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Zunächst schreibt c. XXI vor, daß, wenn der Kaiser unter Vortragung der Reichsinsignien aufzieht, der Erzbischof von Trier in gerader Linie vor dem Kaiser einherziehen soll, so daß zwischen dem Kaiser und ihm nur die Kurfürsten, welche die Insignien tragen, ihren Platz finden. Werden die Insignien nicht vorgetragen, so geht der Erzbischof von Trier unmittelbar vor dem Kaiser; die beiden andern geistlichen Kurfürsten aber gehen zur Rechten und Linken des Kaisers, indem derjenige von ihnen den Ehrenplatz zur Rechten einnimmt, welcher nach c. III den Anspruch auf den Sitz zur Rechten des Kaisers hat, also je nach der Kirchenprovinz und dem Archikanzellariat der Mainzer oder der Kölner.

Das folgende Kapitel ordnet die Plätze der weltlichen Kurfürsten, und zwar nur für den, wohl als die Regel angesehenen Fall, daß dem Kaiser die Reichsinsignien vorangetragen werden. Dann sollen die drei weltlichen Kurfürsten, welche die Insignien tragen, in einer Reihe nebeneinander zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Kaiser einhergehen und zwar so, daß der Herzog von Sachsen mit dem Reichsschwert dem Kaiser unmittelbar voranschreitet, während zur Rechten des Herzogs der Pfalzgraf mit dem Reichsapfel, zur Linken der Markgraf von Brandenburg mit dem Zepter ihren Platz finden. Der König von Böhmen soll dem Kaiser unmittelbar folgen. Die Vorantragung aller drei genannten Reichsinsignien: Schwert, Zepter und Reichsapfel wird hier wohl zum ersten Male erwähnt. Wegen des Reichsschwertes verweise ich auf den Exkurs über das Schwertträgeramt. Für das Vorantragen des Reichsapfels konnte ich aus früherer Zeit eine Belegstelle nicht beibringen. Nur einmal wird berichtet, daß bei dem Koblenzer Hoftage (1338 September) der Markgraf von Meißen, zur Rechten des Kaisers sitzend, aus dessen Hand den Reichsapfel zum Halten empfing.[1] Das Recht, das Reichszepter zu halten und zu tragen, verlieh Ludwig der Bayer dem Grafen Wilhelm von Jülich[2] bei dessen Erhebung

zum Markgrafen und Reichsfürsten am 21. August 1336[3],


  1. Flandrische Chronik bei Böhmer, Fontes I, 190.
  2. Hierüber und über das Folgende hat eingehend gehandelt K. Janson, Das Königtum Günthers von Schwarzburg, Leipzig 1880, S. 110 ff.
  3. Lacomblet III, Nr. 307, S. 249: ... eundem Wilhelmum ... in principem et marchionem Iuliacensem ac ipsius comitatum in marchionatum fecimus et facimus ... hac prerogativa specialis honoris omnibus aliis nostris et imperii principibus preferentes, ut videlicet, cum nos vel successores nostros parlamenta sollempnia vel curias publicas habere, ad que vel quas nostros et imperii principes ac fideles alios pro quacumque imperii necessitate vel utilitate duxerimus convocandos, seu cum pro exercendis actibus sollempnibns, puta infeodatione principum vel eorum creatione de novo et aliis consimilibus, indumentis regalibus vel imperialibus indui nos continget, cum successores nostri in Romanos reges electi in oppido Aquisgrani, in civitate Mediolani et in urbe Rome coronari debebunt, ipse vel sui heredes regie vel imperiali maiestati assistere et sceptrum regale vel imperiale pro augustalis culminis obsequio portare debeant et tenere.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/106&oldid=3412758 (Version vom 1.8.2018)