Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Seher-Thoß
Band: 33 (1877), ab Seite: 321. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Sehfeld in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Sehfeld (Adept)|33|321|}}

Sehfeld, auch: Seefeld und Seefels (Adept, geb. in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Oberösterreich). Schon in früher Jugend zeigte er Vorliebe für die Alchemie; aber, selbst mittellos, war er darauf angewiesen, im Dienste einiger Liebhaber dieser Kunst zu arbeiten. Er verließ bald seine Heimat und lebte etwa 10 Jahre im Auslande. Im Jahre 1745 oder 1746 finden wir ihn in dem südlich von Wien gelegenen alten Badeorte Rodaun. Dort fand er die zu seinen Arbeiten nöthige Ruhe und Abgeschiedenheit; nur mußte er sich dem Bademeister Friedrich, der mit seiner Frau und drei Töchtern das Badhaus bewohnte, entdecken, ein Umstand, der ihm, Dank der Schwatzhaftigkeit der Frauen, später große Verlegenheit bereitete. Denn er weihte nicht nur Friedrich, sondern auch dessen Familie in die Geheimnisse seiner Kunst ein. S. verwandelte Zinn unter Beimischung eines rothen Pulvers in das feinste Gold und ließ es durch Friedrich in die kais. Münze tragen oder an Juden verkaufen. Das konnte nicht lange verborgen bleiben und schon dachte man daran, ihn festzunehmen, als er sich noch zu rechter Zeit, unter dem Vorgeben, chemische Farben zu bereiten, einen kais. Schutzbrief erwirkte, wofür er 30.000 Gulden jährlich zu zahlen sich erbot, das Patent schützte ihn aber nicht lange. Die Menge Goldes, die S. in Verkehr brachte, erregte immer größeres Aufsehen und selbst die Kaiserin Maria Theresia ward aufmerksam. In einer Nacht erschien im Rodauner Badehause plötzlich ein Commando der Wiener Rumorwache und führte S. als Gefangenen mit sich. Scharfes Verhör, ja sogar körperliche Züchtigung wurde angewendet, um ihm das Geheimniß der Goldmacherei zu entreißen, aber vergebens. Man schickte ihn hierauf nach der Festung Temesvár, entließ ihn aber nach etwa einem Jahre in der Meinung, er werde nach Wiedererlangung seiner Freiheit geneigter sein, das Geheimniß seiner Kunst zu offenbaren. Seine Freiheit war aber nur eine scheinbare; denn zwei Officiere, die dem Kaiser Franz vollkommen ergeben waren, mußten S. auf allen Wegen begleiten und fortwährend Rapport über ihn erstatten. Eines Tages war S. sammt seinen Begleitern verschwunden, und die sorgfältigsten Nachforschungen in England, Holland und der Schweiz gaben kein Resultat. Es ward damals nicht [322] ohne Grund angenommen, daß S. ein echter Adept sei und die Mittel zu schaffen wußte, seine Begleiter zu bestechen und für alle Zukunft schadlos zu halten. Ein Beweis, wie sehr Alle, die mit S. verkehrten, an seine Kunst glaubten, ist ein Gespräch des Kaisers Franz mit dem Bademeister Friedrich bei Gelegenheit einer Jagdparthie, die den Kaiser nach Rodaun führte. Der Kaiser hatte Interesse für alchemistische Versuche und wollte sich bei Friedrich über S.’s Treiben erkundigen. Er meinte, das Ganze laufe doch auf einen Betrug hinaus; aber da gerieth der Bademeister in eine possierliche Begeisterung und rief: „Majestät! Und wenn der liebe Gott vom Himmel käme und spräche: Friedrich, du irrst, Sehfeld kann kein Gold machen, so wollte ich antworten: Du lieber Gott! Es ist gleichwohl wahr; ich bin davon so gewiß überzeugt, als Du mich erschaffen hast!“ Noch zweimal taucht unser Adept auf, u. z. in Amsterdam und zu Halle. In ersterer Stadt schenkte er dem in einer Apotheke bediensteten Horter, Sohn eines Apothekers zu Schaffhausen, ein Gläschen voll dunkler Flüssigkeit, mit dem Bemerken, daß er, wenn er es recht gebrauche, mehr als 50 Ducaten daraus machen könne. Horter, ein tüchtiger Chemiker, macht sich sogleich daran, und findet die Aussage S.’s bestätigt. In Halle tritt er mit dem Apothekergehilfen Reussing in längeren Verkehr. Diesem übergibt er eines Tages eine kleine Quantität grauen matten Pulvers, das er Gradirglas nennt, auf Baumwolle und in Papier gewickelt, mit der Weisung, Silber zu schmelzen, das Papier auf das fließende Silber zu werfen und dieses dann auszugießen. Reussing befolgt das, schmilzt einen 11/2 Loth schweren Löffel von 12löth. Silber und erhält 3 Loth des schönsten Goldes, für die ihm der Goldarbeiter Lemmerich 36 Reichsthaler gibt. Als er wieder bei S. vorsprechen wollte, um ihm das Resultat mitzutheilen, war dieser bereits abgereist. Die Vergangenheit hatte ihn Vorsicht gelehrt, und so eilig war seine Flucht aus Halle, daß er einen noch rauchenden Tiegel auf dem Herde zurückließ. Von da ab verschwindet jede Spur S.’s. Nur sei noch bemerkt, daß K. Chr. Schmieder, dessen „Geschichte der Alchemie“ diese Daten entnommen sind, S. unter der Zahl jener fünf Adepten aufzählt, welche als wahr gegolten haben, nämlich: Setonius, Philaletha, Wagnereck, Laskaris, Sehfeld. Der Dichter Friedrich Halm, aus Anlaß seines Dramas: „Der Adept“, gedenkt Sehfeld’s in einem kleinen Aufsatze, welcher in der von Lembert redigirten, mit Unrecht bereits vergessenen Zeitschrift „Der Telegraf“ abgedruckt ist.

Schmieder (Karl Christoph). Geschichte der Alchemie (Halle, Buchhandlung des Waisenhauses, 1832). – Gräffer (Franz) Wiener Dosenstücke (Wien 1852, Groß, 8°.) Bd. II, S 94. – Derselbe, Neue Wiener Tabletten und heitere Novellchen (Wien 1848[WS 1], 8°.) S. 142 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1448.