Hauptmenü öffnen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Ses sint der heubt, den sin erleubt
Die kur mit grossen eren.
Ein kunyng von Behem ist oberman. Die selbig kron
Lyt schwerlich krang. Hoirt myn gesang
Und myne swache lere.
Dry geistlich sint, ich wol befind
Dry werenclich, den doch daz rich
Ist mechtenclich befollen. – –
Trier, Mentz, Cullen, das sint die dri.
Ein furste uß Sassen landen,
Paltz, Brandenberg sint ouch daby.
Es stet in yren handen
Daz Römsch rich geweldenclich
Eynen kunyg darin zu setzen.
Abe si da ynne eyn tweidracht han, so ist oberman
Ein kunyng genant uß Behemer lant,
Den nymant mach geletzen.

Ferner kommt hier in Betracht der Libellus de caesarea monarchia, den der Baseler Professor Peter von Andlau im Jahre 1460 verfaßte. Hier heißt es, nachdem bis dahin die Königswahl ganz nach der Goldenen Bulle dargestellt ist, abweichend von derselben, Buch II, Titel II: De conswetudine tamen rex Bohemie ad eleccionem non vocator, nisi cum vota aliorum sunt equalia numero, et sic hodie practicatur. Quod verum, dummodo persistat in unione sancte matris ecclesie; alioquin si duo electi paria vota haberent, ad papam recurrendum esset, qui unum ex illis, quem vellet, eligere posset, et dicit glo. in c. ad apostolice, de re judi. libro VIo, quod illud ius non habuit rex Bohemie ab antiquo.

Diese Stelle, welche sich unmittelbar an die aus der Goldenen Bulle c. IV, § 2 wiederholte Abstimmungsordnung anschließt, berichtet also zunächst über eine Gewohnheit, nach welcher der König von Böhmen nur im Falle einer zwiespältigen Wahl, bei der die übrigen Stimmen gleich verteilt sind, als Obmann berufen werden soll. Darauf folgt das durch den Druck hervorgehobene Zeugnis, daß dies zurzeit wirklich so gehalten werde, woran sich dann die weitere Beschränkung des böhmischen Wahlrechts auf rechtgläubige Könige anschließt.

Sehen wir von dem hervorgehobenen Satze ab, so beruht der erste Satz jedenfalls hauptsächlich auf der gleich darauf ausdrücklich angeführten Glosse des Johannes Andreä. Der folgende Satz aber erklärt sich aus den Zeitverhältnissen, unter denen Peter im Jahre 1460 schrieb. Im Besitz der böhmischen Krone war seit 1458 Georg Podiebrad, ein Ketzer, und ein solcher mußte nach den im Reiche herrschenden Anschauungen von jeder Teilnahme an der Königswahl, zumal von einer so wichtigen Funktion, ausgeschlossen werden. Wie aber erklären sich die Worte: et sic hodie practicatur? Einer älteren Vorlage können sie natürlich nicht entnommen sein. Andererseits können sie auch nicht im Jahre 1460 geschrieben sein;

Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 253. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/271&oldid=3412939 (Version vom 1.8.2018)