor Zeiten ein Weiler gewesen ist, genannt Boplinswiler.“ Der Sägmühle zu „Pöppliswiler“ gedenkt noch das Lagerbuch von 1496.

d) Zell, früher auch „Zell unter Staufen,“ W. mit 90 Einw., worunter 10 Kath., liegt zwischen Birenbach und Börtlingen, ganz nahe bei diesem. Die Zehenten gehören, vom Stifte Faurndau her, dem Staat. Noch im J. 1562 war der Weiler Filial von Faurndau. Im J. 1496 war die Markung in 3 Höfe, 41/2 Lehen und 1 Mühle getheilt, welche, mit Ausnahme eines Hofes, dem Kl. Adelberg zustanden. Dieser Hof aber, der Bischofshof genannt, gehörte zum | Stifte Faurndau und war bis 1806 dem Stabe Plüderhausen, O.A. Welzheim, einverleibt. Der Besitzer hatte der Kellerei Schorndorf 5 Sch. Heller, 1 Fastnachthenne, 10 Käse und 10 Simri Haber zu Vogtrecht und überdieß an Ostern dem Amtmann zu Plüderhausen 100 Eier zu reichen; lieferte er diese nicht rechtzeitig und mußte sie der Büttel bei ihm holen, „so ist er schuldig, zu den 100 Eiern dem Büttel 10 Eier zu Lohn zu geben."

Nördlich von Zell liegt ein kleiner See, der seinen Zufluß vom Marbach erhält, und hier einige Mühlen treibt.

Börtlingen mit seinen Zugehörungen ist wohl, weil nur eine halbe Stunde von Adelberg entfernt, eine der ältesten Besitzungen dieses Klosters, und war daher einst Staufen’sches Gut. Leider sind aber fast alle Urkunden über dessen Erwerbung verloren gegangen. Aus alten Lagerbüchern zu schließen, scheint der Ort einst ummauert und etwa mit einer Burg verbunden gewesen zu seyn, da jenes von 1496 von einem Garten spricht, der „by dem obern Thor zu Bertnang“ liege. Auch finden wir Edelleute, die sich von dem Orte schrieben, aber frühe schon denselben verlassen und sich im Rechberg’schen Gebiete angesiedelt haben müssen. Berthold von Bertnang verkaufte seine hiesigen Vogtrechte 1324 an Adelberg, und 1421 verkaufte der Rechberg’sche Lehensmann Conrad Bertnang und seine Hausfrau Elsbeth von Bolstat an Junker Hans von Winkenthal den ältern einen Hof zu Mulfingen. In Börtlingen war jedoch frühe schon Adelberg alleiniger Herr; es besaß 1496 hier 24 größere und kleinere Lehengüter. Ebenso lange war es auch schon im Besitze aller Hohheit, da der oben S. 95 erwähnte Börtlinger Stab seit den frühesten Zeiten bestand. Die eigenthümlichen leibeigenschaftlichen Leistungen, Weinfahrten und anderen Dienste, die in demselben hergebracht waren, s. oben S. 74 u. f.

Die Parochialrechte von Börtlingen sind alt. Schon 1271 bestättigte der Bischof die zuvor schon geschehene Incorporation »ecclesie Berthinanc ad mensam« des Kl. Adelberg, das aber, wie wir zuvor sahen, die Pfarrei frühe schon eingehen ließ.

Bei Börtlingen selbst lag früher ein See, dessen noch 1701 gedacht wird. Ebenso lag in der Nähe auch, gegen Brech hin, ein Weiler, Ödweiler genannt, der aber schon 1496 abgegangen war. Ein später hier wieder angelegter „Ödweiler Hof“ wurde mit Brech oder Börtlingen vereinigt. Jener Ort bestand aus Großödweiler und Kleinödweiler, und die dazu gehörigen Güter waren 1496 im Besitze der Heiligenpflege, welche dieselben erblich verliehen hatte.

Der Kaiserweg, welcher von Oberberken her nach Rattenharz durch Brech zog, wird bei Beschreibung der Oberämter Welzheim und Schorndorf erörtert werden.


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