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Textdaten
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Autor: Christoph Johann Heinrich Gravenhorst
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Titel: Skizzen aus dem Imkerleben
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 476–479
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Skizzen aus dem Imkerleben.

Von C. J. H. Gravenhorst. Mit Illustrationen von A. Kiekebusch.

Wer die Entwicklung der deutschen Bienenwirtschaft aufmerksam verfolgt hat, wird einen ganz bedeutenden Aufschwung in ihr wahrgenommen haben. Sie beginnt nicht nur wieder, wie vor dem Dreißigjährigen Kriege, gewaltige Massen an Honig und Wachs auf den Markt zu werfen, sondern sie hat es auch erreicht, den Honig in viel besserer Güte zu produzieren, als es früher der Fall war. Das bewirkten die bedeutsamen Erfindungen auf dem Gebiete der bienenwirtschaftlichen Hilfsmittel wie die hiernach sich gestaltenden fortwährend verbesserten Betriebsweisen. Kein Wunder, wenn die Bienenzucht jetzt mehr und mehr wieder zu einem Gewerbe sich emporhebt, das seinen Mann ernährt oder als reichlich lohnende Nebenbeschäftigung behaglichen Wohlstand, mindestens willkommenen Zuschuß zu den sonstigen Einnahmen bei geringem Anlagekapital und Zeitaufwand gewährt.

In der alten Zeit benutzte man hohle Baumstämme, Klotzbauten als Bienenwohnungen, weil sie eine gute Beute an Honig und Wachs ergaben, in manchen Gegenden Deutschlands in ausgiebigster Weise, besonders in waldreichen Gegenden. Nicht allein, daß man hohle Bäume, in welchen sich wilde Bienenschwärme eingenistet hatten, oberhalb und unterhalb des Sitzes der Bienen absägte, mit Fluglöchern für die Bienen, mit Dächern und Thüren versah und beim Hause aufstellte, nein, auch lebende Bäume in den Wäldern wurden künstlich ausgehöhlt und mit Bienen besetzt. Meistens waren diese künstlichen Aushöhlungen so hoch in zweiglosen Baumstämmen angebracht, daß erst eine beträchtlich lange Leiter angesetzt werden mußte, um zeideln, d.h. um Honig ausschneiden zu können. Aber diese Einrichtung war zweckmäßig, Diebstahl zu verhüten. Im 12., 13., 14. und 15. Jahrhundert stand in Deutschland diese Art Bienenzucht in hoher Blüte. Berühmt waren durch sie die großen Reichswaldungen bei Nürnberg, die man den „Reichsbienengarten“ nannte. Hier bildeten die Imker sogenannte Zeidlergesellschaften, die sich vieler Vorrechte und Privilegien zu erfreuen hatten. Vielleicht noch günstiger waren die bienenwirtschaftlichen Verhältnisse in der so oft als des Deutschen Reiches Streusandbüchse verschrieenen Mark. Gab es hier doch zum Teil Kreise, in welchen man 5000 bis 7000 Bienenvölker in künstlich ausgehöhlten Baumstämmen der Wälder oder in abgeschnittenen Baumstümpfen wie unsere nebenstehende Illustration sie darstellt, in den Hausgärten aufgestellt hatte. Heute begegnen wir diesen alten Bienenwohnungen nur noch vereinzelt, in manchen Gegenden Deutschlands als Ueberbleibsel aus längst verklungenen Zeiten.

Von einer eigentlichen Zucht der Biene konnte ja in diesen alten Klötzen nie die Rede sein, da die Honigernte darin nur vom Zufall abhängig ist. Das ist nicht minder der Fall in den kleinen bauchförmigen Strohkörben hoch über dem hofwärts stehenden Fenster des Schwarzwälder Bauernhauses, wie sie auf unserer Illustration S. 477 zu sehen sind. Trotzdem giebt es dergleichen Bienenstände heute noch gar viele, besonders in Süddeutschland, und sie werfen auch in Gegenden, die für die Biene günstig sind, einen Gewinn ab.

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Alte Bienenzucht in Baumklötzen.

Schon mehr Vertrauen erweckend auf eine tüchtige Honigernte, tritt vor unsern Blick die Wanderbienenjagd des Lüneburger Heidimkers aus der Provinz Hannover (vgl. Illustration auf S. 477). Selbstbewußt, dem sichern Erfolge seiner Bienenkunst vertrauend, welche ihm seine Tonnen mit Honig füllt, hat der Besitzer, sein Pfeifchen dampfend, soeben die Front seiner Heerscharen abgeschritten und wie ein Feldherr mit Kennerblick Musterung gehalten. Er ist, so scheint es, vollkommen zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen seiner Wanderung zu entfernter besserer Weide. Erst mit dem Aufblühen des Buchweizens und der Erica vulgaris eröffnet sich in seiner Heimat eine reiche Honigtracht, während bis dahin seine Bienen kaum so viel Nahrung fanden, um notdürftig ihr Leben zu fristen. Große Massen an Honig würde er verfüttern müssen, bliebe er im Frühling daheim. Da macht er sich denn schon im März auf die Reise mit seinen Bienen nach Gegenden, wo im Frühjahre die Honigquellen reichlich fließen, stellt hier seine Völker aus und läßt sie schwärmen, d. h. sich verdrei- und vervierfachen und neuen Bau ausführen. Anfang Juli, wo der frühe Buchweizen zu blühen beginnt, kehrt er wieder heim. Die von ihm benutzte Bienenwohnung, der sogenannte Lüneburger Stülpkorb, ist gleichfalls uralt, gilt aber noch heute allgemein als eine ganz vorzügliche Bienenwohnung, da in ihr die Bienen gut gedeihen und sich ziemlich leicht behandeln lassen. Der Stülpkorb bahnte einst einen wahrhaft rationellen Bienenzuchtbetrieb an und ist noch heute in vielen Tausenden von Exemplaren im Gebrauch. Nach dem Dreißigjährigen Kriege waren es besonders die Heidimker, die als Hauptlieferanten von Honig und Wachs in Deutschland auftraten. Noch heute können sie in ausgezeichneten Jahren z. B. von 50 Völkern, die sie auf 150 vermehren, über 1500 Kilo Honig neben etwa 25 Kilo Wachs ernten; aber ihr Erzeugnis ist nicht so schön und darum auch nicht so gesucht wie der Honig, der von den heutigen modernen Imkern geerntet wird. Während die Heidimker das Pfund Honig mit 40 bis 50 Pfennig bezahlt erhalten, verkaufen die modernen Imker das Pfund zu 80 Pfennig bis 1 Mark und darüber. Diese ersteren sind eben nicht imstande, gerade den gesuchtesten, den schönsten Honig – den Frühjahrs- und Sommerhonig, zu gewinnen, dagegen aber massenweise den Buchweizen- und den Heidhonig aus der Erica vulgaris. Diese beiden Honigsorten stehen ohne Zweifel hinsichtlich ihrer die Gesundheit fördernden und anderen guten Eigenschaften dem Honige der modernen Imker nicht nach, wohl aber hinsichtlich des Aroms, der Farbe, des Geschmacks und der äußersten Reinheit von jeglichen Beimischungen, wie Blütenstaub und Wachsteilchen. Dazu kommt noch, daß sich beide Honigsorten in Gläsern nie so anlockend dem Liebhaber und Käufer gegenüber präsentieren. Daran ändert der so vortreffliche Betrieb der Heidimker ebensowenig wie ihre sonst ausgezeichneten Bienenwohnungen. Sie können sich eben der großen [477] Hilfsmittel der modernen Imkerei nicht bedienen. Das giebt sich sogar schon äußerlich zu erkennen, denn die Bienenstände der Neuzeit schauen der Hauptsache nach anders aus als die bisher vorgeführten.

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Bienenzucht im Schwarzwald.

Sehen wir uns nun einmal einen solchen an, z.B. den eines deutschen Berufsimkers (S. 478), der lediglich von den Erträgen seiner Zucht lebt. Er hat vielleicht, wie das so häufig der Fall ist, vor Jahren mit den vom Vater ererbten Strohstülpern angefangen zu imkern und ist dann zum neuen Betriebe in modernen Bienenwohnungen übergegangen. Dabei hat er alles versucht, wovon er sich für seine Zucht Erfolg versprach, und das Bewährte beibehalten. So finden wir die besten Bienenwohnungen der Gegenwart auf seinem Stande in eleganten Pavillons, in hübsch zusammengestellten Kastenstapeln und neuen und alten Bienenhäusern vertreten. Auch der alte Erbstülper fehlt nicht, da ihn der moderne Imker, wenn auch weniger zur Honiggewinnung, so doch zu Betriebszwecken, sehr gut verwenden kann. Die Mehrzahl der deutschen Berufsimker befaßt sich nämlich nicht ausschließlich mit der Gewinnung von Honig und Wachs, viele fertigen in der Zeit, wo sie mit ihren Bienen so gut wie gar nichts zu thun haben, wie in den Monaten Oktober bis Februar und auch wohl weiter hinaus, Bienenwohnungen und Bienenwirtschaftsgeräte zum Verkauf, handeln mit guten überwinterten Zuchtstöcken und in der Schwarmzeit, im Juni, mit Bienenschwärmen, die gerade reichlich von den runden Strohstülpern erfolgen.

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Wanderbienenstand in der Lüneburger Heide.

Betreten wir einen so großen Bienenstand, wie den auf unserer Illustration dargestellten, zu einer Zeit, wo die Nektarquellen der Blüten reichlich fließen, so müssen wir uns über die ungemeine Regsamkeit der kleinen Honigvögel wundern. Rastlos, mit fröhlichem Gesumme, ein Bild regsten Fleißes, arbeiten sie auf solch einem Musterstande. In Gärten, Wiesen, Feld und Wald haben sich Millionen von Blütenkelchen geöffnet, die fortwährend von den Bienen besucht werden. Schwer beladen kehren sie mit dem kostbaren Nektar, der ohne sie nutzlos verkommen müßte, in ihre Behausungen heim. Und wie dankbar sind sie für die süße, gespendete Gabe, indem sie bei ihren Besuchen die Blüten durch die Uebertragung des Blütenstaubes befruchten. Sie bewirken dadurch eine bessere Frucht- und Samenernte, ja bei einzelnen Gewächsen sind sie es allein, welche die Befruchtung der Blüten bewerkstelligen. Zu dieser Zeit hat der moderne Imker erst recht alle Hände voll zu thun. Dabei ist er aber insofern in großem Vorteil gegen den Imker alter Schule, als er sich die drei bedeutendsten Hilfsmittel der neueren Bienenzucht zu nutze machen kann. Als erstes unter ihnen ist die Wohnung mit beweglichem Bienenbau zu nennen, der der Imker, ohne Bienen und Bau zu schädigen, zu jeder Zeit die Wachstafeln entnehmen und wieder einfügen kann; das zweite Hilfsmittel ist die sogenannte Honigschleuder, eine Centrifugalmaschine, welche den Honig aus den Wachszellen schleudert, und das dritte die Kunstwabe, d. h. der künstlich hergestellte Bienenbau.

So sehen wir denn auch den Imker auf unserer Illustration S. 478 gar emsig damit beschäftigt, wie er honiggefüllte Rähmchen, die er soeben den Bienenstöcken entnommen hat, in die Honigschleuder schiebt. Ein paar Umdrehungen der Kurbel derselben genügen, den Honig auszuwerfen, der nun so rein und klar, wie er aus den Blüten gekommen ist, ohne irgend welche Beimischungen von Blumenmehl und Wachsteilchen, in ein untergesetztes Honiggefäß fließt. Das Wachswerk bleibt in den Rähmchen unbeschädigt und wandert mit diesen entweder nach zwei- oder mehrmaligem Ausschleudern in die Bienenstöcke zurück oder am Ende der Saison zum Gebrauche für nächstes Jahr in den Wabenschrank. Wir sehen den letzteren oberhalb der Honigschleuder neben dem langen Gazebeutel, der zum Auffangen der Schwärme dient, offen stehen und wohl gefüllt. Nicht selten schleudert der Imker der neuen Schule einem einzigen Bienenvolke 5 bis 20, ja in Ausnahmefällen wohl gar 50 Kilo Honig aus. So leicht wird ihm jedoch die Honiggewinnung aus dem im Vordergrunde offen stehenden runden Lüneburger Stülper nicht. Da hat er, wie der Heidimker, erst die Bienen zu töten, die honiggefüllten Wachswaben stückweise loszubrechen, zu zerquetschen und den Honig auszupressen.

Das ganze Wachsgebäude wird vernichtet und muß bei einer Neubevölkerung des Korbes mit Bienen von diesen selbst neu gebaut werden. Das gestaltet sich alles ganz anders und vorteilhafter bei den Stöcken mit dem beweglichen Bau. Unter Benutzung der Vorräte seines Wabenschrankes, der leeren Wachswaben, füllt unser Imker seine Stöcke, sobald die Bienen anfangen, fleißig Honig einzutragen. Diese ersparen dabei die Zeit, die das Bauen der neuen Zellen erfordert. Viel Honig wird aber auch dabei verbaut. Denn um ein Pfund Wachs zu schwitzen, verbrauchen die Bienen 6 bis 20 Pfund Honig. Der leere Wachsbau ist daher von höchstem Werte. Diese Erfahrung hat zur Erfindung der sogenannten Kunstwabe geführt, d. h. zu künstlich hergestelltem Bienenbau aus Wachs. Man erfand Guß- und Preßmaschinen zu dem Zwecke. Mit den ersteren, z.B. der Rietscheschen Gußform, kann sich jeder seine Kunstwaben selbst anfertigen. Die Preßmaschinen, sogenannte Walzwerke, werden von den Kunstwaben-Fabrikanten zur Massenanfertigung der Kunstwaben benutzt, denn der Verbrauch der letzteren ist ganz außerordentlich groß. Einer [478] unserer bedeutendsten Kunstwabenfabrikanten, Otto Schulz in Bukow, der sich hohe Verdienste durch seine Erfindungen und Verbesserungen der Maschinen sowie durch Vervollkommnung der künstlichen Wachswaben erworben hat, verarbeitet in einem Jahre über 9000 Kilo Wachs. Vermittelst einer wahrhaft genialen Erfindung, die er vor ein paar Jahren gemacht hat, fertigt er endlose dünne Wachsblätter, die sich von einer Rolle abwickeln und durch ein Walzwerk laufen, das die Anfänge der Bienenzellen wie der Zellenböden in das Wachsblatt prägt. Die nunmehr soweit fertige Kunstwabe wickelt sich hierauf wieder auf eine zweite Rolle (siehe Illustration auf S. 479), von dieser wird sie abgenommen, dann zurechtgeschnitten und in Rähmchen gelötet, um nun in die Bienenstöcke zu wandern.

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Bienenstand eines Berufsimkers.

Die Kunstwaben, die Honigschleuder und die Bienenwohnung mit beweglichem Bau bieten dem Imker außer den erwähnten noch andere Vorteile. Wer sich darüber näher unterrichten will, den verweisen wir auf das soeben bei C. A. Schwetschke u. Sohn in Braunschweig in 5. Auflage erschienene Lehrbuch der Bienenzucht, „Der praktische Imker“ von Gravenhorst. Hier sollen nur noch einige Bemerkungen über die Regsamkeit auf bienenwirtschaftlichem Gebiete folgen.

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Das Honigschleudern.

Viele Hunderte von Bienenzüchternvereinen sind bis in die fernsten Winkel des Deutschen Reiches verbreitet, welche sich teils als Centralvereine, teils als Landesvereine deutscher Staaten, wie z. B. in Bayern und Württemberg, zusammengeschlossen haben. Der große Deutsche Centralverein zählt 30000 bis 40000 Mitglieder; er hält alle zwei Jahre eine Wanderversammlung ab, welche mit einer Ausstellung von lebenden Bienenvölkern, Bienenwohnungen, Imkergeräten und hauptsächlich Bienenwirtschaftsprodukten, Honig und Wachs, verbunden ist. Ein reges Leben herrscht auch in den einzelnen Spezialvereinen, die teils wöchentlich, teils monatlich zu gegenseitiger Belehrung zusammenkommen und jährlich eine Hauptausstellung veranstalten. Ohne in Verbindung mit den einzelnen Vereinen zu stehen, tagt alljährlich die große Deutsch-österreichisch-ungarische Wanderversammlung der Bienenzüchter, auf der jeder Bienenzüchter als Gast willkommen ist. Sie wird abwechselnd in Deutschland und Oesterreich abgehalten; Ende August 1897 wird sie in Wiesbaden stattfinden. Eine große Anzahl von Fachblättern trägt fortwährend Belehrung und Aufklärung in Wort und Bild unter die Menge. Dazu kommt noch, daß hervorragende Imker jährlich eine Anzahl Kurse abhalten, in welchen auf den Bienenständen Anfänger theoretisch und praktisch unterrichtet werden.

Recht segensreich für die Ausbreitung der Bienenzucht haben sich die seit einigen Jahren gegründeten Imkerschulen [479] in Eberbach am Neckar und in Cystrup in der Provinz Hannover erwiesen. Die erstere, welche unter der bewährten Leitung des Lehrers und Imkermeisters Roth steht, wurde am 21. Mai 1891 eröffnet. Dieselbe erfreut sich ganz besonders der Förderung durch die Großherzogin von Baden, welche die Anstalt mit ihrem Gefolge besucht und in Augenschein genommen hat. Von 233 Bewerbungen um Aufnahme in diese Schule wurden 54 Männer und 22 Frauen bis 1895 zugelassen. Das Großherzogliche Ministerium des Innern bewilligte an sämtliche Schüler bezw. Schülerinnen, welche um eine Unterstützung eingekommen waren, Reisekosten und eine Tagesgebühr von 1 Mark 50 Pf bis 2 Mark 10 Pf. Nach Beendigung eines Kursus, deren mehrere in einem Sommer abgehalten werden, findet eine Prüfung statt. Ein Kursus dauert 10 Tage bei sieben- bis achtstündiger Arbeit im Schulraume oder auf dem Bienenstande.

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Herstellung von Kunstwaben.

Die Imkerschule in Cystrup, welche von dem Imkermeister Rudolf Dathe trefflich geleitet wird, ist in ähnlicher Weise wie die in Eberbach eingerichtet. Sie erfreut sich wie diese der kräftigsten Unterstützung der Regierung und zugleich des Hannoverschen Centralvereines für Bienenzucht. Auch sie wird sehr fleißig besucht. So ist denn allein durch diese Imkerschulen eine ganze Reihe von Männern und Frauen seitdem zu tüchtigen Imkern und Imkerinnen herangebildet worden, die schon mehr und mehr dafür sorgen werden, daß auch die primitiven Bienenstände nach und nach in moderne und gut rentierende umgewandelt werden. Und wie in Baden und Hannover sorgt man überall in Deutschland für Verbreitung der modernen Bienenzucht. Das kann und muß jeden, der sich überhaupt für Volkswohlfahrt nur halbwegs interessiert, vom Grunde des Herzens freuen, zumal wenn er bedenkt, daß alljährlich noch Millionen von Mark für die Bienenprodukte in das Ausland gehen, während noch riesige Massen des schönsten Nektars, viele Millionen von Wert, aus Mangel an den erforderlichen Bienenvölkern, in den Blüten deutscher Flora nutzlos verkommen müssen.