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Der Gesetzgeber hat sein Hauptthema, die Schaffung einer Wahlordnung zum Zweck der Sicherung einhelliger und unzweifelhafter Königswahlen, so abgegrenzt, daß eine Notwendigkeit des Eingehens auf die Approbationsfrage nicht vorlag, ja kaum auch nur ein näher liegender Anlaß dazu sich darbot. Soviel aber ist zuzugeben, daß es auffällig ist, daß der Kaiser sein Thema gerade so und nicht anders begrenzte. Er, der als Geschöpf der Kurie den deutschen Thron bestieg, als rex Romanorum seu clericorum, wie Wilhelm von Occam höhnte, er, der so vielen demütigenden Bedingungen der Kurie sich hatte unterwerfen müssen, dem namentlich mit den Forderungen bezüglich der Approbation und Konfirmation die Erlangung der deutschen Krone so sehr erschwert wurde, er mußte aller dieser päpstlichen Forderungen gedenken, wenn er daran ging, eine neue Ordnung zu schaffen für die Königswahl. Er konnte nicht vergessen, daß für ihn der Weg zum Throne über Avignon gegangen war, und mußte erwarten, daß die Kurie von seinem Nachfolger verlangen würde, denselben Weg zu gehen. Sollte er die Forderungen der Kurie in dem Gesetze anerkennen oder doch berücksichtigen, oder sollte er sie zurückweisen? Es ist begreiflich, daß Karl sich weder zu dem einen noch zu dem andern entschließen mochte und daher lieber jedem Anlaß, von diesen Dingen zu handeln, vorsichtig aus dem Wege ging. Daher schloß er seine Bestimmungen mit dem Vollzug der Wahl in der Hauptsache ab. Nur zu Gunsten der Privilegienbestätigung für die Kurfürsten wird eine Ausnahme gemacht. Von allen folgenden Handlungen ist nicht die Rede, weder von der Königskrönung, abgesehen von gelegentlicher Erwähnung, noch von der Kaiserkrönung, weder von der Annahme der Wahl durch den Gewählten, noch von den Wahldekreten der Kurfürsten. Damit aber fiel jeder Anlaß fort, auf die heikle Frage der päpstlichen Forderungen einzugehen. Ist sonach ein Schluß ex silentio wohl statthaft, so ist es doch nur der, daß Karl IV. mit seinem Schweigen über den Papst und seine Ansprüche nur das bezweckte, was er in Wirklichkeit tat: er wollte eine Stellungnahme

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Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/212&oldid=3412874 (Version vom 1.8.2018)