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     Malvina steigt in ihrer Mitt’ hinauf,
Die Wange hold beschämt.
Sie sieht die unbekannten Antlitz’ ihrer Väter
Und kehrt hinweg den nassen Blick.
„Bist du so bald gekommen? ist Fingals Wort,
Tochter des edlen Toscar.
Trauer wohnt nun in den Hallen von Lutha,
Traurig ist mein bejahrter Sohn.“

     Ich höre das Lüftchen von Kona,
Das sonst mit deiner schweren Locke spielte.
Es kommt zur Halle; doch du bist nicht da,
Es rauschet traurig unter den Waffen deiner Väter.
Geh hin, o Lüftchen, mit deiner rauschenden Schwinge,
Und seufze auf Malvinens Grab.
Es hebt sich unter jenen Felsen dort
An Lutha’s blauem Strom.
Die Mädchen sind hinweg an ihren Ort,
Und du allein, o Lüftchen, traurest da.


Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/146&oldid=- (Version vom 1.8.2018)