BLKÖ:Winzler, Zachäus Andreas

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Winzenhörlein, A.
Band: 57 (1889), ab Seite: 105. (Quelle)
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Winzler, Zachäus Andreas (Industrieller, geb. zu Unlingen im ehemals vorderösterreichischen Schwaben am 24. August 1750, Todesjahr unbekannt, er lebte noch zu Beginn der Dreißiger-Jahre des laufenden Jahrhunderts). Die Studien machte er bei den Minoriten zu Ueberlingen, setzte sie zu Constanz fort [106] und erlangte dann die philosophische Doctorwürde. Nun begann er das Studium der Theologie, welches er aber nach einiger Zeit aufgab, um sich jenem der Arzeneiwissenschaft zu widmen, mit welchem er noch das der Chemie und Naturkunde verband, welch letzteres Gebiet er sich als seinen Lebensberuf erwählte. Nachdem er zu chemisch-metallurgischen Forschungen und Studien eine Reise durch Deutschland und Ungarn unternommen hatte, ließ er sich vorerst in Warasdin nieder; als aber daselbst ein Brand sein Haus eingeäschert, kehrte er 1772 zur Fortsetzung seiner Studien nach Deutschland zurück und nahm an der Hochschule in Marburg das medicinische Studium wieder auf. Nachdem er einige Zeit demselben obgelegen, trat er als Secretär und Fabriksverwalter bei dem Kupfer- und Kobaltbergwerke im Nassau-Siegenschen in Dienste des geheimen Legationsrathes Freiherrn Waitz von Eschen in Cassel; später bei der Zaffera- (Kobalt-) Fabrik und den Potaschesiedereien in Schwarzenau und bei dem Blaufärbewerk unweit Wernigerode. Auch errichtete er nach Simon’s Methode eine Salpetererzeugungsanlage. Während mehrerer in dieser Zeit zu dienstlichen Zwecken unternommener Reisen besuchte er nicht nur das südliche und nördliche Deutschland, sondern auch Holland und England, in welchen industriell und technisch weit vorgeschrittenen Ländern er seine Kenntnisse namentlich auf chemisch-technischem Gebiete nicht unwesentlich bereicherte. Nachdem er fünf Jahre in besagten Diensten thätig gewesen, wendete er sich um 1778 nach Oesterreich und ging zunächst nach Wien, wo ihm die Leitung des gesammten österreichischen Salpeterwesens übertragen wurde. Dasselbe war von Seite des Staates einer Privatgesellschaft als landesfürstliches Regal zur Ausübung überlassen worden. 18 Jahre wirkte er in dieser Stellung und führte in den letzten zehn Jahren auch die Gesellschaftsfirma. 1796 gab er diese Verbindung auf, brachte in Ungarn auf eigene Rechnung einige Salpeterwerke in Gang, die er aber nach wenigen Jahren wegen Mangels an Erfolgen wieder eingehen ließ, worauf er nach Znaim in Mähren übersiedelte. Daselbst erfand er nach mannigfaltigen chemischen Versuchen die Thermolampe, so benannt, weil dieselbe ganzen Gebäuden gleichzeitig Licht und Wärme spendete. Diese Erfindung, welche darin besteht, in einem verschlossenen Gefäße (eisernen Retorte) durch Verkohlung des Brennmaterials zugleich so viel Hitze und Licht ohne belästigenden Dampf und Geruch zu erzeugen, daß ganze Paläste damit erwärmt und erleuchtet werden können, machte er unabhängig von dem Physiker Lebon in Paris, nachdem er dessen Methode zur Gewinnung von Gas aus Holz und anderen Bestandtheilen sorgfältig studirt hatte. Die Erfindung der Winzler’schen Thermolampe war aber doch nicht mehr ganz neu, denn bereits ein Jahrhundert früher, im Jahre 1685, hatte der kaiserliche Commerz- und Kammerrath Dr. Joachim Becher eine Thermolampe erfunden. Winzler nahm nun den Gedanken von Neuem auf und führte ihn praktisch durch. Die ersten Versuche mit dieser Erfindung stellte er 1802 unter der Aegide und im Hause des Grafen Festetics in Wien an, und die erste praktische Anwendung dieser Vorrichtung fand in der Zitz- und Kattundruckerei zu Kettenhof bei Wien im Jahre 1804 statt. Daselbst wurde das erhaltene Gas als Quelle für Licht und Wärme benützt, die [107] erhaltene Thermolampenkohle als Brennstoff angewendet und aus den flüssigen Destillationsproducten noch Essigsäure gewonnen. Weitere Versuche, so die Aufstellung einer Thermolampe in der k. k. Salmiakfabrik zu Nußdorf, ferner in Klosterneuburg, wo Winzler das Gas zum Brennen von Ziegeln verwendete, wurden aufgegeben; die Ziegel waren ungenügend gebrannt. Immerhin erwies sich die Erfindung noch als lebensfähig genug und zu praktischen Zwecken verwendbar, so daß er 1807 den Auftrag erhielt, auf den fürstlich Salm’schen Herrschaften Raitz und Blansko in Mähren nach den Grundsätzen seiner Thermolampe stabile Verkohlungsöfen bei den dortigen Eisenhütten aufzustellen. Er führte auch diesen Auftrag ganz den Zwecken einer Verbesserung der Oekonomie im Hüttenwesen entsprechend durch. Hugo Altgraf Salm-Reifferscheid, als Administrator der genannten Herrschaften mit dieser Aufgabe betraut, verlieh Winzler den Titel eines fürstlich Salm’schen Hofrathes. Nach verschiedenen Quellen wäre auch der nachmals berühmt gewordene Freiherr von Reichenbach dabei mitthätig gewesen. Die Winzler’sche Thermolampe erwies sich thatsächlich als lebensfähig, denn 1812 beleuchtete Professor Jaßnüger den großen Saal des Theresianums in Wien mit dem Gas der Thermolampe und stellte auch einen solchen Apparat auf dem gräflich Aspremont’schen Gute Lednitz im Trentschiner Comitate in Ungarn auf, wo derselbe noch 1819 im Gange war. Winzler übersiedelte in der Folge nach Wien, wo er im Jahre 1835 noch am Leben gewesen sein mochte, da in Gräffer’s „Oesterreichischer National-Encyklopädie“ seines Todes nicht gedacht ist. Winzler schrieb für Christian Karl André’s „Patriotisches Tagblatt“ und „Hesperus“ verschiedene das Salpeterwesen und die Thermolampe betreffende Aufsätze; im ersteren 1811 eine historisch-kritische „Uebersicht der k. k. Salpetererzeugung in einigen Erbstaaten Oesterreichs. Nebst einigen Prolusionen über Holzverkohlung und Steinkohlenabschweflung zum Behuf einer wohlfeilen Salpetererzeugung“. Außerdem erörterte er seine Erfindung ausführlich und wehrte alle gegen dieselbe erhobenen Zweifel ab in den Schriften: „Die Thermolampe in Deutschland oder vollständige sowohl theoretische als praktische Anleitung, den ursprünglich in Frankreich erfundenen, nun aber auch in Deutschland entdeckten Universal-Leucht-, Heiz-, Koch-, Sud-, Destillir- und Sparofen zu errichten. Mit 4 Kupfertafeln“ (Brünn 1803, 8°.) und „Berichtigungsmagazin der Einwürfe, Zweifel und Bedenklichkeiten gegen den neu erfundenen Koch-, Heiz-, Leucht- und Sparofen oder die deutsche Thermolampe“ (Wien 1803, 8°.); in Jacob Andreas Weber’s „Anmerkungen über die Sammlung von den Nachrichten und Beobachtungen über die Erzeugung des Salpeters“ ist auch seine Abhandlung über Salpetererzeugung enthalten. Auch wird Winzler das 1781 bei Stahlbaum in Berlin erschienene „Sendschreiben an den erhabenen Unbekannten der echten und rechten Freimaurerei“ zugeschrieben, woraus wir schließen dürfen, daß er Mitglied dieser Verbindung gewesen. Bemerkenswerth erscheint es uns noch, daß gleichzeitig mit Winzler der passauische Hofkammerrath Joh. B. Wenzler eine „Beschreibung der Thermolampe oder eines Leucht- und Sparofens. Mit 1 Kupfer“ (Passau im Jahre 1802) herausgegeben hat. Ueber die durch die Aehnlichkeit der Namen Winzler, Wenzler und Winsor entstandene Controverse, ob der Erfinder der Gasbeleuchtung, welche [108] durch einen Friedrich Albert Winsor 1803/4 zuerst in London eingeführt worden, nicht ein Deutscher sei, vergleiche Professor Dr. Wilh. Franz Exner’s „Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs“ (Wien 1873) S. 99.

d‘Elvert (Christian). Zur Culturgeschichte Mährens und Oesterreichisch-Schlesiens. 2. Th. [18. Theil der Schriften der historisch-statistischen Section der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues u. s. w. (Brünn 1868, A. Nitsch, Lex.-8°.) S. 207. – Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolf Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1841, S. 892. – Czikann (Joh. Jac. Heinrich). Die lebenden Schriftsteller Mährens (Brünn 1812) 2. 192.