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Liste.png Ludwig Tieck: Das jüngste Gericht. In: Poetisches Journal, S. 221–246

Leben und Tod liegt, das weder Himmel noch Hölle ist, das genau genommen gar nicht existirt. Er ging mit Freuden hin und sagte, er wolle es sich dort wohl seyn lassen, denn es sey sein altes Vaterland, was ihm bei der Auferstehung am meisten leid gethan habe, es zu verlassen. Ueberhaupt, fuhr die Stimme des Richters fort, wollen wir die edle Ewigkeit nicht länger damit verderben, über solche Creaturen zu urtheilen, die nie da gewesen sind, und um die ich niemals gewußt habe, laßt alle diese Gesellen dorthin abtreten, denn sie taugen so wenig für die Hölle wie für den Himmel, wir können die Seligkeit und auch die höllischen Flammen besser brauchen. Wie war ich verwundert, daß die Menge der unzählbaren Schaaren, durch dieses einzige Wort, so auffallend vermindert wurde, von den Scharrfüßen, die diese Nichtigkeits-Dilettanten vor dem Throne machten, entstand ein solches Geräusch, daß man die himmlische Musik auf lange nicht hören konnte, sie zogen mit Freude und Jubiliren in ihren Aufenthalt und an vielen wurde ich Manuskripte gewahr, die sie mit hinüber nahmen, um sie dort zu vollenden.

Eine Menge von Weibern war aufgestanden, und die Prüden drängten sich mit Gewalt vor, um

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Ludwig Tieck: Das jüngste Gericht. In: Poetisches Journal, S. 221–246. Frommann, Jena 1800, Seite 237. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Tieck_Das_juengste_Gericht_1800.pdf/17&oldid=- (Version vom 22.12.2016)