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Exkurs I.
Das Schwertträgeramt bis zur Goldenen Bulle.

Waitz hat festgestellt, daß bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts und noch in der nächstfolgenden Zeit eine feste Verbindung des Schwertträgeramtes mit dem Marschallamte nicht bestanden hat.[1] Das Tragen des Reichsschwertes auf Hoftagen wurde in jedem Falle besonders einem der Fürsten aufgetragen. Dabei scheinen oft solche dazu gewählt worden zu sein, welche eben erst dem Könige gehuldigt hatten. Es scheint das Schwerttragen als hohe Ehre stark begehrt gewesen zu sein. Wenigstens erzählt Giselbert in seiner Chronik, daß auf dem berühmten Reichstage zu Mainz Pfingsten 1184 die mächtigsten Reichsfürsten dieses Amt für sich beansprucht hätten.[2] Vielleicht aber hat hier der Chronist die Darstellung zur größeren Ehre des Grafen von Hennegau, der als Sieger aus dem angeblichen Wettbewerb hervorging, etwas gefärbt. Bei dieser Sachlage kommt wohl kaum in Betracht, daß unter den Bewerbern auch der Marschall des Reichs, der Herzog von Sachsen, genannt wird. Tatsächlich geübt hat dann derselbe Herzog Bernhard von Sachsen das Schwertträgeramt auf dem besonders durch Walthers von der Vogelweide Gedicht berühmt gewordenem Hoftage

zu Magdeburg zu Weihnachten 1199.[3] Vielleicht ist dies der Präzedenzfall,


  1. S. Deutsche Verfassungsgeschichte VI2, S. 335 und besonders Forschungen z. D. Gesch. Bd. 13, S. 216.
  2. SS. XXI, S. 538 (Handausgabe S. 142 f.): Die autem sancto pentecostes ipse dominus Fredricus Romnaorum imperator et eius uxor imperatrix cum magna et debita sollempnitate imperiales gestaverunt coronas ... Cum autem in coronamento illo principes potentissimi gestamentum gladii imperialis de iure reclamarent, scilicet dux Boemie, qui in curia cum duobus militum milibus, et dux Austrie Lupoldus, miles probus et largus, cum 500 militibus, et Bernardus dux novus Saxonie factus cum 700 militibus, et Conrardus comes palatinus Reni, ipsius imperatoris frater, cum mille et pluribus militibus, et langravius Duringie, vir strenuus, imperatoris nepos, qui cum mille aut pluribus militibus erat, dominus imperator gladium illum comiti Hanoniensi commisit gestandum. Cui nemo contradixit, cum ipse vir magni nominis ubique terrarum esset, et in curia novus videretur, et in eadem curia principes multos haberet consanguineos prepotentes cum aliis nobilibus.
  3. S. Gesta episcoporum Halberst., SS. XXIII, S. 113: Bernardus autem dux Saxonie, qui et ensem regium preferebat ... Vgl. Reg. imp. V, 1, Nr. 32a.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 239. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/257&oldid=3412923 (Version vom 1.8.2018)