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Extravaganz und Werkerei; sie ermuntert aber durch ihr heiliges Amt zur Ausübung alles Guten, und daß ein jeglicher je nach seiner Gabe und nach seinen Verhältnissen thue, was Gott gefällt. – Sie strebt nach Einheit und Vereinigung aller guten Werke in ihrer Mitte. Sie erkennt heute noch die Armenpflege für Kirchensache, wie sies zu Zeiten der Apostel that; heute noch die Schule für eine Vorschule und Kirche der Jüngeren, heute noch für ihr Reich, wie sie es früher that; heute noch sind die Kranken, die Pilgrime, die Waisen ihre Pfleglinge, wie je und je; heute noch sorgt sie für Brot und Erquickung und Aufenthalt ihrer Diener; heute noch, daß die heil. Orte dem Zwecke dienen. Ihre Bischöfe oder Pfarrer vereinigen die Gemeinen zu allem Guten und pflegen in ihnen alles Gute nach der Machtvollkommenheit ihres göttlichen Amtes; sie geben jedem guten Werk je nach Ort und Zeit das wortgetreue Maß; sie leiten und weiden die Gemeinden zu allem Guten! – Die Kirche im Ganzen, die Gemeinden im Einzelnen umfaßen alle guten Werke, – und was geschieht, geschieht in Einigkeit der Heerden mit den Hirten. Im Gehorsam gegen das Wort, ohne Geschwätz der Vereine und Hochmut der Vereinten, in heiliger Stille, mit mächtiger Kraft übt man alles, wozu der HErr Vermögen und Gnade darreicht. – So hat die Kirche mancherlei Geschäfte, wenn auch die Mittel, durch welche sie alles wirkt und zu allem Guten ermuntert, immer einerlei sind: das Wort, das Sakrament, das heil. Amt der Hirten.

 Wenig Mittel – viele gute Werke! Das ist der Kirche Art.


6. Ihre Predigt.


 Unter den Mitteln, welche die Kirche zum Heile der Seelen gebraucht, steht die Predigt oben an. Sie ist das Mittel, die da ferne stehen, herbeizurufen, und die Herbeigerufenen und Herbeigekommenen in Beruf und Erwählung festzumachen. Bei der Predigt legt es die Kirche nicht eben darauf an, das heil. Wort durch menschliche Kunst zu unterstützen; sondern die Hauptsache ist, seine Kraft und Wirkung nicht