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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/78

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Daneben aber waren die venezianischen Glasbläser auch bestrebt, ihren Gläsern die Farben der Edelsteine zu verleihen. Ihre Opalgläser wurden besonders geschätzt, sie bedurften zu ihrer Wirkung keiner gläsernen Ansatzstücke. Der schillernde opalisierende Glanz kam am besten an den glatten Flächen der Hohlgläser zur Geltung. Wenn solchen Gläsern dann noch eine silbervergoldete Fassung gegeben wurde, dann kamen sie als Zierstücke den Gefäßen mit in Perlmutterglanz strahlenden Muscheln gleich. Das Grüne Gewölbe besitzt zwei solcher Opalglasflaschen, die, ohne eigenen Fuß, schon bei der Herstellung auf eine Metallfassung berechnet scheinen. Wie diese nach Dresden gelangten, scheint nicht mehr festzustellen zu sein. Es ist auch fraglich, ob beide am selben Ort und vom selben Meister ihre Fassung erhielten, die aber bei beiden noch aus dem 16. Jhdt. herrührt. Die breitere flache Flasche mit kurzem Hals (Tafel 63, 2) hat erst durch ihren runden Fuß und den längeren Hals eine günstig wirkende Gefäßform durch den Silberschmied erhalten, der diese durch Gravierung noch belebt hat. Die größere flache Flasche mit hohem Hals (Tafel 64) ist durch ihren reicher verzierten Fuß, durch mehrfache in Relief verzierte Schienen, durch zierliche Henkel und Bügel und die reiche Krönung des Halses zu einem Prachtgefäß ersten Ranges umgestaltet worden, das noch auf den Breitseiten des Bauches ein besonderes Schmuckstück mit dem Wappen des ersten Besitzers erhalten hat. Wie das Stück dann aus dem Eigentum des Fürstabtes von Kempten, Eberhard von Stain, für den es 1574 hergestellt wurde, nach Dresden gelangte, bleibt unaufgeklärt. Kempten wurde 1633 von den Kaiserlichen gegen die Schweden erobert, dann wieder 1703 im spanischen Erbfolgekrieg von Franzosen und Bayern eingenommen. Es ist immerhin möglich, daß es aus einem solchen Anlaß in andere Hände überging und dann hier erworben wurde.

Das Interesse für farbige Ziergläser wurde von neuem belebt, als es dem deutschen Chemiker Johann Kunckel von Löwenstern (1630–1703) in den siebziger Jahren des 17. Jhdts gelungen war, mittels einer Goldlösung dem Glas eine leuchtende Rubinfarbe zu geben. Diese von ihm dann in Potsdam in den verschiedensten Gefäßformen hergestellten und oft noch durch Schliff und Schnitt veredelten Rubingläser wurden überaus hoch geschätzt und mit vergoldeten Silberfassungen zumeist Augsburger Meister in den Handel gebracht. Aus der großen Gruppe dieser im Grünen Gewölbe vorhandenen Ziergläser sind nur zwei hohe schlanke Flaschen von einer herrlich leuchtenden