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an die Hand gibt. Und wie mancher kennt hinwiederum beide Vorreden, ohne bemerkt zu haben, daß der Catechismus nicht blos für Kirche und Schule, sondern auch für das Haus geschrieben ist. Haus, Schule und Kirche werden Eine Kirche durch den lieben Catechismus. Warum läßt man denn den wichtigen Factor des Hauses weg? Der Catechismus wird darum so elend gelernt und geleiert, klingt deshalb so hölzern und schaal, weil man ihn nicht fürs Haus, nicht fürs tägliche Leben, nicht als eine Lebensweisheit, sondern als eine Kinder- und Schulaufgabe behandelt. Gleichwie ein Feldgeschrei auf die Lippen aller gehört, welche zu einem Heerlager vereinigt sind; so gehört der Catechismus als ein geistliches Feldgeschrei auf alle Lippen. Der Hausvater, die Kinder, das Gesinde sollen ihn treiben, beten, lernen, schätzen; so wird er zum Oelkrüglein der Sarepterin werden, dem das Oel nicht fehlt. Ja, wenn der Catechismus erst wieder zum Hausbuch wird, dann wird man inne werden, was für Stärkung der Kirche insgemein für alle ihre Werke daraus zugeht. Er ist eine norma normata, eine göttlich-menschliche regula fidei – göttlich im Text, menschlich im treuen „Was ist das?“ – ein Symbolum, ein Feldgeschrei, welches, aus der Tiefe der Seele gesprochen, die Bollwerke des Satans niederwerfen kann! – Er soll empfohlen, in seinem göttlichen Grunde, seiner norma normans nachgewiesen, immer aufs neue an Gottes Wort gehalten, in der Predigt angeführt, gepriesen werden, auf daß er die Einheit der Kirche stärken helfe und Groß und Klein, Gelehrt und Ungelehrt etwas haben, worin sie einig sind und sich im Wirrwarr der Zeit einig wißen!




 Es lautet so leicht und gering, und liegt doch so viel daran!


8. Ihre Seelsorge.


 Unsre Zeit, eine Zeit der Einseitigkeiten und Experimente, hat ihre Hoffnung schon auf mancherlei gestellt. Sie hoffte immer, der