Hauptmenü öffnen

Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/70

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

schon auf dem mit Perlmutterplättchen belegten Pokal Tafel 46, 2 und auf dem Nautiluspokal Tafel 57, 2, der wohl von ihm herrührt, aber nicht seine Marke hat. Daneben wählt er einen stehenden Bauern Tafel 44, 1 und Tafel 46, 3 oder auch abweichend von einer Beziehung zur Muschel einen Bogen schießenden Amor Tafel 46, 1. Seine Schienen mit Hermenfiguren, seine Deckelkrönung mit einem Neptun lehnt sich der Nürnberger Art an. In Nürnberg entsteht einmal als Deckelkrönung ein Schwan auf Wasserwogen (Tafel 45, 2), dann ein wohl von Italiens Kunst übernommener Putto auf Schildkröte (Tafel 45, 1). Der dekorativeren Ausstattung der Schienen entspricht auch eine breitere Bildung des Mundrandes und deren reichere Verzierung oft rein ornamentaler Art, daneben auch mit Gravierung von Seeszenen (Tafel 44, 3, Tafel 47, 1 und 2). Eine Sonderstellung nimmt der Muschelpokal Tafel 47, 2 ein, dessen Träger ein niedergebeugter Herkules mit der Weltkugel ist, eine plastisch prächtig empfundene Gestalt, die von italienischer Kunst beeinflußt ist und an Adrian de Vries erinnert. Ihr Verfertiger ist wieder der durch kunstvolle Werke ausgezeichnete Friedrich Hillebrand.

An dieser Entwicklung hat auch ein Dresdner Meister teilgenommen und er weiß auch seinen Pokalen einen von der allgemeinen Bildung abweichenden Zug zu verleihen: aus einem hohen aus flachgewölbten Kammuschelschalen aufsteigenden Wellenberg trägt eine Sirene mit ihrem Haupt die Nautilusmuschel Tafel 48, 1 und 3, einmal durch die Schwanzflosse unterstützt, der Rücken der Muscheln ist durch schön bewegte Fortunen gekrönt. Der ohne Marken gelassene Muschelpokal Tafel 48, 2 mit einer Koralle als Deckelkrönung hat eine originelle Schaftbildung mit drei singenden Halbfiguren auf Ranken über Kammuscheln, die als Sirenen zu erklären sind (wohl auch von demselben Dresdner Meister). Gleichfalls in Dresden entstanden sind zwei Pokale, die von allen seitherigen Typen stark abweichen. Anstatt einer in Spiralen gewundenen Muschel hat hier Martin Borisch eine große langgestreckte Seemuschel gewählt, die als Schiffskörper gedacht ist, die von einer Fortuna mit geblähtem Segel gekrönt wird, auch der in breiten Formen mit Kammuscheln verzierte getriebene Fuß nimmt mit seinen weichen Umrissen Abstand von den üblichen Renaissancegliedern (Tafel 49, 2). Die Fassung einer mit grotesken Ranken gravierten Nautilusmuschel (Tafel 49, 1) steht völlig außerhalb aller übrigen Entwicklung. Auf einem Seeungeheuer mit Korallenendigung sitzt ein fischschwänziger gepanzerter Affe und trägt über