« Kapitel B 30 Beschreibung des Oberamts Balingen Anhang »
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31. Zillhausen,


Pfarrdorf, Gemeinde III. Klasse, mit Wannenthal, Hof, 601 ev. Einw. und 1 eigener Konfession. Die Einwohner von Wannenthal sind nach Burgfelden-Pfeffingen eingepfarrt.
Zillhausen liegt hochromantisch zwischen den Abhängen des Böllat und Hirschberg im engen, waldigen und obstbaumreichen Thal des oft wasserreichen, durch verschiedene Zuflüsse verstärkten Büttenbachs, auf einer Terrasse des Personatensandsteins, über welche der Bach unterhalb des Dorfs und der Mühle in 24 m hohem Absturz auf die Opalinusthone hinunterfällt. Der freundliche, reinliche Ort wird von der Vizinalstraße von Stockenhausen nach Streichen, von der sich nach rechts die gegen Pfeffingen | abzweigt, der Länge nach durchschnitten. 5 steinerne Brücken, sowie ein steinerner und ein hölzerner Steg führen über die Gewässer des Thals, die Gemeinde hat sie zu unterhalten.

Im untern Theil, nicht weit vom Wasserfall, erhebt sich die 1838 in hübschem, modernem Rundbogenstil erbaute, mit einem etwas vorspringenden, sonst als Dachreiter erscheinenden Ostthurm geschmückte Kirche. Das Innere ist hell und freundlich. Der Thurm enthält zwei hübsche Glocken, die größere von F. Engel in Ebingen 1863, die kleinere alt mit der Jahrszahl 1418, den Reliefs Mariä, Petri und eines Bischofs und der Minuskelinschrift: maria. gotes. mad. hab. in huot. was. leb. iber. erdenn. Westlich unterhalb der Kirche, welche von der Stiftung zu unterhalten ist, gegen den Wasserfall liegt freundlich das schöne, 1862–63 aus Tuffstein vom Staat erbaute Pfarrhaus. Das 1830 erbaute Rath- und Schulhaus mit zwei Lehrzimmern und den Wohnungen eines ständigen und eines unständigen Lehrers ist gleichfalls ein hübsches Gebäude. Auch ein Armenhaus, Schafhaus, Spritzenhaus besitzt die Gemeinde. Gutes Trinkwasser liefern 4 laufende und 1 Pumpbrunnen; die Leitung hat theils eiserne, theils hölzerne Teuchel.

Die großen, kräftigen Einwohner sind mehrentheils fleißig, betrieb- und sparsam. Die Volkstracht geht allmählich ab. Von Volksbelustigungen kommt das Eierlesen noch vor. Der Nahrungszustand ist mittel, die Vermöglichsten besitzen 30–40, die Mittleren 20, die Ärmeren 1/2–2 Morgen. Weniges hat man auf fremder Markung. Durch Wollspinnerei für Balinger und Ebinger Fabrikanten, durch Flechten von Bienen- und Brotkörben, sowie Korbflechten, durch Schuhmacher- und Schmidarbeit nach außen sucht man den Nahrungsstand zu verbessern. Die Mühle mit 2 Mahlgängen und 1 Gerbgang, 3 Krämer und 5 Gastwirthschaften („um 3/5 zu viel“) dienen dem Verkehr. Industrieschule wird gehalten.

Die mittelgroße, nach Norden bis zur Landesgrenze sich erstreckende Markung liegt fast ganz im braunen Jura; im Böllatrand erreicht sie noch den weißen. Der Boden ist meist seicht, schwer, naßkalt, großentheils unergiebig, die Wiesen theilweise sauer. Das Klima ziemlich rauh und wechselnd.

Im unteren und mittleren braunen Jura werden Bausteine gewonnen, auch Lehm- und Töpferthon gegraben.

Der Feldbau ist durch die Beschaffenheit des Bodens, durch die gebirgige Lage und durch Abschwemmungen erschwert. Doch | wird er mit Eifer betrieben und einzelne Güterbesitzer gehen mit gutem Beispiele voran. Dem Klee wird mit Gips nachgeholfen und die Jauche sorgfältig gesammelt. Der häufigste Pflug ist der Wendepflug; auch eiserne Egge und Dreschwalze ist vorhanden. Ein geschlossenes Gut bildet der Hof Wannenthal. 1/3 der Brache wird mit Klee eingebaut. Auch Esper wird gepflanzt. Von Früchten überwiegen Dinkel und Haber. Von ersterem sät man 10 Sri. auf den Morgen und erntet 8 Schffl., von 5 Sri. Gerste 4 Schffl., von 6 Sri. Haber 5 Schffl., von 10 Sri. Einkorn 7 Schffl. Haber wird ziemlich viel als Saatfrucht in die Umgegend verkauft; dagegen muß mehr Brotfrucht eingeführt werden. Der Wiesenbau ist ausgedehnt, das Futter mittelmäßig, die Wiesen größtentheils zweimähdig. Der Morgen erträgt 30 Ctr. Einiges Futter kann verkauft werden. Gemüsebau fast nur zum eigenen Bedarf. Obstbau wird stark betrieben und ist noch im Zunehmen. 3 Privat- und eine Gemeindebaumschule sind vorhanden, aus denen die Jungstämme kommen. Ein Baumwart ist angestellt. Das Obst wird zum Mosten und Dörren, wenig zum Brennen verwendet, und in günstigen Jahrgängen können 4–6000 Sri. nach auswärts verkauft werden.

Die Gemeinde besitzt 89 ha 45 a Wald, meist Nadelwald, welche jährlich 348 Raummeter und 6000 Wellen abwerfen; hievon erhält der Bürger 11/2 Raummeter und 20–30 Wellen, der Rest erträgt für die Gemeinde etwa 3000 M. Die Weiden umfassen 180 Morgen, sind ziemlich gut und werden mit fremden Schafen befahren; sie ertragen der Gemeinde 830 M. und 728 M. für Pferchnutzung. Allmanden sind an die Bürger etwa 200 Morg. vertheilt.

Pferdehaltung und -zucht unbedeutend.

Rindviehzucht gut. Man hat die gelbe Landrace mit Simmenthaler Kreuzung, wofür die Gemeinde zwei Farren aufgestellt hat und von einem Bürger gegen Entschädigung und Futter von Gemeindewiesen besorgen läßt. Stallfütterung allgemein. Juden stellen einiges Bestandvieh ein. Eigene Schafzucht wird nur in Wannenthal getrieben. Auf der Markung laufen Sommers 500 Stück. Die Schweinezucht ist nicht bedeutend; einige Ferkel englischer Race werden gezüchtet. Die Aufzucht erzielt wenig zum Verkauf. Unbedeutend auch die Ziegenzucht und Geflügelzucht (Gänse und Hühner), wichtiger die Bienenzucht, auch mit beweglichen Waben. Honig und Wachs wird an auswärtige | Händler verkauft. Dem Gedeihen der Fischerei steht der Wasserfall entgegen. Dagegen treibt man Karpfenzucht in drei künstlichen vom Roschbach gespeisten Weihern. Der Absatz geht nach Balingen.

Stiftungskapitalien sind nur 582 fl. vorhanden, worunter 402 fl. Krimmel’sche Stiftung.

Der Ort, dessen Name früher Zillinhusir, Zilnhusen, geschrieben erscheint und von dem Stamm Zil, beziehungsweise dem Eigennamen Zilo abzuleiten ist (Förstemann, 1, 1369. 2, 1656), wird das erste mal den 27. März 793 aus Anlaß der öfters genannten Schenkung Bertholds aus der gottfriedischen Familie an das Kloster St. Gallen erwähnt (S. 338). Das letztere kommt auch noch um das Jahr 1200 mit ziemlich umfangreichem Besitz dahier vor. Im Ganzen aber gehörte Zillhausen zur zollerischen Herrschaft Schalksburg und kam mit ihr den 3. November 1403 an Württemberg (S. 279).

Was einzelnen vorübergehenden oder unbedeutenden Besitz am Orte betrifft, so stund solcher besonders der Familie von Thierberg und deren Lehensleuten, den Herren von Hausen, zu und kam von diesen namentlich an die Klöster Margrethausen und Wannenthal. Schon im J. 1332 wird Heinrich von der Alten-Thierberg hier als begütert genannt; den 10. März 1345 verkauft Frau Anna von Bernhausen, Konrads von der Alten-Thierberg Witwe, mit Einwilligung ihres Sohns Konrad ihren eigenen Hof dahier, Hansen des Wilden Hof genannt, um 52 Pfd. Hllr. an Kloster Margrethhausen, den 25. September 1370 Hans von der Wilden-Thierberg mit Einwilligung seiner Söhne Hans, Konrad und Ulrich den hiesigen Maierhof und Zugehörden um 195 Pfd. Hllr. gleichfalls an dieses Kloster. (Mon. Zolleran. 1, 214); den 10. Oktober 1370 Hans von der Alten-Thierberg ein hiesiges Gut um 116 Pfd. Hllr. an die Klause zu Dürrwangen (Monum. Zolleran. 1, 214. 215). Den 4. März 1352 übergeben Albrecht von Husen und Heinrich sein Bruder Elsbethen ihrer Schwester und Äblin dem Mazen, ihrem Schwestermann, Schultheißen zu Ebingen, einen Hof dahier um 40 Pfd. Hllr. mit Bewilligung ihres Lehensherrn Heinrichs von Thierberg; im Jahr 1375 verschreibt Heinrich von Hausen, den man nennt den Ungeschaffenen, einen Hof dahier seiner Frau Margarethe, Heinzen des Lägellers Tochter von Ebingen, mit Genehmigung seines Lehensherrn Hans von Thierberg; im J. 1397 verkauft Margarethe als Wittwe diesen Hof und im J. 1437 ohne Zweifel dieselben Güter der Rottweiler Bürger Bernhard Häck an das Kloster Wannenthal (Württ. Jahrb. 1838 S. 207). Vergl. auch oben S. 486.

Nach Röders Lexikon von Schwaben zählte der Ort 520 Einwohner.

| Die geschichtliche Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse ist schon oben (S. 313 ff.) dargestellt.[1]

Parzelle: Wannenthal, Hof in der von Schalksburg und Böllat gebildeten „Wanne“ gelegen.

Unter der zollerischen Schalksburg lag schon vor der Gründung des alsbald zu nennenden Klosters ein Hof, welcher von seiner Lage Wannenthal hieß und auf welchen es allem nach zu beziehen ist, wenn in der öfters erwähnten Verkaufsurkunde der Herrschaft Schalksburg vom 3. November 1403 „Zu Wannenthal 3 Pfd. 4 Schill. Hllr. Zinsen, 4 Mltr. Korngelds, 6 Hühner und 1/4 Eier“, d. h. eben wohl der Gülthof Wannenthal, aufgeführt werden.

Gegen[2] Ende des 14. Jahrhunderts ließen sich unterhalb dieses Hofes, gleichfalls auf zollerischem Grund und Boden, mehrere Einsiedler (Augustiner-Eremiten) unter Leitung eines gewissen Konrad nieder. Graf Friedrich von Zollern schenkte ihnen den Platz und unterstützte sie beim Bau einer Kapelle, welche zu Ehren des h. Kreuzes, des h. Sebastian und aller Heiligen geweiht wurde. Als der geschenkte Platz sich zu den für die Einsiedler nothwendigen Gebäuden zu klein zeigte, erweiterte ihn Graf Friedrich so, daß er von der Kapelle als Mittelpunkt nach allen Richtungen hin 50 Ellen maß, und befreite ihn von allen Abgaben. Weil aber dieser Platz innerhalb der Gränzen der Pfarrei Dürrwangen lag und das Patronat dieser letzteren dem Kloster St. Georgen zustund, so befreite Abt Johann den 15. September 1395 mit Einwilligung des Dürrwanger Pfarr-Rektors Berthold die Kapelle und den Ort selbst mit den gegenwärtigen und zukünftigen Bewohnern von aller Unterthänigkeit und der Leistung aller pfarrlichen Pflichten, nur daß die Brüder zum Dank für ihre Freiheit jährlich an Martini 1/2 Pfd. Wachs und den großen Zehnten von aller Ackerwirthschaft an die Kirche zu zahlen hatten. Auf die vom | Abt und Convent dem Grafen Friedrich und dem Pfarr-Rektor Berthold vorgetragene Bitte bestätigte dies Bischof Burkard von Constanz am 14. Juli 1397. Am 15. September 1403 stiftete Graf Friedrich für seinen kaum verstorbenen Sohn, sich selbst, seine Gattin Verena und ihrer aller Vorfahren einen mit zwei Priestern zu feiernden Jahrestag in die Kapelle (Monum. Zolleran. 1, 327, 333, 374).

Noch im J. 1406 befanden sich „Brüder“ allhier, welche am 11. August d. J. Wiesen mit dem Kloster Stetten unter Hohenzollern vertauschten, allein bereits den 24. April 1408 erhielten „Priorin und Konventfrauen zu Wannenthal St. Augustins Korfrauen“ eine Waldung bei Wannenthal zu Lehen von dem genannten Kloster, mit welchem sie auch den 24. Juni 1431 einen Tausch von Wald und Egerten gegen Äcker vornahmen. Mit Rücksicht auf diesen Wechsel der Personen versprach die Gräfin Henriette von Württemberg in ihrem und ihrer Söhne, der Grafen Ludwig und Ulrich, Namen den 3. Januar 1421, daß sie die Schwestern bei der Gnade und Freiheit lassen wollen, welche die Brüder von Grafen Friedrich sel. von Zollern erhalten haben. Doch scheinen die weiblichen Insaßen der alten Einsiedelei hinsichtlich der Wahl des Ordens Anfangs geschwankt zu haben, denn den 6. September 1426 gestattete Bischof Otto von Constanz Lucien und den anderen Schwestern der Zelle, welche mit der Kirche St. Johannes des Täufers in Wannenthal, einer Filiale der Pfarrkirche zu Dürrwangen, verbunden sei, auf ihre Bitte statt der bisher von ihnen befolgten 3. Regel des h. Franziscus sich dem Orden der Regularcanoniker des h. Augustin anzuschließen, unterstellte sie dem Probst und Convent von Beuron und bestimmte, daß die Zahl der Schwestern 13 nicht überschreiten solle. (Petr. a. a. O. 857), Anordnungen, welche der Kardinallegat Julian am 1. Juli 1454 zu Basel bestätigte.

Von der weiteren Geschichte dieses stets unbedeutend gebliebenen Klosters ist nur wenig bekannt, es unterlag zuletzt dem Reformationseifer Herzog Ulrichs von Württemberg. Derselbe ließ im Jahr 1544 in Gegenwart der drei noch im Kloster befindlichen Frauen Elisabeth von Ow, Anna Frey von Rottenburg und Veronika Schweiker von Sulz durch den Keller zu Balingen des Klosters Gerechtigkeit, Zinsen, Gülten, Nutzungen u. s. w. renoviren und beschreiben. Dieser Aufnahme zufolge gehörte Unterwannenthal, wie das Kloster im Gegensatz zu dem oben | erwähnten Hofe schon jetzt und in der Folge stets genannt wurde, was Obrigkeit, Frevel, Gebot, Verbot, Strafen und Bußen betraf, unter den Stab Zillhausen, Balinger Amts, bestunden seine Gebäulichkeiten in dem Wohnhaus der Frauen oberhalb mit einer Stube, etlichen Kammern und einem Keller, welches ganz baufällig, einer kleinen Behausung, darin eine Webstube und die Küche, einer Scheuer zu ungefähr 20 Wagen Futter, zur einen Seite einen Stall für drei Pferde, zur anderen dsgl. für fünf Kühe, einer Badstube mit einem Brunnen dabei, einem abgegangenen und baufälligen Kirchlein. Dazu kamen noch als Besitz des Klosters einige Gärten und Wiesen, sowie jährliche Zinsen aus Höfen und Lehen zu Balingen (s. dieses), Endingen, Frommern, Laufen, Ostdorf, Pfeffingen, Roßwangen, Streichen, Thieringen, Winterlingen, Zillhausen (s. dieses).[3]

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Dem Bisherigen entsprechend wurde auch bei der Renovation des ganzen Amts Balingen im J. 1560 Herzog Christoph als rechter einiger Herr zu Unterwannenthal, dem gewesenen Klösterlein, angegeben, welcher daselbst und soweit desselben Zwing und Bänn gehen, einig und allein den Stab, auch alle Geleit und alle Obrigkeit, Herrlichkeit, Gebot, Verbot, hohe und niedere Gericht, Frevel und Bußen habe. Doch behielt die württembergische Herrschaft den Hof nicht für sich. Vielmehr überließ Herzog Christoph die Behausung, Güter, Gefälle und Einkommen des Klosters mit allen desselben Zu- und Eingehörungen, da sie „nachdem wir die Begeinen in anderweg gnedig bedacht, versorgt und abgefertigt, gänzlich erledigt worden“, ausgenommen die Obrigkeit und den Zehenten, die er sich vorbehielt, den 4. September 1562 an den Balinger Spital. Letzterer hatte übrigens die auf den Gütern stehenden Lasten und Beschwerden zu tragen und verglich sich am 26. Mai 1589 mit dem Weiler Stockenhausen wegen Weidgerechtsame der Inhaber des Hofes. Den 12. Juni 1601 verkaufte er das Klösterlein Unterwannenthal um 1900 fl. an die Gebrüder Samson und Hans Walther Scheer von Schwarzenburg zu Oberhausen (OA. Rottweil), welche bereits den 16. Mai d. J. einen Revers ausgestellt, daß sie und ihre Erben und Nachkommen von dem Hof, welcher nie ein adeliges Gut gewesen und auch hinfüro | keines sein werde, alle Beschwerden, wie andere vor ihnen tragen, die benachbarten Flecken bei ihrer Triebs- und Weidgangsgerechtigkeit unverhindert lassen, den jährlichen Canon aus dem Hofe nach Balingen entrichten wollen u. s. w. In den Zeiten des 30jährigen Krieges sparte zwar Abt Johann von Beuron keine Mühe und Kosten, bei den Kommissären Kaiser Ferdinands II. die Wiederaufrichtung des Klosters zu betreiben, jedoch ohne Erfolg.

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Im Gegensatz zum Kloster wurde der bereits erwähnte ältere Hof in der Folge Oberwannenthal genannt und wird z. B. in der (S. 313) besprochenen Urkunde vom 22. Oktober 1451 als zur Pfarrei Burgfelden gehörig aufgeführt. Nach der Renovation vom Jahr 1560 hatte auch zu Oberwannenthal, soweit des Hofes Bezirk und Begriff gieng, Herzog Christoph alle Ober- und Herrlichkeit und was derselben anhängig, und wurde es mit Freveln, Unrechten, Hauptrechten und Fällen gleichfalls wie zu Zillhausen gehalten. Der Hof selbst war zwar der Herrschaft Eigenthum, jedoch zunächst als Erbgut hinausgegeben, und es gehörten zu ihm von Gebäuden ein Haus, Hofraite, 2 Scheuern. Außer 2 Malter alten Balinger Meß Veesen und Haber, 6 Hühnern und 240 Eiern hatte er nach Übereinkunft mit dem Hofmeier statt früherer 4 Pfd. Hllr. jährlicher Zinsen nunmehr 5 Pfd. 4 Schill. zu zahlen, sollte aber „dafür wie von Altersher von aller Frohn, Steuern, Schatzung und anderen Beschwerden, – ausgenommen obgemelte Zinsen und Gülten und daß der Meier in Kriegsläufen wie ein anderer Unterthan raisen, auch so von einem fremden Kriegsvolk dem Amt Balingen Schaden geschehen und der umgelegt, er, Maier, seinen gebührenden Theil geben soll, – frei gelassen sein.“ Der große und kleine Zehnt stund meist dem Kloster St. Georgen und der Pfarrei Dürrwangen eines- und der Pfarrei Burgfelden anderestheils zu. In der Folge wechselte der Hof vielfach seine Besitzer, im J. 1570 gehörte er Georg von Lindenfels gewesenem Schultheißen zu Bondorf, im J. 1579 dem Kanzler und Probst zu Tübingen Jakob Andreä, im J. 1594 Antonius Schweiker, Universitätsverwandten zu Tübingen, welcher ihn am 26. Dezember d. J. um 3185 fl. an Hans Walther Scheer von Schwarzenburg zu Oberhausen verkaufte. Lindenfels hatte im Anschluß an die erwähnten Vorrechte des Guts dasselbe aus einem Bauerngut in ein adeliges Gut verwandeln wollen, weßhalb es zu längeren Zwistigkeiten kam und der genannte Scheer am 5. Februar 1596 | einen mit dem etwas späteren, bereits erwähnten in Betreff Unterwannenthals ziemlich gleich lautenden Revers ausstellte.

Seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts war somit Ober- und Unter-Wannenthal wieder in einer Hand vereinigt und kam durch Hans Walther Scheers († 1621) einzige Tochter Marie Elisabeth Scheer von Schwarzenburg, Gemahlin des Hans Wernher von Stuben, in den Besitz der letzteren Familie, bis der Enkel aus dieser Ehe, Joseph Anton von Stuben, den 29. Mai 1717 beide Höfe um 20.000 fl. an das Kloster Margrethausen verkaufte. Übrigens gab es wegen der Zuziehung der Güter zu den Lasten und Steuern Seitens der Gemeinde Zillhausen, der sich die späteren Besitzer wiedersetzten, noch mannigfache Streitigkeiten, welche durch Vergleiche vom 11./21. Mai 1667 zwischen Marie Elisabeth von Stuben und der Gemeinde Zillhausen und vom 5. Mai 1755 zwischen dem Kloster Margrethausen einerseits und Joseph Anton von Stuben, beziehungsweise nach seinem Tode dessen Erben andrerseits beigelegt wurden. Der Rentkammerrath Andreä nennt in seinem Landbuch von 1744 Unterwannenthal „in allen An- und Umlagen zur württembergischen Besteuerung und auch zu solcher hohen und niederen Jurisdiktion gehörig, Oberwannenthal aber sowohl tempore belli als tempore pacis gegen dem Balinger Amt in allen extraordinariis, auch Kriegs- und Quartierkosten collektabel, in ordinario Amt- und Communeschäden aber frei“, und in den Staatshandbüchern vom Ende des vorigen Jahrhunderts erscheint Wannenthal beim Oberamt Balingen mit dem Beisatz: dem Kloster Margrethausen als Privateigenthum gehörig.

Bei der Säkularisation Margrethausens gingen dessen Rechte auf Württemberg über und die Oberfinanzkammer verkaufte den 15. Oktober 1824 das ganze Meiereigut Ober- und Unter-Wannenthal um 10.000 fl. an den Substituten Wilhelm Lechler zu Pfeffingen. Seither kam das Gut mehrmals durch Kauf in andere Hände.


  1. Unrichtig ist es, wenn in Mon. Zolleran. 1, 213 vergl. mit 558 die im J. 1370 Friedrich dem Weißgrafen von Zollern-Schalksburg verliehene Probstei Zaisselczhusen auf unser Zillhausen bezogen wird.
  2. Zur Geschichte des Klosters Wannenthal ist zu vergl. Franc. Petri Suevia eccles. 855–858 (in Kuen Collectio 5, 227–229); Württ. Jahrb. 1838 H. 1, S. 204 ff; Monum. Zolleran. an den unten angeführten Orten.
  3. Im J. 1423 hatte das Kloster Güter zu Balgheim OA. Spaichingen erworben (Württ. Jahrb. 1838 H. 1, S. 208).


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