Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Toldy, Stephan
Band: 46 (1882), ab Seite: 13. (Quelle)
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Toldy, Franz (ungarischer Literarhistoriker, geb. zu Ofen am 10. August 1805, gest. zu Budapesth am 10. December 1875). Sein Vater, ein Deutscher Namens Schedel, diente als Postbeamter in Ofen, die Mutter Josepha, eine geborene Thalherr, gehörte auch einer deutschen in Ungarn ansässigen Familie an, über welche dieses Lexikon schon im XLIV. Bande S. 146 u. f. nähere Nachrichten mittheilt. Wie Franz erst im Alter von neun Jahren ungarisch sprechen lernte, so verwandelte er auch erst später seinen deutschen Namen Schedel in den ungarischen Toldy. Nach der im „Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“, 1876, S. 151 enthaltenen Angabe hätte er dies erst 1847 gethan. Das mag dahin zu verstehen sein, daß ihm die Führung des magyarisirten Namens um diese Zeit gesetzlich zugestanden wurde, denn thatsächlich bediente er sich des Namens Toldy schon im Jahre 1828, in welchem er gemeinschaftlich mit einem anderen Deutschungarn, Stettner, der sich Fenyery nannte, das „Handbuch der ungarischen Poesie“ (Pesth und Wien G. Kilian und K. Gerold) herausgab. Der deutsche Schedel wurde zum Magyaren, ja zum Vollblut-Magyaren Toldy, auf den Zeitpunkt, in welchem dies geschah, kommt es nicht an. 1812 that er in Pesth den ersten Schritt in die Schule, [14] Im Herbst 1813 aber schickten ihn die Eltern auf die Lateinschule in Czegléd, hauptsächlich darum, damit er dort ungarisch sprechen lerne. Nachdem er daselbst ein Jahr zugebracht hatte, kehrte er heim und besuchte die folgenden vier Jahre das Gymnasium in Pesth, vom Herbst 1818 aber jenes in Kaschau. An letzterem Orte sollte er, wie früher in Czegléd das Ungarische, das Slovakische erlernen, was ihm jedoch, da er diesem Idiom kein Interesse abzugewinnen vermochte, nicht gelang. Nach beendeten Gymnasialstudien kehrte er 1819 nach Pesth zurück, wo er den damals dreijährigen philosophischen und später den fünfjährigen medicinischen Curs hörte und 1827 die Vorbereitungsstudien für das praktische Leben beschloß. Während der letzten acht Jahre seiner Studien in Pesth trat er mit den wissenschaftlich oder literarisch bedeutendsten und einflußreichsten Männern, die zu jener Zeit daselbst lebten, in Verbindung, vertiefte sich immer mehr in das Studium der ungarischen Sprache und Literatur und versuchte es bereits mit Uebersetzungen aus dem Deutschen oder andern Sprachen ins Magyarische. Im Jahrgang 1821 eines damals vielgelesenen schöngeistigen Blattes „Szépliteraturai ajándek“, d. i. Belletristisches Geschenk, findet sich seine erste ungarische Uebersetzung: „A napi szépségek“, d. i. Die heutigen Schönheiten, ein Epigramm von Dr. Lübeck. Um diese Zeit wurde er mit zwei Männern bekannt, welche nicht geringen Einfluß auf seine Entwickelung übten, der eine war Stephan Horvát, der Bibliothekar des ungarischen Nationalmuseums [Bd. IX., S. 324], der andere der Paulinermönch Benedict Virág (geb. 1752, gest. 1830), seiner lyrischen Gedichte wegen von seinen Zeitgenossen der „ungarische Horaz“ genannt. Im nächsten Jahre, in welchem er noch Hörer der Medicin war, setzte er sich auch mit Franz Kazinczy [Bd. XI, S. 97] in brieflichen Verkehr und kam mit den Dichtern Michael Vitkovics (geb. 1778, gest. 1829), Karl Kisfaludy [Bd. XI, S. 325] und Gabriel Döbrentei [Bd. III, S. 340] in persönliche Berührung. Der Verkehr mit diesen auf die Entwickelung der literarischen Zustände Ungarns mächtig einwirkenden Männern übte auf den empfänglichen jungen Mann großen Einfluß, verschaffte ihm zugleich gute Empfehlungen und durch diese Eintritt in den besten Familien. Ueberdies benützte er die Ferienmonate zu bald größeren, bald kleineren Reisen, so besuchte er 1823 Wien, 1824 Kaschau, Galizien und Krakau; durch Kazinczy wurde er dann dem berühmten Geschichtsschreiber der Hunyaden Grafen Teleki, durch Vitkovics dem Grafen Wenckheim empfohlen, der ihm den Unterricht seiner Töchter, nachmaligen Gattinen des Barons Johann Kray und Grafen Emil Dessewffy, in der ungarischen Sprache anvertraute. Neue Bekanntschaften im Jahre 1826 mit dem Dichter Paul Szemere [Bd. [XLII, S. 67], mit Franz Kölcsey [Bd. XII, S. 2153] und Alexander Kisfaludy [Bd. XI, S. 318], dem Bruder Karls, förderten nur nachhaltiger seine Bestrebungen und gaben seinen literarischen Ansichten und Ueberzeugungen eine immer bestimmtere Richtung und klarere Färbung. In diese Zeit, 1822 bis 1827, fallen nachstehende literarische Arbeiten Toldy’s, die bereits die Richtung des späteren Literarhistorikers kennzeichnen, nämlich theils im Buchhandel Erschienenes, theils in Zeitschriften Zerstreutes: „Isocratis Paraenesis ad Demonicum e greco per Pud. Agricolam. Adjecta [15] translatione hungarica“ (Pestini 1822, J. Th. Trattner); – eine „Geschichte des Sonetts in Ungarn“ in der „Pannonia“ 1822; – „Uebersichten über die ungarische Almanachs-Literatur“ und „Ueberblick der epischen Literatur der Ungarn“ in den literarhistorischen Beigaben der „Iris“ 1825, eine Uebersetzung der „Räuber“ von Schiller, welche, 1825 bei Landerer in Pesth erschienen, von Seite der Kritik nicht eben sehr freundlich aufgenommen, ja geradezu als schlecht bezeichnet wurde; – eine Erzählung „Most vagy soha“, d. i. Jetzt oder niemals (Pesth 1824, Landerer) und „Aesthetische Briefe über den Epiker Mich. Vörösmarty“ in den Beilagen zu „Tudományos gyüjtemény“, d. i. Wissenschaftliches Magazin. Toldy’s deutscher Biograph Dr. Faust Pachler bemerkt hinsichtlich der vorgenannten Arbeiten: „es ist wie ein Tasten, wobei jedoch das angeborene Naturell ihn bald auf den richtigen Weg führt“. Am 31. October 1826 kündigte der 21jährige Mann in „Tudományos gyüjtemény“ sein in Gemeinschaft mit Julius Fenyery herausgegebenes „Handbuch der ungarischen Poesie“ in zwei Bänden an, worin eine Auswahl interessanter chronologisch geordneter Stücke aus den besten ungarischen Dichtern, kurze Nachrichten über deren Leben und Schriften, eine einleitende Geschichte der ungarischen Poesie und eine Sammlung deutscher, wie Dr. Pachler bemerkt, nicht eben glänzend gerathener Uebersetzungen ungarischer Gedichte enthalten war. Separat aus diesem Handbuch gedruckt erschien 1827 eine „Blumenlese aus ungarischen Dichtern“. Zu gleicher Zeit betheiligte er sich auf P. Szemere’s Ersuchen an dessen „Élet és literatura“, d. i. Leben und Literatur, und von dem Grafen Joseph Dessewffy aufgefordert, an dessen „Minerva“. Indessen setzte er die medicinischen Studien fort, brachte die Ferienmonate des Jahres 1826 zu Mora im Hause des Grafen Lamberg zu, traf 1828 mit Kazinczy in Pesth zusammen, und Karl Kisfaludy machte den Grafen Széchenyi auf den strebsamen Jünger Aeskulap’s aufmerksam. Im folgenden Jahre erlangte Toldy das Magisterium der Augenheilkunde und das Doctorat der Medicin, bei welcher Gelegenheit er die Inaugural-Dissertation: „Ueber die Physiologie des Pulses“ herausgab. Seine Vorbereitung für die medicinische Doctorwürde hinderte ihn keineswegs, auch sonst literarisch thätig zu sein. Er schrieb Bücheranzeigen, Kritiken und gab 1828 die „Magyar költői régiségek“, d. i. Altungarische Gedichte, heraus, welche eine ungarische Ballade aus dem sechzehnten Jahrhundert: „Die Kaiserbraut“, dann das Gedicht „Átok“, d. i. Der Fluch, des ältesten ungarischen Lyrikers Grafen Val. Ballassa (geb. 1551, gest. 1594) und einige Lieder des Barons Lad. Amadé [Bd. I, S. 24], eines wenig gekannten, aber ob seiner leichten und anmuthigen Dichtungsweise gerühmten Poeten (geb. 1703, gest. 1764), sämmtlich Handschriften entnommen, enthalten. Um diese Zeit veröffentlichte er auch die epische Dichtung „Aradi gyülés“, d. i. Der Reichstag von Arad, von Gregor Czuczor [Bd. III, S. 120]. Im Juni 1829 unternahm er eine größere Reise nach Deutschland, verkehrte in Weimar mit Goethe, verlebte den Winter in Berlin, hörte daselbst die berühmtesten medicinischen Professoren und Hegel, war ein gern gesehener Gast in den Häusern Hufeland’s, Osann’s, Hecker’s, hielt auch im „Deutschen Hause“ in Gegenwart von Raupach, [16] Streckfuß, Varnhagen von Ense, Voß, Holtei u. A. Vorträge über den Bau der ungarischen Sprache und wurde Mitglied der Berliner kritischen Gesellschaft. Im Frühjahr 1830 ging er nach London, wo er den berühmten Polyhistor Bowring aufsuchte, der sich eben mit einem Werke über die ungarische Poesie beschäftigte. Im Sommer begab er sich nach Paris wo er, wie in London bei dem österreichischen Gesandten Fürsten Eszterházy, bei dem österreichischen Botschafter Anton Grafen Apponyi [Bd. I, S. 57] auf das gastlichste aufgenommen, die Vorträge der berühmtesten Professoren hörte und fleißig die Charité und die Akademie besuchte. Aber noch vor Ausbruch der Juli-Ereignisse schied er von Paris und reiste in die Schweiz und von da nach Italien. Auch während dieser seiner wissenschaftlichen Reise war er literarisch nicht unthätig, so erließ er an die vaterländischen Aerzte eine Einladung zur Theilnahme am „Orvosi tár“, d. i. Magazin für Aerzte, welches er dann im Vereine mit Paul Bugat [Bd. II, S. 198] drei Jahre lang redigirte. Nach seiner Heimkehr im September 1830 wurde er Mitglied der eben ins Leben gerufenen ungarischen Gesellschaft für Wissenschaften, welche ihn im folgenden Jahre zu ihrem Archivar wählte. Zu dieser Zeit veröffentlichte er eine ungarische Uebersetzung von Hufeland’s „Armen-Apotheke“ nach der sechsten Auflage des deutschen Originals und trat, als die Cholera in Pesth ausbrach, als Kreisarzt in praktische Verwendung, zugleich gab er aber die sämmtlichen Werke seines das Jahr zuvor gestorbenen Freundes Karl Kisfaludy, dessen Biographie er bereits im ersten Bande der „Minerva“ veröffentlicht hatte, in zehn Bänden heraus. Im Jahre 1832 übernahm er mit dem Dichter Vörösmarty im Auftrage der ungarischen Akademie die Bearbeitung eines ungarischen und deutschen Taschenwörterbuches, welches auch in zwei Theilen unter dem Titel: „Magyar és német zsébszótár“ von 1835 bis 1838 zu Ofen im Druck erschien, während er früher noch, 1833, in Gemeinschaft mit seinem Redactionscollegen Prof. Bugat, das ungarisch-lateinische und lateinisch-ungarische Wörterbuch für Aerzte bearbeitete, welches auch unter dem Titel: „Magyar-deák és deák-magyar orvosi szókönyv“ als Beilage der ersten zwei Jahrgänge des „Orvosi tár“ im Bureau dieser Zeitschrift zu Pesth herauskam. Im nämlichen Jahre schrieb er noch für die zweite vermehrte von Kazinczy besorgte Ausgabe der Gedichte des Gabriel Dayka [Bd. III, S. 184] dessen Biographie und für die „Kritischen Blätter“ (Kritikai lapok) über zwei von Joseph Podhraczky [Bd. XXII, S. 455] veröffentlichte Original-Chroniken des Verancsics und Bornemisza eine Abhandlung, welche aber von der Censurbehörde eingestampft wurde. Auch erfolgte in demselben Jahre seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Diätetik an der Pesther Hochschule, in welcher Eigenschaft er durch elf Jahre wirkte. Als 1834 die ungarische Akademie der Wissenschaften die Herausgabe der Zeitschrift: „Tudománytár“, d. i. Wissenschaftliches Magazin, begann, bestellte sie Toldy zum Redacteur, und dieser legte in den acht Bänden derselben eine Menge kritischer, bibliographischer und literarhistorischer Aufsätze, theils originale, theils übersetzte nieder, darunter einen solchen über den Strafproceß in den nordamerikanischen Freistaaten. Man sieht, er war in seinen Arbeiten nicht [17] wählig, er schrieb über Alles, wenn es auch seinem medicinischen und literarhistorischen Berufe ferne ablag. Als dann im Jahre 1835 Döbrentei [Bd. III, S. 340][WS 1], der bisherige Secretär der ungarischen Akademie, in Folge seiner Ernennung zum ersten Regierungscommissär im Ofener Bezirke seine Secretärstelle niederlegte, wurde Toldy dessen Nachfolger in diesem Amte und versah es volle 26 Jahre. 1836 besorgte er im Auftrage der Akademie die Herausgabe der „Eredeti munkai“, d. i. Originalwerke des Franz Kazinczy und auf eigene Kosten die der „Poetai munkai“, d. i. Poetischen Werke von Gregor Czuczor. Im Jahre 1837 verband er sich mit Bajza und Vörösmarty zur Herausgabe des „Athenaeum“, welchen Titel ein Sammelwerk für Wissenschaft und schöne Literatur führte, und redigirte selbständig den „Figyelmezö“, d. i. Der Aufmerksame, sowie eine Zeitschrift über allgemeine Literatur, an welchen beiden Journalen er mit nicht geringen Schwierigkeiten kämpfend, bis zu ihrem Eingehen, Ende 1840, thätig blieb. Beide Blätter enthalten eine Fülle seiner eigenen Arbeiten aus den verschiedensten Gebieten des menschlichen Wissens, und; Dr. Pachler steht nicht an zu bemerken, „daß Toldy sich darin als wahrer Polyhistor im besten Sinne des Wortes zeige“. Ueberdies redigirte er im Auftrage der Akademie die „Magy. Tudom. Társalkodó-Évkönyvei“, d. i. Jahrbücher der ungarischen Gelehrten-Gesellschaft, vom dritten bis zum achten Bande, und diese enthalten aus seiner Feder die Fortsetzung der Geschichte der Akademie und der Denkreden auf die verstorbenen Mitglieder derselben, ferner des „Névkönyve“, d. i. Schematismus der Akademie von 1836 bis 1848. Im Jahre 1836 gründete er die Kisfaludy-Gesellschaft, auf deren Kosten er viele bedeutende Werke ungarischer Schriftsteller herausgab. 1841 zum Director dieser Gesellschaft gewählt, blieb er es bis zum Jahre 1860. Als Professor der Diätetik ließ er 1839 für seine Hörer die „Diaetetica elemei“, d. i. Grundzüge der Diätetik, als Manuscript drucken; dann wendete er seine besondere Aufmerksamkeit den Archiven des ungarischen Adels zu. So durchforschte er im Interesse der Akademie jene des Grafen Gustav Batthyány zu Rohoncz, des Grafen Casimir Batthyány zu Kis-Bér, des Grafen Stephan Sandor zu Luka und 1840 die gräflich Teleki’sche Familienbibliothek. In der Akademie regte er die Unterstützung wissenschaftlicher Ausgaben an, sowie die Begründung des „Értesitő“, d. i. Anzeiger, der indeß zweimal wegen Mangels an Geldmitteln einging. Nichts destoweniger redigirte er von 1840 bis 1859 sechzehn Bände desselben. In diese Zeit fällt auch seine vom philosophisch-juridischen und literarischen Standpunkte behandelte Schrift: „Az irói tulajdon“, d. i. Das literarische Eigenthum, welche zuerst in der „Budapesther Revue (Budapesti szemle), dann aber in Separatausgabe bei Heckenast in Pesth erschien. Schließlich gehört dem Jahre 1840 die unter dem Titel: „Magyar helyesirás etc.“ veröffentlichte Umarbeitung des Werkes über die Rechtschreibung von Franz Verseghy an, welche von der richtigen Aussprache und Schreibung des Ungarischen handelt. Es ist zu staunen, wie Toldy überall anregend zu wirken und in wissenschaftlichen Kreisen Zweckentsprechendes in Vorschlag zu bringen verstand. Im Jahre 1841 begann er als Director der von ihm gestifteten Kisfaludy-Gesellschaft, um [18] über die Thätigkeit derselben gleichsam öffentlich Rechenschaft abzulegen, die Herausgabe der „Évlapjai“. d. i. Jahresblätter, von denen bis 1849 sieben Bände auf seine Kosten erschienen. In der ungarischen Akademie der Wissenschaften regte er die besonderen Sitzungen für jede Abtheilung, also die zweckentsprechende Trennung der Arbeiten nach Fächern an. Czuczor’s ungarische Uebersetzung der Werke des Cornelius Nepos stattete er mit einer Lebensbeschreibung dieses Historikers, mit synchronistischen Tafeln, geschichtlichen Erklärungen und Abbildungen aus. 1843 wurde er provisorischer Director der Universitätsbibliothek, im folgenden Jahre definitiver, und nun gab er die medicinische Lehrkanzel auf. Ueberdies erwarb er sich durch die Ordnung und Katalogisirung der Bibliothek der Akademie ein besonderes Verdienst. Den gerechten Tadel, der vor zwei Decennien seine völlig mißlungene Uebersetzung der „Räuber“ von Schiller traf, mochte er noch immer nicht verwunden haben, denn er veröffentlichte jetzt seine bühnengerechte Bearbeitung dieses Stückes in Ignaz Nagy’s [Bd. XX, S. 51] „Szinműtára“, d. i. Theatermagazin. Im Jahre 1843 begann er im Auftrage der Kisfaludy-Gesellschaft mit einem großartigen Unternehmen: unter dem Titel „Nemzeti könyvtár“, d. i. National-Bibliothek, gab er die Werke der ungarischen Nationalschriftsteller heraus und brachte in einer langen Reihe von Heften jene der beiden Kisfaludy, Mich. Csokonai’s, Joh. Kis, Vörösmarty’s, Fr. Faludi’s u. A. und manche derselben in wiederholten Auflagen und in sauberster Ausstattung. Es war, als sollte, was man in mehreren Jahrzehnten vorher vernachlässigt hatte, nun mit einem Schlage nachgeholt werden. 1847 veröffentlichte er den patriotischen Aufruf, das Feld der vaterländischen Alterthumskunde sorgfältig zu pflegen und die einheimischen Kunstdenkmale bekannt zu machen. Auch wurde ihm in diesem Jahre, in welchem er auf den verstorbenen Erzherzog Palatin Joseph, unvergeßlichen Andenkens, eine Gedächtnißrede hielt, worin er auch dessen Verdienste um das Gedeihen der Akademie würdigte, die gesetzliche Gestattung, den bisherigen Schriftstellernamen Toldy für sich und die Seinigen als Familiennamen zu führen. Im verhängnißvollen Jahre 1848 verstand er es, ohne gerade der Bewegung, der er übrigens im Grunde des Herzens zustimmte, sich anzuschließen, durch dieselbe sich sozusagen hindurchzuzwängen. Für Kossuth’s „Hirlap“ redigirte er das Feuilleton, für die Bibliotheksbeamten der Akademie schrieb er einen Wegweiser (Utasitás), leitete ganz allein die Geschäfte der Akademie und wußte alle Gefahren, von denen sie bedroht war, fern zu hatten; im folgenden Jahre, 1849, rettete er die Universität, welche aufgehoben und deren Fonds eingezogen werden sollten. Es gelang ihm diese wichtige Rettung, indem er die für die Regierung bestimmte Huldigungsadresse in eine entsprechendere Fassung brachte und diese durchsetzte. 1850 lehrte er als Privatdocent der allgemeinen Literaturgeschichte an genannter Universität, brachte der Wiener kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, die ihn bei ihrer Errichtung im Jahre 1848 unter ihre Mitglieder aufgenommen hatte, seinen Tribut dar mit der Abhandlung: „Culturzustände der Ungarn vor der Annahme des Christenthums“ [Sitzungsberichte Bd. V, S. 4] und mit der Skizze „Geschichte der historischen Dichtung der Ungarn [19] vor Zrinyi“ [Sitzungsbericht Bd. II, S. 407] und wurde Hauptredacteur der von mehreren Mitgliedern der ungarischen Akademie herausgegebenen Zeitschrift: „Uj Magyar Muzeum“, d. i. Neues ungarisches Museum, wovon er zehn Jahrgänge redigirte. Im Jahre 1851 trat er nach längerer Zeit wieder mit einer größeren selbständigen Arbeit auf, mit seinem Werke: „A Magyar nemzeti irodalom története“, d. i. Geschichte der ungarischen Literatur, Alterthum und Mittelalter in zwei Bänden (Pesth 1851), welches zuerst diesen Gegenstand in der nationalen Sprache behandelte und noch im folgenden Jahre in zweiter verbesserter Auflage erschien. Auch gab er noch das „Chronicon Hungarorum Posoniense. E codice M. S. Chartaceo Capituli poson. nunc primum editum“ (Budae) und die „Munkai“, d. i. Werke des Grafen Nicolaus Eszterházy von Galantha [Bd. IV, S. 953, Nr. 24], nach Originalhandschriften heraus, welche beiden Werke einen Bestandtheil des schon erwähnten „Újabb nemzeti könyvtár“, d. i. Neuere Nationalbibliothek, bilden. Eine Handausgabe derselben veranstaltete er 1852, in welchem Jahre auch seine „Az újkori magy. nemzeti irodalom története“, d. i. Geschichte der neueren Literatur der Ungarn, zu erscheinen begann, die er jedoch unvollendet hinterlassen hat. Im nämlichen Jahre besorgte er noch die Bearbeitung einer „Magyar Chrestomathia“ (1. und 2. Folge, Pesth, Eggenberger) für die vier oberen Gymnasialclassen, eine Ausgabe der „Minden munkai“, d. i. Sämmtliche Werke des Fr. Faludi [Bd. IV, S. 141], nach Originalhandschriften und Drücken, dann gemeinschaftlich mit Gabriel Kazinczy die „Összes munkai“, d. i. Sämmtliche Werke des Grafen Niclas Zrinyi von Zerinvár, in welche Ausgabe zum ersten Male auch Zrinyi’s prosaische Werke aufgenommen wurden. 1854 veröffentlichte er „A magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig“, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung von der Niederlage von Mohács ab bis auf unsere Tage, zwei Bände (Pesth 1854, Heckenast, Bd. I, XIV S., 736 Sp.; Bd. II, XII S., 848 Sp.), wovon Gustav Steinacker eine gedrängte Bearbeitung in deutscher Sprache unter dem Titel: „Geschichte der ungarischen Dichtung von den ältesten Zeiten bis auf Alex. Kisfaludy“ (Pesth 1863, Heckenast) in einem Bande (XXVIII und 460 S.) besorgte. Die Herausgabe der „Tizenhatodik századbeli magyar történetirók“, d. i. Ungarische Geschichtsschreiber des sechzehnten Jahrhunderts, mit welcher Toldy in diesem Jahre begann, beschränkte sich auf die Aufnahme der Chroniken des Stephan Székely und Caspar Heltai, weil die Akademie beschlossen hatte, die Geschichtswerke des sechzehnten Jahrhunderts ihrer Memoiren-Sammlung einzuverleiben. Ueberdies veranstaltete er 1854 noch die fünfte Auflage der „Versei“, d. i. Gedichte von Fr. Faludi, und für die Kisfaludy-Gesellschaft zur Erinnerung an K. Kisfaludy die Herausgabe von dessen Erzählung „Tihamér“. Nicht minder reich entfaltet sich Toldy’s Thätigkeit im Jahre 1855. Mit der Gedächtnißrede auf Joseph Grafen Teleki [Bd. XLIII, S. 249], den Geschichtsschreiber der Hunyaden, beginnend, ließ er den ersten Band seines „Magyar nyelv és irodalom kézikönyve“, d. i. Handbuch der ungarischen Sprache und Literatur, folgen, dessen zweiter Band ein paar Jahre später erschien; er veröffentlichte [20] dann nach alten Handschriften die versificirte Legende der h. Katharina von Alexandrien, ferner der alten Immaculata in sieben Predigten; redigirte im Auftrage der historischen Commission der Akademie das „Magyar történelmi tár“, d. i. Historisches Magazin für Ungarn, wovon bis 1863 zehn Bände erschienen, und ließ seines Freundes Paul Jászay [Bd. X, S. 109] „A magyar nemzet napjai a legrégibb időtől az arany bulláig“, d. i. Die Tage der ungarischen Nation von den ältesten Zeiten bis zur goldenen Bulle (Pesth, 8°.), drucken. Im Jahre 1856 gab der bekannte ungarische geistliche Liederdichter Béla Joseph Tárkányi [Bd. XLIII, S. 74] Toldy Ferenc irodalmi arcképei s újabb beszédei“, d. i. Franz Toldy’s Literaturbilder und neuere Reden (zwölf Literaturbilder, fünfundzwanzig Denkreden und sechs Apotheosen), heraus. Nebenbei sei hier bemerkt, daß es eine bisher nur im ungarischen Schriftstellerverkehr bestehende Sitte ist, daß lebende Autoren wechselseitig ihre Werke ediren. Toldy selbst veröffentlichte 1856, außer der „Régi m. passio“, einer altungarischen Passionsgeschichte mit Abbildungen als Beitrag zur Kenntniß der mittelalterlichen Literatur und Kunst in Ungarn, in „Vasárnapi könyvtár“, d. i. Sonntagsbibliothek: K. Kisfaludy’s „Vig elbeszéllései“, d. i. Heitere Erzählungen, und Johann Szillasy’s [Bd. XLII, S. 182] „Philosophiai tanulmányai“, d. i. Philosophische Studien. Nicht minder thätig war er im folgenden Jahre 1857, in welchem er im Auftrage der Universität den „Nádor Codex“, dann die „Legenda S. Elisabethae“, in vierter Ausgabe „Bajza Versei“, d. i. Gedichte von Bajza, in Gemeinschaft mit Gab. Kazinczy, die Sammlung der ungarischen Volksmärchen „Magyar népmese gyüjteménye“ von Georg Gaal [Bd. V, S. 43] in zwei Bänden und im Geschichts-Archiv der ungarischen Akademie die „Sárospataki m. kronikai“, d. i. Die ungarische Chronik von Sárospatak aus den Jahren 1523 bis 1615, erscheinen ließ. 1858 veröffentlichte er „Régi magy. legendák tára“, d. i. Magazin altungarischer Legenden, und „A débreczeni leg. könyv“, d. i. Das Debrecziner Legendenbuch; dann den ersten Band der „Magy. prózairók“, d. i. Ungarische Prosaiker aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, welcher ungarische Fabeln, Erzählungen und Moralschriften enthält; ferner mehrere Bände der äußerst niedlich ausgestatteten Diamant-Ausgabe der „Magy. remekirók“, d. i. Ungarische Musterschriftsteller, und im Auftrage des Ministeriums für Cultus und Unterricht das „Német-magyar tudományos müszótár“, d. i. Deutsch-ungarisches Wörterbuch der wissenschaftlichen Kunstausdrücke zum Gebrauche für Gymnasien[WS 2] und Realschulen. 1859 wurde Toldy vornehmlich durch Vorbereitungen und Arbeiten für die von ihm selbst angeregte hundertjährige Geburtsfeier Franz Kazinczy’s in Anspruch genommen, und in der That veröffentlichte er in diesem Jahre die zwei ersten Bücher von Kazinczy F. és kora“, d. i. Franz Kazinczy und seine Zeit, welche namentlich durch die mitgetheilte Correspondenz Kazinczy’s mit Toldy, Döbrentei [Bd. III, S. 340], Helmeczy [Bd. VIII, S. 293], und anderen ungarischen Dichtern und Gelehrten literarhistorische Bedeutung besitzt. Später folgten von diesem Werke noch zwei Bücher. Im letztgenannten Jahre aber gab er für die Kisfaludy-Gesellschaft die „Magy. Szentek Legendai“, d. i. Legenden ungarischer Heiligen von einem [21] ungenannten Karthäuser, heraus, unterzog sich im Auftrage der ungarischen Akademie der Redaction der „Archeolog. közlemények“, d. i. Archäologische Mittheilungen, und begann aus eigenem Antriebe die Herausgabe der „Magy. n. classicus irói“, d. i. Die classischen Schriftsteller Ungarns, die bis 1865 auf vierzig Bände gedieh. 1860 entledigte er sich eines ihm von den Erben Daniel Berzsenyi’s [Bd. I, S. 344] gewordenen Auftrages, indem er dessen „Versei“, d. i. Gedichte, zum ersten Male mit vollständig hergestelltem Texte veröffentlichte, denen die Drucklegung von Georg Bartal’s [XXII und 473 S.) „A párthus és húnmagyar Scythákról“, d. i. Ueber die parthischen und hunisch-magyarischen Scythen, folgte. Im nämlichen Jahre wurde er auch ordentlicher Professor der ungarischen Sprache und Literatur an der Pesther Universität. Bis 1865 war er meist mit der Fortsetzung seiner verschiedenen Ausgaben ungarischer Schriftsteller, mit der ihm übertragenen Redaction gelehrter Zeitschriften und Sammelwerke, mit Anzeigen oder Kritiken von literarischen Producten, mit Vorreden oder Einleitungen zu wichtigeren Werken, mit Biographien gelehrter oder sonst denkwürdiger Ungarn u. d. m. beschäftigt, und als besondere Arbeit ist aus diesem Jahre seine „Sylloge legum Hungariae fundamentalium“, welcher er die ungarische Uebersetzung beifügte, zu verzeichnen. 1866 gab er im Auftrage der Akademie das „Corpus Grammaticorum Hungaroveterum“ von Erdösi (auch Johann Sylvester genannt, im sechzehnten Jahrhundert) bis Tsétsi (auch Johann Csécsi, geb. 1650, gest. 1708) heraus, ferner in den „Monumentis“ des Großwardeiner Bischofs Franz Forgách von Ghymes [Bd. IV, S. 290] „Magy. Historiája“, d. i. Ungarns Geschichte von 1540 bis 1572, indem er die Ausgabe von Fid. Majer vollendete und eine Einleitung dazu schrieb, und ebenda des Johann Décsi von Baranya „Ungarische Geschichte von 1592 bis 1598“. Zwei wichtige Geschichtsausgaben förderte er 1867 zu Tage, zuerst aus einem Codex der Wiener Hofbibliothek: „Marci chronica de gestis Hungarorum ab origine gentis ad a. 1330 producta. E codice omnium qui exstant antiquissimo bibliothecae palatinae Vindob. picto“ und in den „Monumentis“ die „Historiája“, d. i. Geschichte bis zur Thronbesteigung Ludwigs II. von Joh. Mich. Brutus. Im Jahre 1868, nach Herausgabe des „Irodalomtörténeti olvasókönyv“, d. i. Literarhistorisches Lesebuch, begann er mit jener seiner gesammelten Werke: „Összegyüjtött munkai“, von denen bis 1871 sechs Bände erschienen, worin seine biographischen Denkmale ungarischer Staatsmänner und die Biographien ungarischer Dichter wohl das Erheblichste sind. In einer Abhandlung aber, welche er in den Schriften der Akademie im genannten Jahre veröffentlichte, berührte er einen wunden Punkt in der ungarischen Literatur, an welchem dieselbe zur Stunde noch krankt. Die Abhandlung betitelt sich: „Tudománybeli hátramaradásunk okai“ etc., d. i. Ueber die Ursachen unseres Zurückbleibens in der Wissenschaft und über die Aufgabe der ungarischen Akademie in dieser Beziehung. Die nächstfolgenden Jahre bis zu seinem Tode umfassen eine Fülle von Arbeiten, welche uns wirklich über die Arbeitskraft des greisen Gelehrten Bewunderung abdringen. So gab er 1871 Alexander Kisfaludy’s „Hátrahagyott munkai“, d. i. Nachgelassene Schriften, heraus, dann die [22] Fortsetzung der oben erwähnten Legenden und ungarischen Sprachdenkmale und in den folgenden Jahren den ersten Band der „Analecta rnonumentorum Hungariae historica“, den ersten Band von Stephan Szamosközi’s „Histor. munkai“, d. i. Historische Werke, und die Fortsetzung der gleichfalls schon genannten Geschichte des Brutus. Zum Druck bereit lagen vor: Fortsetzungen des „Legendenschatzes“, der „Ungarischen Prosaschriftsteller des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts“ und der Beiträge zur „Aelteren Literaturgeschichte der Ungarn“, wovon der erste Band bereits 1869 erschien; dann eine Ausgabe der hinterlassenen und zerstreuten kleineren Schriften „Hátrahagyott és elszórt kisebb munkai“ in drei Bänden von Gustav Szontágh [Bd. XLII, S. 246] und des Tagebuches und der Briefe: „Naplója“ von Alexander Kisfaludy. Eine ungleich größere Zahl umfassen aber seine zur Veröffentlichung vorbereitete Werke, unter denen zu nennen sind: „Története magy. nyelvtan“, d. i. Historische ungarische Grammatik; – „A 16. századbeli magy. versirók“, d. i. Die ungarischen Dichter des sechzehnten Jahrhunderts, welche nicht weniger denn zwölf Hefte bilden sollten; – „A 17. század lyrai költői“, d. i. Die lyrischen Dichter des siebzehnten Jahrhunderts; – „Régi magy. játékszin“, d. i. Altungarische Schaubühne des sechzehnten bis achtzehnten Jahrhunderts, der erste und dritte Band der „Történelmi és irodalmi berek“, d. i. Historische und literarische Wälder, deren zweiter Band schon vor einem Decennium erschienen war, dann Franz Kazinczy’s „Eredeti munkai“, d. i. Originalwerke, nahezu vollendet das vierte Buch seines schon erwähnten Kazinczy Fr. és kora“, d. i. Franz Kazinczy und seine Zeit, und eine „M. újabb irodalmi története“, d. i. Literaturgeschichte Ungarns in der Neuzeit, in drei Bänden. Kurz vor seinem Tode, aber schon mit der Zahl des nächsten Jahres versehen, erschien eine zweite umgearbeitete Auflage seines „A magy. költészet kézikönyve“, d. i. Handbuch der ungarischen Dichtung, in fünf Bänden, welchem sowohl im Hinblick auf Beurtheilung der jüngeren Dichter, wie Petöfi, Arany, sowie bezüglich der Aufnahme mehrerer neuerer Autoren, die sich vortheilhaft bemerkbar gemacht und unter allen Umständen zu beachten waren, denen er aber die Aufnahme in sein Werk versagte, mit Recht Einseitigkeit und Parteilichkeit zum Vorwurf gemacht wird. Im Vorstehenden wurde Toldy’s literarische Thätigkeit in chronologischer Folge, wenigstens nach ihren Hauptmomenten dargestellt. Es bleibt nunmehr noch Einiges zu sagen übrig. Das wissenschaftliche Wirken Toldy’s blieb weder in dessen engerem Vaterlande, noch im Auslande unbeachtet und ungewürdigt. Von seinem Könige wurde er 1861 zum Rathe ernannt, von der Kisfaludy-Gesellschaft zu ihrem zweiten Präsidenten, von den bedeutendsten ungarischen gelehrten Vereinen zum Mitgliede erwählt, er war Rector der Universität zu Pesth und wiederholt Dekan der philosophischen Facultät; daß ihn die Wiener kaiserliche Akademie unter ihre Mitglieder aufnahm, haben wir bereits bemerkt, aber auch die deutsche morgenländische Gesellschaft, die Societät für wissenschaftliche Kritik zu Berlin, die philosophisch-medicinische Gesellschaft zu Würzburg, die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Dresden erwiesen ihm [23] die Ehre der Mitgliedschaft. Die Universität Jena schickte ihm das Doctordiplom der Philosophie. Zur Feier seines fünfzigjährigen Schriftstellerjubiläums im November 1871 erhielt er von Seiner Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Leopoldordens, von der Kisfaludy-Gesellschaft eine goldene Feder, kam eine zu seinen Ehren von Professor Radnitzky in Wien geschnittene Medaille in goldenen, silbernen und Bronce-Exemplaren zur Vertheilung; spendeten ihm die ungarischen Schriftstellerinen einen Lorberkranz und votirte ihm das ungarische Parlament einen Ehrensold von 4000 fl. Die Festrede hielt Bischof Michael Horváth [Bd. IX, S. 320], worauf der Secretär der Kisfaludy-Gesellschaft und spätere Biograph des Gefeierten August Greguss sprach, schließlich die Verdienste des Jubilars in folgende Worte zusammenfassend: „Wir hatten Schriftsteller ohne Publicum, Gelehrte ohne Akademie, Schauspieler ohne Theater, und das Alles half Toldy schaffen“, Worte, die man, ohne eben die Verdienste des Literarhistorikers zu überschätzen, unterschreiben kann. Bei dem Festbanket, welches der Feier folgte, wurde in einem Toaste besonders hervorgehoben, daß der Gefeierte es war, der die ungarische Literatur in Pesth centralisirte, während die literarischen Bestrebungen früher zersplittert waren und in Kaschau, Debreczin, Preßburg u. s. w. ihren Sitz hatten. Im Jahre 1873 unternahm Toldy mit mehreren Landsleuten eine Pilgerfahrt nach Rom und erlangte die Erlaubniß, Sr. Heiligkeit den Pantoffel küssen zu dürfen. Von Rom aber pilgerte der kaiserliche Leopoldsritter in ungeheuerer Naivität mit noch einigen Landsleuten nach Turin, um dort dem alten Hochverräther an König und Volk und unverbesserlichen Verschwörer Ludwig Kossuth seine Huldigung darzubringen! Toldy hatte eine ungemein reiche und für ungarische Geschichte ebenso wichtige als werthvolle Bibliothek gesammelt. Der Erzbischof von Erlau Adalbert Bartakovics wollte dieselbe um einen hohen Preis kaufen. Toldy ging auf den Antrag ein, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Bibliothek erst nach seinem Tode übernommen werde, da er sie, so lange er lebe, selbst benützen wolle. Darauf entgegnete der greise Kirchenfürst, daß er diese Bedingung nicht annehmen könne, da er aller Wahrscheinlichkeit nach früher sterben dürfte als der Verkäufer, wie es auch wirklich geschah, denn Bartakovics starb zwei Jahre vor Toldy. Unser Gelehrter hatte sich dreimal verheiratet, Ende 1831 mit Maria Hinka, die schon nach fünfjähriger Ehe starb; 1838 mit Ida Tarnóczy, welche ihm aber auch schon nach vier Jahren durch den Tod entrissen wurde; 1843 mit Auguste Mojsisovics, die ihn überlebte. Aus diesen Ehen hatte er sechs Töchter, von denen zwei sich verheirateten, zwei Nonnen wurden, deren eine, Isabella, Aebtissin zu Erlau ist. Von seinen zwei Söhnen lebt Ladislaus als Caplan zu Gran, Stephan aber, ein talentvoller dramatischer Dichter [S. 24], folgte seinem Vater bald ins Grab nach. Was das Urtheil über den Schriftsteller Toldy betrifft, so lautete dasselbe, so lange er lebte, bei seinen Gegnern ebenso reservirt, wie es bei seinen sehr zahlreichen Anhängern in übertriebenes Lob ausartete. Gewiß war er ein Mann und Schriftsteller von Bedeutung, aber was seine wissenschaftliche Tüchtigkeit betrifft, so ging dieselbe mehr in die Breite als in die Tiefe. Er hatte eben zu viel unternommen, um in Alles mit erforderlicher [24] Gründlichkeit einzudringen. Nebstdem war er, der alten Schule angehörend, gegen die aufkeimende literarische Generation nicht eben freundlich gesinnt und ließ sich in seiner Einseitigkeit zu manchem ungerechten Urtheil, das dann nur auf ihn selbst zurückfiel, hinreißen. An den Worten des Dr. Faust Pachler aber: „daß Toldy ein Literarhistoriker sei, dem die Ungarn noch lange keinen zweiten von auch nur ähnlicher Bedeutung an die Seite zu stellen haben werden“, dürfte trotz alledem nichts zu ändern sein.

Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) XXVI. Jahrg. (1876), S. 151–171. Nekrolog von Dr. Faust Pachler. – (Augsburger) Allgemeine Zeitung, 1875, S. 5466. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Bd. LXVI, 15. Jänner 1876, Nr. 1698. – (Kertbeny). Ungarns Männer der Zeit. Biographien und Charakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (?) (Prag 1862, Steinhausen, 12°.) S. 1–15. – Magazin für die Literatur des Auslandes (Leipzig, 4°.) 1876, S. 13. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1862, Karl B. Lorck, 4°.). Zweite Serie, Sp. 351. – Neue Freie Presse, 15. November 1871: „Toldy-Jubiläum“. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 1876, Nr. 1. – Unsere Zeit (Brockhaus, Lex.-8°.) Bd. I (1857), S. 412. Neue Folge Bd. XI (1876), S. 391. – Figyelő. Irodalom történeti közlöny. Szerkeszti Abafi Lajos (Budapesth, Aigner, gr. 8°.) 1877, Junius, 2. 1. – Greguss (Agost.). Toldy Ferenc félszázados irodalmi munkássága (Pesth 1871, Athenäum, kl. 8°., XI und 116 S.). [Eben nach abgeschlossener Correctur des Artikels erhalte ich diese seit Wochen dringend und wiederholt bestellte Schrift; ich habe daher die angenehme Ehre, sie zu bezahlen, ohne sie benützen zu können!] – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zusammengestellt von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1846, Gustav Emich, 8°.) I. Theil, S. 586 u. f. – Szinnyei (József). Hazai és külföldi folyóiratok magyar tudományos Repertóriuma. Történelmi és annak Segédtudományi, d. i. Szinnyei’s Geschichtsrepertorium (Budapesth 1874, gr. 8°.). Első kötet. [Das Register gibt Sp. 1464 nach Seitenzahlen zahlreiche biographische und literarische Nachweise über Franz Toldy.] – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagsblätter (Pesth, 4°.) 1859, Nr. 4.
Porträte. l) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges „Toldy Ferenc“. Barabás fényképé után metsz, acélba Lämmel (8°.). – 2) Holzschnitt. Haske. In der „Neuen Illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski) 1876, Nr. 1. – 3) Auf dem zweiten lithographirten Gruppenbilde in gr. Fol. in „Magyar irók arcképcsarnoka“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. III, S. 341].
  2. Vorlage: Gmnasien.