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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/81

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noch das Linienspiel früher Renaissance. In der fast unverzierten Zweckform der Schienen stimmt er mit dem anderen frühen Pokal überein. Dieser erstrebt schon in Fuß und Schaft mit einer Kugel zwischen zwei Balustern die Gliederung der Renaissance und hat seinen Hauptschmuck in Buckelreihen. Ein Rest von Gotik steckt noch in dem Akanthuskranz an der Tragstelle des Schaftes. Beide Pokale waren für bestimmte Besteller hergestellt, wie die eingravierten Wappen dort am Baumstamm, hier auf dem von einem Engel gehaltenen Schild der Spitze erkennen lassen. An dem zweiten Pokal im Innern die Jahreszahl 1540. Dadurch haben wir auch den Anhalt, einen Pokal mit gleichem Schaft, der sicher von demselben Meister herrührt, in die gleiche Entstehungszeit zu versetzen. Er hat ein ganz eigenartiges Gefäß in Kumpenform aus der Haut einer Wildsau gebildet (IV, 318).

Vier und fünf Jahrzehnte später herrschte schon die üppigste Verzierungslust wie in Nürnberg und Augsburg, so in Dresden und Leipzig, zu der der polierte Glanz der glatten dunkeln Kokosnußschale als Folie zu dienen hatte. Der Dresdner Meister Valentin Grefner hat mit der Fassung der großen kugelförmigen Kokosnuß ein imposantes Prunkstück geschaffen (Tafel 69, 2), bei dem nur die Hohlkehlen zwischen den Wulsten an Fuß und Deckel unverziert gelassen sind. Der Aufbau von Fuß und Schaft mit einer Vase zeigt die sicherste Beherrschung der Renaissancegliederung, die nur in auffallender Weise in ihren Umrissen durch Pferdeköpfe an der Vase des Schaftes Ausladungen erhalten hat. Diese scheinen dem Pokal eine bestimmte Beziehung zu dem Besitzer geben zu sollen, sie kehren etwas kleiner wieder an den Schienen und ein springendes Pferd krönt die Spitze des Deckels. Das Stück ist von dem Dresdner Meister Valentin Grefner bezeichnet, der nach seiner Übersiedelung nach Dresden hier für den Hof reiche Beschäftigung fand und der auch diesen Pokal im Deckel in Hinterglasmalerei mit dem Wappen des Kurfürsten Christian I. versehen hat. Der erfindungsreiche Künstler hat neben seinem Hauptfach als Silberschmied auch die Wappenmalerei hinter Glas betrieben und diese nicht nur wie hier an seinen eigenen Werken angebracht, sondern damit auch die Drechsler der Elfenbeinpokale versorgt. In dem Reliefschmuck der Schienen herrschen zwar noch nicht die Hermengestalten, doch hat deren oberstes Feld schon Putti, während sonst allenthalben noch dichtes Ornament angewandt ist. Ein Jahrzehnt später sehen wir an der zu einer Kanne (Tafel 68, 2) verarbeiteten Kokosnuß an Schienen und Henkel schon diesen Figurenschmuck und zu