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Behauptung, die eben dadurch selbst gesteigert erscheint. Versuchs nur zu denken, peinige dich, es zu wollen, es wird doch nicht gehen. Alleine mit Christo kannst Du nicht selig sein. ER und Seine ewige Seligkeit sind eine bei weitem zu schwere Last für Eine Seele, die niemand ihres Gleichen nahe hat. Das herrliche „wenn ich nur Dich habe“ Davids bleibt in allen seinen Würden; aber es widerstrebt meiner Behauptung nicht im mindesten. Sich selbst zum Troste beim Glück und im Haß der Gottlosen spricht er es Ps. 73, 25 f., aber nicht der Meinung, daß er bei Gott völlig alleine, auch ohne die Gemeinschaft bleiben wollte, die er haben konnte und sollte. Nicht minder brünstig, als im 73. Ps. ruft er Ps. 42.: „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Waßer, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?“ Aber in demselben Psalme v. 5. bezeugt er auch: „Ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes, mit Frohlocken und Danken, unter dem Haufen, die da feiern.“ Daraus erkennt man deutlich, daß er eine einsame Seligkeit und Gemeinschaft mit Gott Ps. 73 nicht wünscht, daß sein „nur Dich“ ihn zunächst und um jeden Preis nur von den Gottlosen scheiden will, daß er eine selige Gemeinschaft mit andern Menschen recht wohl erkennt und kennt, ja sich nach ihr sehnt.

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 Es kann auch nicht anders sein. Und ob einer schon alles Ernstes wünschte, mit Gott ewig allein zu sein; so würde es doch nicht erfüllt werden können. Denn gleichwie der HErr keine Erde nur für Einen Menschen geschaffen hat, so hat er auch keinen Himmel nur für Einen Menschen geschaffen. Es gibt keine einsame Erde und keinen einsamen Himmel, und wer eine völlige, seis zeitliche, seis ewige Trennung von allen Menschen wünschen kann, in dem ist die Liebe nicht, die aus Gott ist, sondern ein finstrer, hochmüthiger Haß beide Gottes und der Menschen. Nicht geistlich, sondern teufelische Unnatur ist es, eine Erde, einen Himmel oder gar Gott für sich allein haben zu wollen. Es ist allen Menschen, so schlimm wir sind, doch ein Verlangen nach dem HErrn HErrn, unserm Gott, eingeboren; „wir sind zu Ihm geschaffen,