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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/67

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endigen läßt, und dazu eine Seemuschel mit dem in vergoldetem Silber gebildeten Vorderkörper vereinigt; er fügt darum auch noch flügelartige Flossen hinzu, die der Gestalt zugleich mit einem Delphin als Stütze dienen. Die wie gepanzert erscheinenden Krallenbeine halten Hellebarden. Die Stücke werden als Geschenke des Kurfürsten Johann Georg I. vor 1610 bezeichnet, der 1607 noch als Herzog mit einer brandenburgischen Prinzessin getraut wurde, deren Wappen auch einen Greifen enthält. Es scheint, daß das Geschenk hiermit in Zusammenhang steht (Tafel 40). Die Verwandtschaft in der Gestaltung der Fabelwesen legt es nahe, auch den in eine Seemuschel endigenden Drachen (Tafel 37) als eine Arbeit von Elias Geyer zu betrachten. Die Gestalt übertrifft noch an phantastischer Bildung jene beiden Greifen. Der auf dem Muschelrücken in ein Horn blasende Triton erinnert an die Neptunfiguren auf den Hippokampen auf Tafel 39.

Alle diese Figuren in Vereinigung mit Seemuscheln haben das gemeinsame Charakteristikum, daß die Muschel stets nur als Endigung des Körpers verwendet wurde und daß dazu nicht die Nautilusmuschel, deren Spiralwindung in der gleichen Ebene verläuft, zu dienen hatte, sondern die Seemuschel mit ihrer aus der Ebene herausgewundenen Spirale. Es scheint, daß diese unsymmetrische Gestalt der Muschel zuerst an keine andere Verwendung denken ließ. Wenigstens sind keine so frühen anderen Verwendungen bisher festzustellen gewesen, wie die vor 1526 entstandenen beiden grotesken antiken Gestalten des Hallischen Domschatzes. Doch aber ließ die Öffnung der Muschel diese sehr gut dazu geeignet erscheinen, diese ebenso als Körper und Gefäß eines Pokals zu benutzen, wie dies schon im Mittelalter mit den völlig symmetrischen Straußeneiern und Kokosnüssen geschehen war. Und wegen ihres schillernden Glanzes mußte eigentlich die Muschel mehr dazu verlocken; von den Seemuscheln war allerdings die Nautilusmuschel mit ihren symmetrischen Hälften besser hierzu geeignet, als die asymmetrisch gewundenen anderen Muschelarten. So sehen wir jene auch am häufigsten als Körper des deutschen Pokals auf hohem Schaft verwendet, daneben aber auch vereinzelt schon früh die asymmetrische Seemuschel. Vor dem letzten Drittel des 16. Jhdts. scheint aber, soweit wir aus den Formen der Fassung schließen können, der Pokal mit Muschelkörper noch nicht in die Entwicklung aufgenommen zu sein. Als die frühesten Gestaltungen dieser Art haben wir die Muschelpokale anzusehen, deren silbervergoldeter Schaft in Form einer Vase gebildet ist. Die Vase sitzt