BLKÖ:Frast, Johann von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fraschini, Cajetan
Band: 4 (1858), ab Seite: 345. (Quelle)
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Frast, Johann von (Cisterciensermönch und Geschichtforscher, geb. zu Wien 1786, gest. in Nußdorf bei Wien 30. Jän. 1850). Entstammt einem altadeligen Geschlechte und ist der älteste Sohn des Hofbaurathes Philipp von Frast. Er genoß eine sorgfältige Erziehung und wählte aus freiem Drange den geistlichen Stand, legte 1807 die Ordensprofeß als Capitular des Cistercienser-Stiftes Zwettl ab, und wurde 1809 zum Priester geweiht. Er bekleidete nun einige Zeit die Professur des alten Bundes und der orientalischen Sprachen an der theologischen Lehranstalt des Ordens zu Heiligenkreuz, mußte aber aus Gesundheitsrücksichten die Stelle aufgeben, worauf er Hausarchivar im Stifte wurde. Später erhielt er die Pfarre in Edelbach, dann in Großenzersdorf, wurde dann Administrator des Stiftes zu Gobelsburg und zuletzt Stadtpfarrer in Zistersdorf. Ungeachtet der anstrengenden Geschäfte seines geistlichen und administrativen Berufes, in welchem er vorzüglich als Prediger glänzte, fand er Muße zu Arbeiten über die Geschichte und Topographie Niederösterreichs. Zum corresp. Mitgliede der k. Akad. d. Wissenschaften wurde er bei der ersten von derselben vorgenommenen Wahl am 26. Jänn. 1848 gewählt und am 1. Febr. 1848 a. h. bestätigt. Auf einer Geschäftsreise nach Wien ereilte ihn im Stiftshause zu Nußdorf im Alter von 64 Jahren der Tod. F.’s Arbeiten zeichnen sich durch Gründlichkeit, Selbständigkeit der Forschung und scharfe kernige Kritik aus. Da er allenthalben bisher unbekannten geschichtlichen Stoff brachte, so verdienen seine Aufsätze sorgfältige Aufzeichnung. Als Bergenstamm (I. 299–301), Darnaut (III. 165) und Schützenberger den Beschluß [346] der Herausgabe einer „Kirchlichen Topographie von Oesterreich“ gefaßt und auch zur Ausführung gebracht hatten (siehe den ersten Band dieses [1818–1840 in 18 Bänden erschienenen leider unvollendet gebliebenen] trefflichen Werkes, Vorrede v. F. 1818 p. V.), war Frast sogleich entschlossen, sich thätigst an dem Unternehmen zu betheiligen und hat, wie das unten folgende Verzeichniß seiner Schriften zeigt, sein Wort auch gelöset. In Hormayr’s „Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst“ (Wien 1810–1828, fortgesetzt durch Hohler und Megerle-Mühlfeld 1829–30, Ridler 1831–33 und Kaltenbaeck 1835–37 ließ er folgende Aufsätze erscheinen: „Reimchronik der Cistercienser-Abtei Zwettl und die Kuenringer betreffend“ (1818, S. 249, 262, 274, 289; auch abgedruckt in Hormayrs „Taschenbuch für 1842“, p. 1–26); – „Hugo Thurso von Lichtenfels, seine Kinder und Enkel“ (1819, S. 13, 27); – „Bruchstücke über die Kuenringer“ (1819, S. 501, 505, 510; vergl. mit Meinerts Aufsatze in den Wiener „Jahrbüchern der Literatur“ Bd. 22, Anz. Bl. 34–51); – „Die Stadt Weitra in den ersten zwei Jahren des dreissigjährigen Krieges“ (1823, S. 677); – „Beiträge zur Geschichte des Zwettelhofes in Wien“ (1823, S. 704); – „Der bestrafte Kirchenraub (von zwei Kuenringern am Stifte Zwettl verübt)“ (1828, S. 693); – „Beiträge zur Geschichte und Geographie des Viertels ob dem Manhardsberge“ (1833, S. 477, 481); – „Margarethe, römische Königin, Königin von Böhmen u. s. w.“ (1835, S. 197–204); – „Rastenberg“ (1835, 369, 371, 378); – „Georg Wendelins von Echzell Erinnerungsbuch der Freundschaft“ (1835, S. 317, 322, 327, 331); – „Scenen zu Zwetl im dreissigjährigen Kriege“ (1837, 321, 325). – In den Wiener „Jahrbüchern der Literatur“: „Merkwürdige Handschriften der österreich. Stifte Altenburg, Herzogenburg und Heiligenkreuz“, Bd. 24 (1823, Anz. Bl. S. 38 u. s. f.); – „Joh. Ben. Heyrenbachs Abhandlung von der östlichen Gränze des Landes an der Enns“ (Ebd., S. 42–60); – „Veit Goilel Beschreibung des Krieges in Siebenbürgen in den Jahren 1551–1553“, Bd. 29 (1826, Anz. Bl. 8–27); –in der Brüder Köpp von Felsenthal: „Malerische Darstellungen von Oesterreich (Wien 1814–24, Qu.-Fol. mit Abbldg. Bd. 2): „Abtei Altenburg“ (p. 237–240); – „Schloss Karlstein“ (p. 227–228); – „Abtei Zwetl“ (p. 199–204); – „Prämonstratenser Stift Geras“ (p. 253–254). – „Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend“ (Wien 1828, bildet den 7. Bd. der „Kirchl. Top. v. Oesterreich“); – „Die Rosenburg am Kamp“ (in Hormayr’s „Taschenbuch“ 1831, S. 191–205); – „Herrschaft Wetzles, mit der Ruine Dobra und Briefen der Kaiserin Eleonore von 1687–1698“, im 6. Bde. der „Beiträge zur Landeskunde Oesterreichs unter der Enns“ (Wien 1834, S. 274–284); – „Das Decanat Gross-Gerungs und das Stift Zwetl“ (Wien 1838; bildet den 16. Band der „Kirchl. Topogr. von Oesterreich“); – „Das Nonnenkloster Imbach“, in Chmels „Oesterr. Geschichtsforscher“, I. Bd. (Wien 1838, S. 533–547), mit einem Urkunden-Anhange von Chmel I. 547–565; II. 559–575; – „Handschriften in der Bibliothek zu Zwettl“, im „Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichte“; VIII. Bd. (Hannover 1843, S. 724–729); – „Predigt am Gedächtnisstage an die österreichischen Regenten aus dem Stamme der Babenberger, gehalten zu Heiligenkreuz am 28. Nov. 1846“ (Wien 1846, Beck); – „Das Stiftungen-Buch des Cisterzienser-Klosters Zwetl“ (Wien 1851, bildet den 3. Bd. der „Fontes Rerum Austriacarum“); – „Urkunden und geschichtliche Notizen aus Handschriften des Stiftes Zwetl“, im „Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen“ (Wien 1850, II. Bd. S. 361–427).

Die feierliche Sitzung der kaiserl. Akademie der Wissenschaften am 29. Mai 1852 (Wien, [347] Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 44. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, Lex. 8°.) I. Bd. S. 450. – Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien, 8°.) 1853 (III. Jahrg.) S. 153 [gibt sein Todesdatum an, und berichtigt den Sterbeort, als welcher in den ersten zwei Jahrgängen Zistersdorf angegeben worden, in Nußdorf]. – Reils Wanderer im Waldviertel (Brünn 1823) S. 214–225; 277–282 [enthält Andeutungen über F.’s trefflichen Charakter]. – Hormayrs Taschenbuch Jhrg. 1836, S. 468; Jahrg. 1842, S. 3 [enthält Nachrichten über sein literarisches Wirken]. – Die Vollständigkeit der bibliographischen Nachweisungen über F.’s Schriften verdankt der Herausgeber der Güte des Herrn Ministerialsecretärs Feil (s. d. S. 162 dieses Bandes), dessen liebenswürdige Zuvorkommenheit ihm schon manchen Zweifel über einzelne Persönlichkeiten gelöst und manche Quellen, die dem Herausgeber nicht zugänglich waren, eröffnet hat.