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Papst und Concilien Irrtum, offenbarer, der Schrift widersprechender Irrtum nicht blos möglich, sondern auch geschichtlich ist; – und eben so unläugbar ist es, daß die Aussprüche der Päpste und Concilien keine Ueberlieferung genannt werden können, vielmehr erst durch die nachgewiesene Ueberlieferung einigen Schein von Infallibilität gewinnen könnten.

 Die vernünftigste Auslegung der Tradition für unsre Zeiten wäre immer noch der consensus patrum oder die übereinstimmende Lehre der Kirchenväter. Allein hätte man sie; so hätte man doch noch keine die Schrift auslegende Tradition, denn die Väter berufen sich selbst auf die h. Schrift und machen sie vielmehr zur Richterin ihres Schriftverständnisses, als umgekehrt dieses zum Ausleger der Schrift. Was aber die Hauptsache ist, so ist die übereinstimmende Lehre der Väter bis auf den heutigen Tag nicht hergestellt. Wenn wirklich die Väter für eine gewisse Partie so große Ausbeute lieferten; so sollte diese auch endlich einmal den Sieg wirklich feiern. Oder ist es vielleicht ein uns aufgesparter kleiner Sieg, – denn wir bedürfen sein beim Schein des klaren Wortes nicht, – den Consensus herzustellen und zu beweisen, daß das, worin alle Väter übereinstimmen, dem nicht Abtrag thue, was wir lehren? Denn bei der nicht geschloßenen Sache könnte der Sieg ganz wohl auf unsre Seite treten, – ein Sieg, ich wiederhole, dessen wir uns nicht überheben würden, da wir den größeren haben, das klare Wort auf unserer Seite zu sehen. – Man beginne einmal! Man stelle fürs erste die Einigkeit eines jeden Vaters mit sich selber her, – dann nehme man verwandte Väter, z. B. nur Tertullian, Cyprian, Augustin, und sehe, worin sie einig sind, und so vorwärts zu verschiedenartigen. Aber freilich! Wir erleben es nicht mehr, einen anerkannten Consensus zu sehen, vielleicht erlebt es auch das 20. Jahrhundert nicht. Vielleicht darf das dritte Jahrtausend hoffen, was man zwei Jahrtausende nicht erlangte, – den Consensus zu sehen, mit dem man dann etwa gerade am wenigsten da consentiren wird, wo man am lautesten sich darauf beruft.

 Ja, das heißt wahrhaftig vom Lichte an die Dunkelheit appelliren, wenn man die Schrift aus der Tradition erklären will. Die Schrift