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Max Horkheimer (Hrsg.): Zeitschrift für Sozialforschung, 1. Jg 1932

Problem nur an seiner Schwelle, an Hand des Wertschemas, das Werte, Mehrwerte und verschiedene Profitraten kennt, behandelt, statt ihre Analyse und Schlußfolgerungen weiter auch auf Grundlage eines Produktionspreisschemas zu erhärten, eines Schemas also? das die regulierenden Kategorien der Produktionspreise, der Konkurrenz und der allgemeinen Profitrate zeigt. Ganz unabhängig da von, ob man sieh fur die Notwendigkeit und Zwangsläufigkeit der Krisen im Kapitalismus ausspricht oder, wie die Neo-Harmoniker es tun, die Möglichkeit eines krisenlosen Verlaufs behauptet, ist es klar,. daß die aus einem Wertschema gezogenen Schlußfolgerungen voreilig und nicht beweiskräftig sind. Wie konnte uns denn auch die Analyse eines Wertschemas über die Notwendigkeit der Proportionalität oder der Disproportionalität des Warenaustausches im Kapitalismus belehren, wenn die im Wertschema so mühsam errechneten Proportionalitatsverhältnisse nachher durch die Tendenz zur Ausgleichung der Profitraten und die dadurch bewirkte Neuverteilung des Mehrwerts notwendig umgeworfen werden! Keiner von den genannten Theoretikern hat die Bedeutung und die Tragweite der Umwandlung der Werte in die Produktionspreise für die Krisenproblematik erkannt und auch nur mit einem einzigen Worte erwähnt, geschweige denn behandelt[1].

Die bürgerliche Ökonomie hat die „praktische Tatsache" (Kapital, III 1, S. 149) der gleichen Profitrate seit Ricardo und Malthus gesehen.

Empfohlene Zitierweise:
Max Horkheimer (Hrsg.): Zeitschrift für Sozialforschung, 1. Jg 1932. C. L. Hirschfeld, Leipzig 1932, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_f%C3%BCr_Sozialforschung_Jahrgang_1.pdf/104&oldid=- (Version vom 12.5.2022)
  1. Dies gilt auch von J. J.Rubin, der in seinem Buch ,,Skizzen zur Marxschen Werttheorie" (4. Auf I. Moskau 1929, russisch) zwar feststellt: „Die Theorie des Arbeitswertes und der Produktionspreise repräsentieren nicht Theorien für zwei verschiedene Wirtschaftstypen, sondern die Theorie ein- und derselben kapitalistischen Wirtschaft auf zwei Stufen wissenschaftlicher Abstraktion" (S. 217); dennoch behandelt er aber weder eingehender die Frage der Umwandlung der Werte in Produktionspreise, noch die sich daraus für die Krisenproblematik ergebenden Konsequenzen, obwohl nach R. die Produktionspreise eine konkretere Abstraktionsstufe als die Werte zu repräsentieren scheinen. – Dasselbe gilt auch von zahlreichen anderen Autoren wie K. Diehl (Über das Verhältnis von Wert und Preis im ökonomischen System von Karl Marx, Jena 1898), Tugan-Baranowsky (Theoretische Grundlagen des Marxismus, Leipzig 1905, bes. S. 174 ff.), v. Bortkiewicz (,,Wertrechnung und Preisrechnung", Archiv f. Sozialwiss. 1907 und „Zur Berichtigung der grund- legenden theoretischen Konstruktion von Marx im III. Band des „Kapital“ in Conrads Jahrb. für Nationalök., 1907) und in neuester Zeit Hans Zeisl („Ein Einwand gegen die Marxsche Wertlehre", Der Kampf, Wien 1930) und Emil Walter („ Liquidation der Arbeitswertlehre ?“, ebenda). Sie alle stellen zwar das Problem der Wert- und Preisrechnung in das Zentrum ihres Interesses. Aber sie behandeln es ausschließlich unter dem Gesichtspunkte,, inwieweit die Marxsche Ableitung der Produktionspreise aus den Werten richtig und mit den Grundlagen der Marxschen Wertlehre vereinbar ist. Keiner dieser Autoren hat jedoch die Bedeutung der Wert-Preis-Transformation für die Krisenproblematik erkannt.