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welcher mit dem Privileg vom 8. Dezember im Widerspruch stand, und schon am folgenden Tage widerrief der Kaiser durch eine feierliche Urkunde die ganze Privilegienbestätigung vom 8. Dezember, weil sie dem Rechte des Erzbischofs schädlich sei.[1] Da nun am 7. Januar, wie wir später sehen werden, der c. I–XIX umfassende Teil der Goldenen Bulle bereits in Reinschrift vorlag, so ist es als sicher anzusehen, daß c. XIII schon vor dem Widerruf beraten und beschlossen war. Daß aber unter diesen Umständen die Kölner Privilegiensache den Antrieb für die Abfassung des c. XIII gab, ist an sich schon sehr wahrscheinlich. Zur vollen Gewißheit erhoben wird diese Annahme durch die Vergleichung einzelner Bestimmungen des Privilegs vom 8. Dezember mit solchen des c. XIII, wobei sich zum Teil eine wörtliche Übereinstimmung ergibt, die uns berechtigt, in dem Privileg gradezu eine Vorlage unseres Kapitels zu erblicken.

In dem Privileg vom 8. Dezember hatte der Kaiser den Kölnern die Zusicherung gegeben, daß den ihnen darin erteilten Rechten keine andern Privilegien, Rechte und Freiheiten entgegenstehen sollten, weder seither anerkannte noch künftig zu erteilende, und daß ein Widerruf ihrer Privilegien durch den Kaiser oder seine Nachfolger nur dann Kraft haben solle, wenn die widerrufenen Bestimmungen unter ausdrücklicher Nennung der Stadt Köln von Wort zu Wort in den Widerruf aufgenommen würden. Es mag hier der Wortlaut der betreffenden Stelle folgen:

... et[2] volumus de nostra imperiali maiestate, quod in omnibus et singulis predictis et infrascriptis non obsistant quoquomodo statuta locorum generalia et particularia, facta et facienda, et consuetudines quecunque qualitercunque in contrarium vel aliter introducte et introducende, necnon privilegia, gracie et concessiones a nobis vel predecessoribus nostris imperatoribus et regibus Romanorum aut a quocunque alio data et concessa ac date et concesse, aut imposterum a nobis aut successoribus nostris imperatoribus vel regibus Romanorum danda et concedenda, dande et concedende, que et quas quoad hanc nostram imperialem libertatem

nullum volumus robur penitus obtinere, nisi huiusmodi a


  1. Böhmer-Huber Nr. 2373, Lacomblet III, Nr. 551, S. 460.
  2. Lacomblet III, Nr. 547, S. 456.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/87&oldid=3413150 (Version vom 1.8.2018)