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Heiligen im Leben und im Sterben, für den sie lebten und leben, starben und sterben, – der Gedanke, welcher die Mission durchdringen muß, oder sie weiß nicht, was sie ist und was sie soll. Denn die Mission ist nichts, als die Eine Kirche Gottes in ihrer Bewegung, – die Verwirklichung Einer allgemeinen, katholischen Kirche. Wohin die Mission dringt, da stürzen die Zäune nieder, die Völker von Völker trennen; – wohin sie kommt, macht sie nahe, was vorhin ferne und weit getrennt war; – wo sie Platz greift, erzeugt sie jene wunderbare Einigkeit, welche „das Volk aus aller Welt Zungen“ fähig macht, einander zu verstehen in allen Stücken. Sie ist das Leben der katholischen Kirche, – Blut und Athem stocken, wo sie stockt, – und die Liebe, die Himmel und Erde vereinigt, stirbt da, wo sie stirbt. Die katholische Kirche und die Mission, die beiden trennt niemand, ohne – was am Ende unmöglich ist – beide zu tödten.

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 Da hast du die Erklärung des Beinamens der Kirche „katholisch.“ Du siehst, er bezeichnet die herrliche Unterscheidung der alttestamentlichen und neutestamentlichen Kirche. Jene war beschränkt, diese hat keine Schranken, sondern sie geht „so weit die Wolken gehen“ und die Lüfte wehen, – sie wird sein eine Vereinigung alles dessen, was sich in allen Landen aus der Welt aufmacht, um zum ewigen Zion zu kommen, – alle Völker können und sollen an ihr Theil haben, und sie an allen Völkern. Sie ist „katholisch.“ Wer die Menge der katholischen Kirche schauen will, der erwarte die Zeit, wo alle schauen werden, was Johannes Offenb. 7, 2 ff. geschaut hat. Dann wird er einen Anblick haben, welcher des großen Gedankens und der Absicht Gottes würdig ist. Dort wird keine Völkereigenthümlichkeit mehr störend das Herz berühren. Dort wird nicht mehr sein Jude, noch Grieche, nicht Germane, noch Slave, nicht Semite, nicht Japhethite, nicht Hamite, – dort schweigen alle Antipathien der Völker und der Individuen, – dort wird ihrer allzumal Einer sein in Christo JEsu. Hier aber bleibt unser Schauen hinter dem großen Gedanken zurück und, Gott Lob! auch hinter der Wahrheit. Denn der Gedanke Einer – allgemeinen Kirche ist Wahrheit. – Gleichwie es Zeiten geben