Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 105. (Quelle)
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Venelin, Georg (slavischer Schriftsteller, geb. zu Velke Tobav in der Beregher Gespanschaft Ungarns 1802, gest. zu Moskau am 26. März 1839). Sein eigentlicher Name ist Huca. Auf dem Gymnasium zu Unghvár erregte Georg durch seinen Fleiß und seine Fähigkeiten in so hohem Grade die Aufmerksamkeit des dortigen Seminarvorstehers, daß er von demselben als Zögling in das Seminar übernommen wurde, und auf Kosten dieses Institutes besuchte er dann auch das Lyceum in Szathmár. Nachdem er die philosophischen Studien an der Universität Lemberg beendet hatte, trat er 1822 in den geistlichen Stand. Auch begann er zu dieser Zeit, um sich gegen jede Verfolgung – wahrscheinlich wegen der Militärpflicht – sicher zu stellen, sich Venelovic zu schreiben, woraus später Venelin wurde. Seine Absicht war es, nach Rußland zu gehen, vorher aber wollte er noch den griechischen Archipelagus sehen, und auf dem Wege dahin kam er nach Szegedin, wo er den ganzen Winter hindurch blieb. Bei dem Ausbruche des griechischen Aufstandes stand er von seiner Fahrt nach dem Archipelagus ab, und so begab er sich im Sommer 1823 über Chotym nach Kisenew. Daselbst übernahm er eine Lehrerstelle in einem adeligen Pensionate, welches er 1825 verließ, um nach Moskau zu reisen, wo er das Studium der Medicin begann und im Jahre 1829 daraus die Doctorwürde erlangte. Neben seinem ärztlichen Berufe beschäftigte er sich vornehmlich mit Studien über die Geschichte und Literatur der Bulgaren, für die er in Folge mehrerer Reisen durch ihr Land besondere Vorliebe hegte. Er schrieb auch über das bulgarische Volk ein Buch in russischer Sprache: „Drevnije i nynesnije Bolgary“, d. i. Die Bulgaren von Einst und Jetzt, in zwei Theilen, ein Werk von reichem Inhalt, an dem Fachmänner nur einigen Mangel an kritischem Blick rügen. Außerdem schrieb er für russische Blätter, und von seinen darin veröffentlichten cultur- und literarisch-historischen Abhandlungen sind bemerkenswerth: „Vom Volksliede und insbesondere von dem der Südrussen“; – „Von der Bedeutung der Lieder der Slaven, die jenseits der Donau wohnen“; – „Von den Keimen der neuen bulgarischen [106] Literatur“ u. m. a. Nicht unwichtig ist auch eine von ihm 1840 zu Petersburg herausgegebene Sammlung walachisch-bulgarischer Urkunden, welche aus Briefen romanischer Fürsten und ungarischer Könige besteht, geschrieben in slavischer Sprache in der Zeit vom vierzehnten bis zum siebzehnten Jahrhunderte. Venelin starb im besten Mannesalter von 37 Jahren und wurde zu Moskau im Danilov’schen Kloster beigesetzt, wo ihm die in Odessa lebenden Bulgaren ein Marmordenkmal errichten ließen.

Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 976.