BLKÖ:Natter, Johann Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 95. (Quelle)
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Natter, Johann Joseph (theologischer Schriftsteller, geb. zu Prag 9. Mai 1767, Todesjahr unbekannt). In Prag hatte N. seine Studien begonnen und beendet. Im Jahre 1792, 25 Jahre alt, trat er in den Ritterorden der Kreuzherren mit dem rothen Sterne, wurde im folgenden Jahre Prediger und Vicar an der Karlskirche in Wien, im Jahre 1795 an der Stiftskirche seines Ordens in Prag, wo er im Jahre 1798 die Erzieherstelle bei dem jungen Fürsten Ferdinand Kinsky übernahm. Im Jahre 1803 erhielt er das Commandeurkreuz seines Ordens. Im Jahre 1807 ging er als Agent desselben nach Wien, wurde im Jahre 1811 von Kaiser Franz zum Commandeur an der Karlskirche in Wien ernannt und im Jahre 1812 von dem fürsterzbischöflichen Consistorium als Pfarrer an dieser Kirche angestellt. Im nämlichen Jahre noch übertrug ihm der Kaiser Franz das Amt eines Referenten bei der k. k. Wohlthätigkeits-Hofcommission und im Jahre 1814 ernannte ihn der Wiener Erzbischof zum Consistorialrathe. In dieser Stelle blieb er bis zum Jahre 1823 thätig. Von da ab ist über sein Wirken – auch literarischer Seits – nichts mehr bekannt geworden. N. war ein fruchtbarer theologischer Schriftsteller, und die von ihm herausgegebenen Werke sind unter folgenden Titeln erschienen: „Predigten über christliche Lebensweisheit“, 2 Theile (Prag 1796 u. 1797; 2. Aufl. 1803; 3. Aufl. 1811, gr. 8°.); neue Aufl. herausg. von M. A. Nickel (Mainz 1833, gr. 8°.); – „Ueber die Freundschaft“ (Leipzig 1796 [Heinrichshofen in Magdeburg], 8°.), diese Schrift gab N. anonym heraus; – „Predigten über die Leidensgeschichte Jesu“ (Prag 1798; 3. Aufl. 1811, gr. 8°.); – „Katholisches Gebet- und Erbauungsbuch“ (Prag 1800, 8°.); siebente, mit vierzehn Betrachtungen vermehrte Auflage, mit 1 Kupfer (ebd. 1829; achte verb. u. verm. Aufl. ebd. 1843, gr. 12°.); – „Neue Predigten bei verschiedenen Veranlassungen“ (Prag 1802, Calve, gr. 8°.); dritte verb. Aufl. herausg. von M. A. Nickel (Mainz 1834, Kirchheim, gr. 8°.); – „Neues Gebetbuch im Geiste der Religion Jesu“ (ebd. 1802, 8°.; 4. Ausg., mit 5 K. K., Augsburg 1824, Kranzfelder, 8°.); – „Populäres praktisches Religionshandbuch für Katholiken“ (Prag 1811, Widtmann, 8°.); – „Die Wege der Vorsehung in den Schicksalen des jüdischen Volkes“ (ebd. 1812, 8°.); – „Ueber die [96] Kunst, bei den Uebeln und Unfällen des Lebens seine Ruhe behaupten. Handbuch für Trostbedürftige“ (ebd. 1812, gr. 8°.); – „Predigten über Tod und Grab, Auferstehung und Wiedersehen“ (Prag 1817, Calve, gr. 8°.); – „Andachtsbuch für die Gebildeten unter dem weiblichen Geschlechte“ (ebd. 1819, 8°.; zweite verb. Originalaufl. Prag 1843, 8°.), von diesem seiner Zeit ungemein beliebten Gebetbuche wurde auch eine polnische Uebersetzung unter d. Tit.: „Modły katolikom płci żeńskiéj poświęcone“ (Breslau 1821, W. G. Korn, 12°.. mit Titelk.) herausgegeben; – „Vollständiger Unterricht in der christkatholischen Glaubens- und Sittenlehre“ (ebd. 1820, 8°.); – „Neue Predigten über die heilige Geschichte der Leiden, des Todes, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu“ (Leipzig 1822; neue Titelausg. 1824, Brockhaus, gr. 8°.). Natter, ohne eben Rationalist zu sein, schlug doch in seinen Andachts- und Erbauungsschriften einen evangelisch-milden, erhebend-liebevollen Ton an, der ihm von der Zelotenpartei der Gegenwart übel ausgelegt und kaum geduldet würde. Er ist – der ungleich fruchtbarere – „Albach Böhmens“, ein Priester, wie ihn eben die Religion der Versöhnung und Nächstenliebe fordert. Wann Natter gestorben, ist nicht bekannt, jedoch dürfte sein Tod innerhalb der Jahre 1822 und 1833 fallen, weil im erstgenannten Jahre sein letztes Werk, im letztgenannten die von einem Anderen besorgte Ausgabe eines anderen Werkes seiner Feder erschienen ist.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 23. – Porträt. J. F. Leybold p., C. Pfeiffer sc. 1800 (Prag, Calve, 8°.).