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wir wohl das Vorbild für unsere Bestimmung zu erblicken haben. Sie handelt von der Wahl eines Dekans. Wenn bei einer solchen auf eine Kommission von sieben Wählern kompromittiert ist, und drei von diesen sieben einen vierten aus ihrer Mitte, die drei übrigen einen Außenstehenden wählen, so soll ersterer als gewählt gelten, wenn er seine Zustimmung dazu gibt und so die Majorität herstellt.[1] Die kirchliche Bestimmung vermied die eigentliche Selbstwahl; bei der Herstellung einer analogen Bestimmung für die Königswahl konnte man die Abgabe der eigenen Stimme wohl nicht umgehen.

Wie in der kanonischen Vorlage handelt es sich auch in der Goldenen Bulle um einen aus sieben Mitgliedern bestehenden Wahlkörper, dessen zu einer gültigen Wahl nötige Majorität aus mindestens vier Stimmen besteht. Ist der Zweck der Bestimmung, das Zustandekommen einer Majoritätswahl für einen gewissen Fall zu erleichtern, so legt sie für uns zugleich vollgültiges Zeugnis dafür ab, daß der Gesetzgeber an dem älteren Reichsrechte, nach welchem die Mehrheit der Kurfürsten, d. h. also vier derselben, zu einer rechtmäßigen Wahl erforderlich waren, festhielt. Denn darüber kann kein Zweifel sein, daß seit dem Auftreten des Majoritätsprinzips in bezug auf das Kurfürstenkollegium stets die Mehrheit dieses gesamten Kollegiums als diejenige Majorität galt, welche für dessen Beschlüsse, besonders aber für eine rechtsgültige Wahl gefordert wurde. Das zeigen schon alle die Stellen, welche die maior pars principum electorum schlechtweg nennen und eine Deutung auf eine Majorität der an einem Beschlusse beteiligten Kurfürsten kaum

zulassen.[2] Einzelne Zeugnisse aber betonen ganz ausdrücklich,


  1. c. 33. X. de elect. I, 6: Unde cum unus ex illis septem a tribus ipsorum et alius, qui non erat de numero eorundem, a tribus aliis in decanum fuerint nominati, requisisti, uter eorum assumi debeat in decanum? Super quo taliter respondemus, quod is, qui de numero septem a tribus eorum dignoscitur nominatus, iuxta compromissi tenorem debet in decanum assumi, dummodo electioni de se factae consentiat et aliquod canonicum non obsistat.
  2. MG. Const. III, Nr. 121, S. 115: ... quousque Romano imperio de principe sit provisum per eos vel maiorem partem eorum, ad quos provisio huiusmodi noscitur pertinere (1276-81) ...; ebenda Nr. 284, S. 290: sentenciatum exstitit ..., quod omnia donata .... nullius habere debeant roboris firmitatem, nisi consensu maioris partis principum in electione Romani regis vocem habencium fuerint approbata (1281). Vgl. auch ebenda Nr. 656, S. 647. Ferner Renser Weistum vom 16. Juli 1338 (Zeumer, Quellensammlung I, Nr. 126 b, S. 155): postquam aliquis a principibus electoribus imperii vel a maiori parte numero eorundem principum etiam in discordia pro rege Romanorum est electus ... und Ludwigs Gesetz Licet iuris (Neues Archiv Bd. 30, S. 486): postquam aliquis eligitur in imperatorem ... ab electoribus imperii concorditer vel a maiori parte eorundem ...
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/37&oldid=3413045 (Version vom 1.8.2018)