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Titel: Um die Erde auf einem Zweirad
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 99
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[99] Um die Erde auf dem Zweirad. Eine Reise um die Erde ist heute keine Seltenheit mehr. Leute, die Geld und Zeit in Ueberfluß haben, pflegen sie zur Zerstreuung zu unternehmen. Man kann auch auf den großen Dampfern und den Blitzzügen, welche Amerika und Europa durcheilen, ganz bequem reisen. Um eine solche Fahrt handelt es sich in dem Werke, das uns vorliegt, nicht; in dem zweibändigen mit vielen Illustrationen geschmückten Buche „Um die Erde auf dem Zweirad“, das bei Ferdinand Hirt und Sohn in Leipzig erschienen ist, wird uns nach dem englischen Original die seltsame Fahrt geschildert, welche der Amerikaner Thomas Stevens vor einigen Jahren gemacht hat. Er war am 22. April 1884 von San Francisko aufgebrochen und kam am 17. Dezember 1886 in Yokohama an, wo er sich nach Amerika einschiffte. Die Wegstrecke, die er dabei thatsächlich auf dem Stahlrad zurückgelegt hat, wird auf etwa 21600 Kilometer geschätzt. Diese gewiß an und für sich außerordentliche Leistung wird noch durch die Gefahren erhöht, denen der kühne „Reiter“ ausgesetzt war und die er glücklich zu überwinden wußte. Die Reise quer durch die Vereinigten Staaten und der Ritt durch Europa bis nach Konstantinopel sind im großen und ganzen als eine rein touristische Leistung zu betrachten. Als ein Bravourstück ist aber der weitere Ritt anzusehen. Durch Kleinasien und Persien ist Stevens bis zu den Grenzen von Afghanistan vorgedrungen, mußte jedoch hier umkehren und kam über den Suezkanal nach Karatschi, von wo er seinen „Ritt“ quer durch Indien bis Kalkutta unternahm. China bereiste er in einem weiten Bogen auf der Strecke von Kanton bis Shanghai. Das Staunen, mit welchem der Anblick des Stahlrosses die Völker des Orients erfüllte, und die Bewunderung, die man dem merkwürdigen Reiter zollte, waren die besten Bundesgenossen Stevens’. Trotzdem schwebte er oft in Lebensgefahr und sein amerikanischer Helm schützte seinen Kopf vor wuchtigen Hieben, die gegen ihn geführt wurden.

Stevens zeichnet sich aber auch durch eine gute Beobachtungsgabe aus und seine Reisebeschreibung gewinnt dadurch einen höheren Werth. Wir erhalten in dem Werke nicht allein die Schilderung eines Bravourstückchens, wie es bis jetzt von keinem anderen Touristen oder Radfahrer ausgeführt wurde, sondern auch eine Fülle belehrender, den Blick erweiternder Notizen. Völker und Länder gleiten kaleidoskopisch an uns vorüber und zwar in einer Beleuchtung, wie sie noch von keinem anderen Reisenden gegeben werden konnte. Darum fand das Werk nicht allein in Radfahrerkreisen lebhaften Beifall, in gewissem Sinne ist es auch eine Schrift, welche die reifere Jugend mit Nutzen lesen kann.