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unsere Schwestern helfen treulich mit, aber auch viele, viele Damen. Und geopfert wird in unglaublicher Weise.

 Ja, es ist eine große Zeit. Aber der Herr sieht in die Tiefe, und wir sollen bei uns selbst Einkehr halten, daß auch für uns eine Zeit der wahrhaftigen Bekehrung gekommen sei. Es ist ja alles so ernst und vielleicht die letzte Zeit nicht mehr weit. Laßt uns beten um wahrhaftigen Glauben und daß die Liebe nicht erkalte.

Allen herzlichen Gruß. Deine Therese.


An die Einsegnungsreihe vom 12. Okt. 1903.
Neuendettelsau, 4. November 1914

 Meine lieben Schwestern, wie beweglich ist es, wenn ich Eure Schar überblicke, daß sechs der Einsegnungsschwestern gegenwärtig in ernster Arbeit unter schweren Eindrücken in der Ferne weilen. Gott schütze sie und alle unsere Schwestern! Morgen sollten sieben ausgesandt werden. Da kam gestern abend ein Telegramm, sie sollten gegen Typhus geimpft sein, ehe sie ausziehen. Das verzögert nun ihren Weggang.

 Wir sind aber in der gegenwärtigen Zeit aus unserer kleinen, engen Welt recht hineingestellt in die große, mächtige Bewegung, von der alle Seelen jetzt erfüllt sind. Meine geliebten Schwestern, wie durchleben wir diese große Zeit? Wir müssen doch alle diese Frage an uns richten. Es ist ein starkes, mächtiges Anklopfen unseres Heilandes an jede einzelne Seele gemeint. Das wollen wir nicht überhören. Wir vermögen aber selbst gar nichts. So laßt uns ernstlich und anhaltend den heiligen Geist anrufen, daß Er Sein Werk tue an den einzelnen unter uns, an der Gemeinschaft, der wir angehören, an der Kirche, an der ganzen Welt. Jetzt hat alles, das werdet Ihr mit mir empfinden, noch einen anderen Klang als sonst: die Lektionen, die wir in der Kirche hören, die Kreuz- und Trostlieder, die Psalmen. Gestern hat uns Herr Rektor wieder eine Schwesternstunde gehalten und vom Krieg im Lichte des göttlichen Wortes geredet.

 In aller Not und Drangsal, die uns umgibt, laßt uns doch des Dankes nicht vergessen, wie viel, wie viel haben wir zu danken! „Die Güte des Herrn ist es, daß wir nicht gar aus sind.

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Auf daß sie alle eins seien. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1958, Seite 210. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Auf_da%C3%9F_sie_alle_eins_seien.pdf/212&oldid=- (Version vom 24.10.2016)