Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ogilvy, die Grafen
Band: 21 (1870), ab Seite: 46. (Quelle)
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Ohéral, Johann (Schriftsteller und Journalist, geb. zu Zalkovitz in Mähren 21. September 1810, gest. zu Wien 22. Juni 1868). Die unteren Schulen besuchte er in seiner Vaterstadt, das Gymnasium zu Kremsier und dann begab er sich nach Brünn, wo er das Studium der Philosophie begann. Nach Beendigung desselben trieb er literarische Studien und arbeitete an der Seite Jurende’s [Bd. X, S. 323] für den von diesem herausgegebenen Kalender „Der mährische Wanderer“, später der „Vaterländische Pilger im Kaiserstaate Oesterreich“, ein Musterbuch in seiner Art und in der Culturgeschichte – nicht nur Mährens, sondern des ganzen Kaiserstaates – epochemachend, und ein Bahnbrecher im Kalenderwesen. Als sich Jurende im Jahre 1833 von seinem Unternehmen zurückzog, setzte es Ohéral in gleichem Geiste und mit derselben Umsicht und Sorgfalt fort. Im Jahre 1839 übernahm Ohéral auch noch die Redaction der „Moravia“, eines Blattes, an dem tüchtige Kräfte mitarbeiteten und das er bis zum Jahre 1848 redigirte. Seit 1844 betheiligte er sich auch in Gemeinschaft mit Mathias Mikšiček [Bd. XVIII, [47] S. 296] an der Herausgabe des „Moravsko-slezský domácí přítel“, d. i. Mährisch-schlesischer Hausfreund, eines von dem Buchhändler Winiker herausgegebenen Kalenders, der jedoch weiters keine Bedeutung erlangte. Der politische Umschwung des Jahres 1848 drängte O. für einen Augenblick in das Lager der nationalen Partei. Durch seine mehrjährige journalistische Beschäftigung stand er ohnehin schon mit den Wortführern derselben in bald engerer, bald weiterer Verbindung, und als es nun galt, gemeinsame Ziele zu verfolgen, trat er mit Amerling, Kampelik, Klacel, Sembera, Storch, Zach in nähere Beziehungen, die sich bald von selbst ergaben, als er die Redaction der deutschen „Moravia“ aufgab und im genannten Jahre den „Tydennik“; ein belehrendes und unterhaltendes Wochenblatt in böhmischer Sprache, bei Wimmer in Brünn, das erste slavische Journal in Mähren, begründete, das aber, einen so ernsten und versprechenden Anlauf es auch nahm, nur wenige Monate hindurch sein Dasein fristete. Doch scheint es, daß er dieser Partei zunächst seine Wahl in den ersten österreichischen Reichstag zu danken hatte, in welchen er von der Stadt Kremsier gewählt wurde. In demselben war er, so lange er in Wien tagte, Vorsitzender der 8. Section, nach seiner Uebersiedlung nach Kremsier Mitglied der Ausschüsse für den Gesetzentwurf bezüglich der Aufhebung der Unterthänigkeitsverhältnisse, ferner für die Volks- und Staatswirthschaft und die Unterrichtsangelegenheiten. Jedoch war seine Wirksamkeit im Reichstage, insoferne es die Rednerbühne betrifft, eine fast spurlose, aber wenn die čechische Partei an ihm einen Partisan gefunden zu haben meinte, so hatte sie sich auch getäuscht; er stand zu den Deutschen und ging mit der äußersten Linken; Umlauft, Fischhof, Violand, Füster waren seine Bankgenossen und ihm gerade gegenüber rechts saß der viele Jahre später in den Vordergrund tretende Advocat von Troppau, Franz Hein [Bd. VIII, S. 213]. Nach der Sprengung-des Kremsierer Reichstages kehrte O. unbehindert zu seiner früheren journalistischen Beschäftigung zurück und begann die Herausgabe der „Mährischen Volkszeitung“ (moravske narodní nowiny), welche abgesondert in deutscher und čechischer Sprache, wöchentlich eine Nummer in 4°., bei Rohrer’s Erben in Brünn herauskam und deren erste Nummer am 8. Juli 1849 erschien. Mit Franz Rozehnal theilte sich O. in die Redaction dieses Blattes, dessen sich die mährisch-schlesische Ackerbaugesellschaft zur Veröffentlichung gemeinnütziger Aufsätze und Correspondenzen bediente; aber die Theilnahme des slavischen Lesepublicums in Mähren war zu gering und das journalistische Talent O.’s noch immer nicht groß genug, um dem doppelsprachigen Blatte ein langes Dasein zu fristen. Ende 1850 hat es zu erscheinen aufgehört. Nun zog sich O. auf seine unweit Brünn gelegene Wirthschaft zurück und lebte daselbst einige Zeit in ländlicher Zurückgezogenheit, bis er einem Rufe nach Prag folgte, um dort die Redaction eines alten und beliebten Unterhaltungsblattes der „Erinnerungen“ zu übernehmen. Aber nicht lange blieb O. in diesem Wirkungskreise, schon in kurzer Zeit wurde er Mitarbeiter des die deutsche Partei in Böhmen mannhaft vertretenden Blattes „Der Tagesbote“, bis er nach einiger Zeit die Redaction und später auch den Verlag der „Prager [48] Morgenpost“ übernahm und dieselbe mit seiner entschieden deutschen Richtung bis zum Jahre 1864 redigirte. In ziemlich gedrückten Verhältnissen, in welche er durch sein journalistisches Unternehmen gerathen war, begab er sich nun nach Wien, wo er einige Zeit für ein und das andere Journal arbeitete, bis er bei der Hügel’schen „Vorstadt-Zeitung“ eine feste Stellung als Redacteur des politischen Theiles dieses Blattes erhielt. Zu dieser blieb er bis an seinen Tod, der ihn plötzlich in Folge eines Schlaganfalls im Alter von 58 Jahren seiner Familie entriß. Ohéral’s schriftstellerische Thätigkeit war eine vorherrschend journalistische, aber auf diesem Felde ein Volksmann im wahren Sinne des Wortes, schrieb er tüchtige, vornehmlich volkswirthschaftliche und in dieses Gebiet einschlägige Artikel. Selbstständig hat er nur eine Schrift: „Bukolische Briefe. Agrarische Tagesfragen über die Zustände der Landbevölkerung und des Landbaues“ (Prag 1860, Kober, 8°.) herausgegeben und von dem Aufsatze: „Beschreibungen industrieller Orte und merkwürdiger Fabriken Mährens“, im 2. Jahrgänge (1855) des von J. Auspitz redigirten, in Brünn herausgegebenen „Oesterreichischen Kalenders“, ist mir ein Sonderabdruck bekannt. Seine in den Zeitschriften zerstreuten Aufsätze würden gesammelt mehrere Bände ausmachen. In seinem Umgange ungemein liebenswürdig, stand O. als Mensch und Schriftsteller in allgemeiner Achtung. Der Schriftsteller-Verein „Concordia“ veranstaltete dem wackeren Collegen ein ehrenvolles Begräbniß. Unter den mehreren Kränzen, die seinen Sarg schmückten, befand sich einer mit rothem Bande, auf dem in Goldbuchstaben die Inschrift stand: „Wer für Freiheit, Recht und Volk gewirkt wie du, der geht im Frieden ein zur ewigen Ruh“. O. hinterließ eine Witwe und mehrere unversorgte Kinder.

d’Elvert (Christian), Beiträge zur Geschichte und Statistik Mährens und Oesterreichisch-Schlesiens. I. Band: Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Büchercensur und der periodischen Literatur u. s. w. (Brünn 1854, Rohrer’s Erben, gr. 8°.) S. 178, 190, 205, 224 u. 229. – Fremden-Blatt von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1868, Nr. 172 u. 174. – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1868, Nr. 1370, in der „Kleinen Chronik“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1868, Localanzeiger Nr. 174. – Nach d’Elvert’s „Geschichte des Bücher- und Steindrucks u. s. w. in Mähren“, S. 189, redigirte Ohéral die „Moravské národní nowíny“ vom 5. Juli 1849 bis Ende 1850; nach Franz Doucha’s „Knihopisny slovník“ (Prag 1864, bei Kober), S. 156, zweite Spalte, erschien dieses Blatt vom Jahre 1839 bis 1842 mit der Beilage Besedník list zábavný. Diese so weit auseinander gehenden Angaben zu berichtigen, bin ich außer Stande.