Abendlied (Matthias Claudius)

Textdaten
Autor: Matthias Claudius
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Titel: Abendlied
Untertitel:
aus: ASMUS omnia sua SECUM portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen. 4. Theil. S. 57–58
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: Selbstverlag
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Erscheinungsort: Wandsbeck
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Abendlied.


Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
     Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,

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Und aus den Wiesen steiget

     Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
     So traulich und so hold!

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Als eine stille Kammer,

Wo ihr des Tages Jammer
     Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? —
Er ist nur halb zu sehen,

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     Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
     Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder

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Sind eitel arme Sünder,

     Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinnste,
Und suchen viele Künste,
     Und kommen weiter von dem Ziel.

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Gott, laß uns dein Heil schauen,

Auf nichts Vergänglichs trauen,
     Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden

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     Wie Kinder fromm und fröhlich seyn!


Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
     Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,

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Laß uns im Himmel kommen,

     Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
     Kalt ist der Abendhauch.

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Verschon’ uns, Gott! mit Strafen,

Und laß uns ruhig schlafen!
     Und unsern kranken Nachbar auch!