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auferwecken zu einem neuen Leben, das der Ernst der Ewigkeit beherrscht. – Das neue Gebäude, das sich freundlich vor dem Hain Mamre mit der Front nach Osten und einem Flügel nach Norden erhebt, ist das Brüderhaus. Es wird den Brüdern ein hochwillkommenes Heim bieten, wenn es, so Gott will, nächstes Jahr bezogen werden kann. Vor dem Hause soll ein Garten angelegt und noch vor Eintritt des Winters sollen Obstbäume gepflanzt werden. Die immer neuen Aufgaben, die uns beschäftigen, sind auch ein Mittel gegen Marasmus; sie erhalten uns frisch und jung und sagen uns, daß wir noch wirken dürfen, weil es noch Tag ist. Aber freilich, um uns jugendfroh sein zu lassen, um nicht die Macht der Gewohnheit die Lebenskraft beeinträchtigen, nicht die veralternde Gewalt der Sünde über uns herrschen zu lassen, um die erste Liebe immer wieder rein und frisch zu machen, dazu bedarf es noch anderer Mittel, und ich brauche sie Euch nicht erst zu nennen, liebe Schwestern. – Nun gehen wir dem Rettungshäuslein zu, das ja eine große Hilfe erfahren hat, indem ein Teil der Zinsen von dem uns zugefallenen Erbe in seine Kasse fließen darf. Bei aller tiefen Dankbarkeit für das Feuchtwanger Erbe wäre es uns doch ein Schmerz, wenn etwa die vielen kleineren Erweise der Wohltätigkeit dadurch aufhören oder doch abnehmen würden, die uns nicht bloß wegen der so dankenswerten äußeren Hilfe, sondern auch um der Gemeinschaft der Freunde willen solch eine Freude waren. – Die Ökonomie durfte viel Segen spüren in den letzten Jahren, so daß sie der drückenden Schuldenlast sich bald vollends entledigen kann. Bei der Ausstellung, welche diesen Herbst in Kloster Heilsbronn stattfand, hat unsere Ökonomie drei Preise bekommen, und unsern treuen Stallmägden wurden drei schöne Tüchlein, die an kleinen Fahnenstangen hingen, dediziert. Wir kommen nun zur Bäckerei, mit welcher für alle Zeiten unzertrennlich das Andenken unserer seligen Schwester Marie Regine Braun verbunden ist. Ob die in allen Stücken konservative Schwester den neuen Dampfbackofen willkommen geheißen hätte? Fast möchte ich es bezweifeln. Aber er bewährt sich nun schon über ein Jahr und lehrt uns mit vielen anderen Erscheinungen, daß doch nicht alles Neue zu bemißtrauen ist. Gesegnet sei uns allezeit unsere Bäckerei, die mit menschlichem Fleiß zur Erhörung

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Therese Stählin: Auf daß sie alle eins seien. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1958, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Auf_da%C3%9F_sie_alle_eins_seien.pdf/140&oldid=- (Version vom 17.10.2016)