Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Soliman, Angelo
Band: 35 (1877), ab Seite: 246. (Quelle)
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Solera, Antonio (lombardischer Revolutionär[WS 1], geb. zu Mailand gegen das Ende des 18. Jahrhunderts, gest. im Bade San Pellegrino in der Lombardei im Juli 1848). Als die Heere Frankeichs 1797 die Alpen überschritten, und Ober-Italien besetzten, versah S. unter der französischen Regierung verschiedene Aemter in Bergamo, in Istrien und Ferrara. Als die Lombardei 1814 wieder [247] unter österreichische Regierung kam, war S. im Jahre 1848 Prätor in Lóvere in der Provinz Bergamo. In dieser Stellung mit einem Male des Carbonarismus angeklagt und in Untersuchung gezogen, wurde er des Hochverrathes schuldig befunden und mit richterlichem Spruche vom 18. Mai 1821 zum Tode verurtheilt. Im Wege der kaiserlichen Gnade wurde das Todesurtheil in zwanzigjährige Kerkerhaft umgeändert und S. nach dem Spielberge gebracht, um dort die Strafe zu überstehen. Im Jahre 1827 mit noch anderen zugleich mit ihm Verurtheilten begnadigt, kehrte er in sein Vaterland zurück. Er lebte nun unangefochten und zurückgezogen in Brescia, als ihm erst im Jahre 1842 die Nachricht von Alexander Andryanes „Denkwürdigkeiten eines Gefangenen vom Spielberg“ zukam, welche bereits 1838 in französischer Sprache zu Paris erschienen waren. Andryane, ein seines Charakters und seiner Zuverlässigkeit wegen allgemein hochgeachteter Mann, schildert in seinen Denkwürdigkeiten Solera, der längere Zeit sein Kerkergenosse war, als einen Verräther, einen Heuchler und einen Spion, der zur gemeinsten Schlechtigkeit und Nichtswürdigkeit herabgesunken sei. Von solchem Manne und in solcher Weise öffentlich beschimpft, beschloß S., gegen diese Angriffe, die er geradezu als Verleumdungen bezeichnete, aufzutreten und verfaßte eine Vertheidigungsschrift. Da er zur Druckbewilligung die Erlaubniß der Censur einholen mußte, begab er sich nach Mailand, und als seine Schritte daselbst erfolglos geblieben, wendete er sich an die betreffenden Hofstellen nach Wien. Während er aber auf die Erledigung seines Gesuches von Wien aus harrte, gelang es ihm, durch Hilfe einer Dame, der Frau Bianca Milesi-Moyon, eine Copie seiner nach Wien abgeschickten Vertheidigung in die Hände Andryane’s zu bringen. Dieser aber würdigte den von ihm gebrandmarkten Autor nie einer Antwort. Und von Wien kam nach wiederholten Nachfragen Solera’s über den Stand seiner Angelegenheit nach Jahresfrist die Weisung, daß ihm der Druck seiner Vertheidigungsschrift nicht gestattet sei und er sich überhaupt eines jeden weiteren Schrittes in dieser Sache zu enthalten habe. Erst als im März 1848 in Mailand die Revolution ausbrach, ließ Solera die vorerwähnte Schrift in Druck legen. In derselben Schrift versucht nun S., alle gegen ihn von Andryane erhobenen Beschuldigungen zu widerlegen. Doch half ihm das wenig, denn als Felice Foresti seine „Ricordi sui Carbonari, sui processi del Veneto del 1821 e sulle vittime del Spielbergo“ veröffentlichte, bestätigte er darin alle von Andryane gegen Solera erhobenen Anklagen, nannte ihn offen einen Verräther der Geheimnisse, wodurch seine Mitverschwörer dem rächenden Arme der Gerechtigkeit verfielen, und fügt hinzu, daß Solera in Folge seines Verrathes sich aller nur denkbaren Rücksichten im Kerker zu erfreuen hatte. Diesen letzten vernichtenden Schlag auf seine Ehre war Solera so glücklich, nicht mehr zu erleben, denn die Angriffe Foresti’s erschienen erst nach Solera’s Tode, da Solera schon im Juli 1848 im Bade San Pellegrino, wo er Abhilfe für sein Leiden zu finden gehofft, gestorben war. Die erwähnten Erinnerungen Foresti’s aber sind von diesem auf Verlangen Giuseppe Ricciardis schon im Jahre 1847 niedergeschrieben, jedoch erst 1860 im Druck erschienen. Nach allem, was vorliegt, steht Solera’s Charakter nichts weniger als [248] gereinigt von den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen da.

Risposta di Antonio Solora alle columnie appostegli dal Signore Andryane nel suo libro: „Memoires d’un prisonnier d’Etatau Spielberg“ [Paris 1833, Ladvocat] (Brescia 1848, Pio Istituto di S. Barnaba). – Ricordi di Felice Foresti sui carbonari etc. etc., abgedruckt in dem Werke: „J. Martiri della liberta italiana dal 1794 al 1848. Memorie raccolte da Atto Vanucci“ (Italia 1860, a spese dell’ editore, 8°.) p. 393 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Revolutonär.