Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Taffinger
Nächster>>>
Taglioni, Marie
Band: 43 (1881), ab Seite: 16. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Emilie Tagliana in der Wikipedia
Emilie Tagliana in Wikidata
GND-Eintrag: 117197297, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tagliana, Emilie|43|16|}}

Tagliana, Emilie (Opernsängerin, geb. in Mailand um das Jahr 1855). Den ersten musikalischen Unterricht erhielt sie im Conservatorium ihrer Vaterstadt; die höhere Ausbildung aber durch den Mailänder Gesangsprofessor Lamperti. Die Bühne betrat sie zuerst in Neapel, dann folgten Engagements in Florenz, Paris, Odessa, wo sie überall glänzende Erfolge feierte. Im Jahre 1873 gelangte sie in das Wiener k. k. Hofoperntheater, wo sie bald der Liebling des Publicums wurde und unter der sorgsamen Leitung Hans Richter’s, des bekanntlich begabtesten Förderers der Wagner’schen Richtung, der fast alle Partien mit ihr in den letzten Jahren einstudirte, ihre ohnedies reichen Stimmmittel auf das glänzendste entwickelte. Anfangs 1879 trat sie von der Wiener Hofoper, welche mit ihr eine ihrer Zierden verlor, in den Verband der Berliner Hofoper. Die Fachkritik bemerkt über die Sängerin, daß dieselbe nicht zu jenen Stimmheldinen gehöre, welche ohne viel Rücksicht auf die Figur, die sie in dem Stücke zu spielen haben, ihre Partie mit mehr oder minder glänzender Bravour heruntersingen. Obwohl sie ihren Gesang reizvoll zu coloriren versteht, gefällt sie sich doch nicht in jenen gesanglichen Seiltänzerkunststückchen, in welchen so viele Sängerinen das Um und Auf ihrer künstlerischen Aufgaben und Ziele finden. Die Tagliana lebt in die darzustellende Rolle sich ein und bietet statt üblicher Virtuosenstückchen die poetische Verkörperung dichterischer Gestalten. Die Künstlerin ist also nicht blos eine Sängerin, die durch ihre reichen und lieblichen Stimmmittel wirkt, sie wirft auch über alle Gestalten, welche sie vorstellt, den idealen Schleier der poetischen Verklärung und fesselt dadurch, indem ihr dabei ihre äußerst anmuthige Erscheinung zu Hilfe kömmt, ungleich mehr als mit den glänzendsten Stimmmitteln reichbegabte Sängerinen. Zu ihren hauptsächlichsten Partien gehören: Ophelia, Julie, Dinorah, Traviata, Zerline (in „don Juan“ und „Fra Diavolo“, Gilda in „Rigoletto“, Lucia in „Lucia von Lamermoor“ u. dgl. m. Die in so kurzer Zeit allgemein beliebt gewordene Künstlerin ist schon oft porträtirt und auch in den in der Gegenwart so eifrig gepflegten Chargen [siehe unten] dargestellt worden.

Ziehrer’s Deutsche Musik-Zeitung (Wien, 4°.) 1874, Nr. 34. – Illustrirte Frauen-Zeitung [17] (Berlin, Franz Lipperheide. Fol.) 1. October 1878, Nr. 37.
Porträte. 1) Unterschrift: „E. Tagliana“ A. Schubert (lith. 1878). – 2) Ueberschrift: „Emilie Tagliana. Sängerin“. Unterschrift: „Bald wird man einen Stern sie nennen, | Deß mächtiger Zauberglanz beginnt. | Für heute läßt sie nur erkennen | Des schönen Südens schönes Kind“. Klič. Paris 1873. Fol. C. Angerer sc. Auch in Klič’ „Humoristische Blätter“, 23. November 1873, Nr. 41. – 3) Unterschrift: „Emilia Tagliana“. A. Studnicka (lith., Wien 1874). Auch in oberwähnter „Deutscher Musik-Zeitung“ von Ziehrer. – 4) Unterschrift: „Fräulein Tagliana“. E. Schlesinger (lith. 1876). Zur Steuer der Wahrheit müssen wir bemerken, daß jedes dieser Bildnisse eine verschiedene Miene zeigt. Das von A. Schubert ist sehr ähnlich. – Makart hat ihr Bildniß auch in Oel gemalt.
Chargen. 1) In ganzer Gestalt, auf einer Hand stehend. Laci v. F(recsai). In der „Bombe“. 7. December 1873, Nr. 50. – 2) Tagliana und Zelenska. Zwei Brustbilder, welche aus Rosenkelchen hervorwachsen. Von C. v. Stur. Im „Floh“, 5. September 1874, Nr. 36. – 3) Ueberschrift: „Der Kurmärker und die Picarde“. F. Grätz (lith.). Im „Floh“, 5. März 1876, Nr. 10. [Ganze Figuren: Fräulein Tagliana als Picarde und Herr Reusche als Kurmärker.]