BLKÖ:Szaniawski, Constantin Felicyan

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 156. (Quelle)
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Außer den bisher erwähnten Szaniawskis sind noch einige Träger dieses Namens anzuführen, welche in bald mehr, bald minder nahen Beziehungen zu Krakau und Galizien, mithin zum Kaiserstaate stehen.

1. Constantin Felicyan Szaniawski (geb. zu Oszmiansk in Lithauen am 24. November 1668, gest. zu Krakau 1732). Die Szaniawski, welche einen Widder im Wappen führen, sind eine polnische Adelsfamilie aus Lukow, dem Wappengeschlechte der Junosz oder Baran angehörig. Dieses Geschlecht ist eines der weitest verbreiteten Polens und gehören zu demselben u. a. die Suchodolski, Radziejewski, Poniatowski aus Zakroczym, Kowalewski, Klinski, Rościszewski, Osinski, Zaluski, Zukowski. Constantin Felicyans Vater Peter war königlicher Pächter (Klucznik) in der Wilnaer Woiwodschaft, seine Mutter Katharina eine geborene Chomski. Der Sohn, für den geistlichen Stand bestimmt, beendete seine Studien an der Krakauer Hochschule, erlangte daselbst 1702 die Doctorwürde und widmete sich von dieser Zeit an den Staatsgeschäften in der königlichen Kanzlei. Mit dreißig Jahren wurde er Wilnaer Domherr, Scholasticus von Ermeland, Domherr in Warschau und Abt von Wąchock, fungirte aber neben diesen geistlichen Aemtern als lithauischer Referendar und als Director der Kronkanzlei. In dieser letzteren Eigenschaft wendete ihm König August II., der große Stücke auf ihn gab, sein ganzes Vertrauen zu. Doch auch Szaniawski hielt in allen Wechselfällen, welche den König trafen, unverbrüchlich zu ihm. Für seine treuen Dienste wurde er von diesem 1705 zum Bischofe von Kujawien ernannt, und von Peter dem Großen mit einem kostbaren smaragdengeschmückten [157] Kreuze beschenkt, mit welchem er auch meist abgebildet ist. In den folgenden Jahren spielte er in allen politischen Vorkommnissen eine einflußreiche, bald vermittelnde, bald die Interessen seines Königs mit allen Kräften fördernde Rolle. In Anerkennung dessen erhob ihn derselbe nach dem Ableben des Bischofs Kasimir Łubieński auf den bischöflichen Stuhl von Krakau. Bei der Feier seines Einzuges in diese Stadt erzählte man sich folgende Thatsache. Noch als mittelloser Schüler in Krakau, kam er oft mit mehreren seiner Genossen in das Kloster der Reformaten, um daselbst sein Töpfchen mit Speisen füllen zu lassen. Und als der hübsche Junge eines Tages wieder seiner Portion harrte, erregte er die Aufmerksamkeit des Starosten Lętowski, der eben mit dem Vorsteher des Klosters aus der Pforte trat. Der Starost erkundigte sich nach dem Benehmen des jungen Studenten, und da er nur Lobenswerthes über ihn erfuhr, streichelte er ihm die Wange und reichte ihm ein Goldstück dar, indem er scherzweise sagte: „Bleib nur brav, lerne fleißig, damit du einmal Bischof von Krakau wirst, und dann überlässest du mir die Herrschaft Kielce, mit welcher ich grenze, in Pacht“. Dreißig Jahre waren seit diesem Vorfalle dahingegangen. Starost Lętowski, in Folge der kriegerischen Zeiten, welche sein Vaterland heimgesucht hatten, ganz verarmt, lebte von den kleinen Resten seines Vermögens, die er noch gerettet, kümmerlich in Krakau, als er eine Einladung zur Festtafel erhielt, welche zur Feier des bischöflichen Einzuges stattfand. Er war nicht wenig darüber erstaunt, denn was sollte er, der Verarmte, unter den Großen und Reichen der Krone? Aber er war nun einmal eingeladen und ging zur Tafel. Als das Festmahl seinem Ende nahte, erhob sich der Bischof Szaniawski und dem Starosten Lętowski, der am unteren Ende der Tafel saß, zutrinkend, rief er aus: „Herr Starost, es lebe unsere alte Freundschaft“. Dieser sah verwundert auf den Bischof, dessen Worte er gar nicht begriff. Der Kirchenfürst aber säumte nicht lange mit der Aufklärung und erzählte vor allen Gästen, wie er als Student bei den Reformaten sein Essen geholt und wie ihn eines Tages der damalige Starost Lętowski in liebevoller Weise ermahnt und zuletzt mit einem Goldstücke beschenkt habe. Darauf winkte er seinem Marschall, und dieser setzte auf die Tafel eine mächtige silberne Vase, hob den Deckel ab und zog aus derselben das Töpfchen des armen Studenten hervor, das in Silber eingefaßt war. „Ich habe dieses Töpfchen in Ehren gehalten, aber meinen wackeren Starosten, der mich einst reich beschenkte, auch nicht vergessen. Auch Eure Worte sind mir im Gedächtnisse geblieben, und da ich denn nun Bischof von Krakau bin, erfülle ich Euer damaliges Begehren und gebe Euch die Herrschaft Kielce in Pacht“, und nach diesen Worten zog er aus dem silbergefaßten Töpfchen den fertigen Pachtvertrag und reichte ihn dem tiefgerührten Starosten. Dieser, welchem allmälig die Erinnerung an jenen Vorfall zurückgekehrt war, übernahm den Pacht und blieb für den Rest seines Lebens von den drückenden Sorgen seiner unverschuldeten Armut befreit. Diese Geschichte von dem Töpfchen des Bischofs Szaniawski, die übrigens nicht erfunden, sondern Thatsache ist, lebt noch zur Stunde im Munde des Krakauer Volkes. Unser Bischof war ein würdiger Kirchenfürst. Das von den Schweden in Brand gesteckte und verwüstete Schloß in Krakau stellte er in verschönerter Gestalt wieder her; das Seminar bei dem Krakauer Bisthume dotirte er mit einer jährlichen Stiftung in Geld; der Hochschule war er ein großmüthiger Wohlthäter, und in Lukow stiftete er eine Anstalt für arme Studenten mit einem Aufwande von 100.000 poln. Gulden. Der Weihbischof von Joppe, Ludwig Lętowski, ist dem Bischof wenig wohlwollend gesinnt. Im Drucke sind von Szaniawski erschienen: „Idea vitae sacerdotalis ad usum cleri dioecesani“ (Krakau 1721, 4°.); – „Regia geminae Majestatis Jesu Christi et Mariae per Const. Felicianum Szaniawski Ep. Crac. consecrata et adaperta“ (Cracoviae 17.., Typ. Jar. Matyaszkiewicz, Fol.); – „Epistola pastoralis“ (ebd. 1720, 4°.); – „Edictum contra dissidentes“ (ebd. 1725, Fol.). Vierzehn Jahre hatte Szaniawski seinen Bischofsitz eingenommen, als er im Alter von 64 Jahren vom Tode ereilt wurde. [Lętowski (Ludwik), Katalog biskupów, prałatów i kanoników krakowskich, d. i. Katalog der Krakauer Bischöfe, Prälaten und Domherren (Krakau 1852, Universitätsdruckerei, 8°.) Bd. II, S. 230. – Gwiazdka Cieszyńska, d. i. Das Sternlein von [158] Teschen (Teschener Unterhaltungsblatt, 4°.) 10. Mai 1856, Nr. 19: „Biedny Student“, d. i. Der arme Student.] –