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wiederholte der Kaiser in lateinischer Fassung am 6. Oktober[1] gleichzeitig mit der Eventualbelehnung des Herzogs und seines Hauses mit Braunschweig-Lüneburg.[2] Aus der Fülle der von Karl damals in Prag behandelten Reichsangelegenheiten greifen wir nur dieses eine hervorragende Beispiel heraus, welches genügt, um zu zeigen, daß Karl die deutschen Verhältnisse keineswegs über den böhmischen aus den Augen verlor.

Schon im Juli mochte er bei seinem Aufenthalt in Nürnberg, wo er damals die Frauenkirche gründete, den Plan gefaßt haben, in dieser Stadt demnächst einen großen Reichstag abzuhalten. In Prag ist dann dieser Plan zur Reife gediehen, und am 17. September[3] ließ von hier aus der Kaiser die Aufforderung an alle Reichsstände ergehen, sich am Martinstage, dem 11. November, in Nürnberg einzufinden, wo er mit ihnen über Frieden und Wohlfahrt des Reiches beraten wolle. Unmittelbar darauf begann er selbst die Vorbereitungen zu seiner Reise ins Reich, wie wir aus einer Aufforderung, die er am 22. September[4] an die Stadt Eger richtete, ihm zu dieser Fahrt eine gewisse Anzahl Bewaffneter zu Fuß und zu Roß zu stellen, ersehen.

Der Termin aber wurde von ihm selber nicht eingehalten; noch am 10. November finden wir Karl in Prag, am 18. auf der Reise zu Tachau, und erst am Katharinentage, dem 25. November, traf er in Nürnberg ein. Am Tage seiner Ankunft noch ließ der Kaiser die bereits zahlreich versammelten Herren und Städteboten vor sich bescheiden, legte ihnen seine großen gesetzgeberischen Pläne dar, erklärte aber, ohne die drei geistlichen Kurfürsten, deren Eintreffen er etwa binnen 14 Tagen erwartete, die Verhandlungen nicht beginnen zu wollen. Wahrscheinlich schon damals waren in Nürnberg anwesend eine Anzahl Fürsten, die uns in den Zeugenreihen einiger am 29. November ausgestellter Urkunden begegnen. Darunter befinden sich die weltlichen Kurfürsten Pfalzgraf Ruprecht der Ältere, Markgraf

Ludwig der Römer und als Vertreter seines hochbetagten


  1. Urkunden Nr. 10.
  2. Böhmer-Huber Nr. 2263.
  3. Böhmer-Huber Nr. 2244.
  4. Böhmer-Huber Nr. 2249.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 111. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/129&oldid=3412782 (Version vom 1.8.2018)