Textdaten
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Autor: Fr. G
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Titel: Aber was bewegt denn uns?
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 100
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[100] Aber was bewegt denn uns? Sowie der Aufsatz: „Wer bewegt die Uhren?“ in Nr. 36, 1871, durch den früheren Artikel über „das Wunder in der Westentasche“ angeregt wurde, so wurde ich durch ersteren veranlaßt, obige Frage aufzuwerfen, und werde versuchen sie zu beantworten.

Was ermöglicht uns, uns zu bewegen? – Unter den Lesern der Gartenlaube wird wohl kaum Jemand sein, der nicht schon eine Dampfmaschine arbeiten sah: der Kessel wird mit Kohlen geheizt, der erzeugte Dampf in die Maschine geleitet, die dann die gewünschte Arbeit verrichtet. Kessel und Maschine dienen also nur dazu, die durch die Kohlen erzeugte Wärme in productive Arbeit zu verwandeln. Je mehr die Maschine leisten soll, desto mehr Kohlen müssen verbrannt werden, um unter dem Kessel größere Hitze und in Folge dessen mehr Dampf zu schaffen. Es besteht also ein Verhältniß zwischen der durch die Verbrennung der Kohlen hervorgebrachten Wärme und der durch die Maschine verrichteten Arbeit. – Die Wissenschaft weist nach, daß dies Verhältniß constant ist und nur variirt durch die Unvollkommenheit der Apparate, die wir anwenden, um Wärme in Arbeit zu verwandeln. Man kann oft sagen, daß so und so viel Wärme eine bestimmte Quantität Arbeit repräsentire, resp. durch geeignete Apparate in dieselbe umgesetzt werden könne. Umgekehrt kann aber auch die Arbeit in Wärme umgesetzt werden, wie heißgelaufene Radachsen, Sägeblätter etc. zur Genüge beweisen.

Was die Verrichtung von Arbeit anbetrifft, so gleicht unser Körper nun der Dampfmaschine. Er kann nur arbeiten, wenn er geheizt wird, nicht mit Spirituosen, sondern mit sogenannten combustibeln Nahrungsmitteln. Diese, in den gesunden Organismus eingeführt, machen im Blute einen vollständigen Verbrennungsproceß durch, der mehr oder weniger lebhaft ist, je nachdem der Körper mehr oder weniger angestrengt wird. Sie vermitteln dadurch den zur Erhaltung des Lebens nöthigen Stoffwechsel und erzeugen im Körper die sogenannte thierische Wärme. Die Verbrennung, der Stoffwechsel und in Folge dessen die Erwärmung des Körpers richten sich, wie bei der Maschine, nach der Arbeit, die der Körper leistet. Bei großen Anstrengungen wird auch diese Erwärmung außergewöhnlich groß. Der Körper wird erhitzt und gebraucht zum Ersatz wieder mehr Nahrungsmittel als ohne die Arbeit. Daher steht das Bedürfniß nach Nahrungsmitteln, vulgo Appetit, im Verhältniß mit der körperlichen Arbeit. Werden dem Körper keine neuen Nahrungsmittel zugeführt, so nimmt seine Arbeitsfähigkeit immer mehr ab, bis sie schließlich mit der Wärme zugleich aufhört. Also die Wärme ermöglicht uns unsere Bewegungen.

Welcher Art sind nun die Nahrungsmittel, die, wie wir eben gesehen, in uns die thierische Wärme hervorbringen? – Sie rühren von Pflanzen oder Thieren her. Da Letztere sich aber auch wieder von Pflanzen nährten, so ist das Pflanzenreich ausschließlich der eigentliche Urquell unserer Nahrungsstoffe. Die Erfahrung lehrt uns nun, daß keine Pflanze ohne Sonnenlicht und Sonnenwärme gedeihen kann. Unter dem Einfluß der Sonne vollzieht die Pflanze den Proceß der Reduction der in der Luft enthaltenen Kohlensäure, das heißt sie zersetzt einen durch Verbrennung entstandenen Körper in seine Urstoffe und macht diese dadurch fähig, nochmals zu brennen, um Wärme hervorzubringen. Wir können also jede Pflanze als ein Magazin ansehen, in dem die Sonne Theilchen von ihrer Wärme in greifbarer Form aufgespeichert hat, die durch Verbrennung jederzeit wieder entfesselt und als Wärme von unseren Sinnen wahrgenommen werden können. So läßt sich jede Wärme-Erzeugung, auch die unseres Körpers, mittelbar auf die Sonne zurückführen.

Also was bewegt uns? – Antwort: Der Sonne Alles belebender Strahl.

Fr. G. in Hamm.