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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/64

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des Schaftes sitzende Drache, der als Gefäß zu dienen hat. An diesem haben drei Perlmutterschnecken die Flügel und den Schwanz zu vertreten, dementsprechend ist die Gestalt des Drachens in breiten Formen entwickelt und mit grotesken Bildungen besonders am Henkel ausgestattet. Auch die Masken und Büsten des Schaftes leiten schon dazu über, während die Ornamentik des Fußes, dessen Dreipaßform mit Perlmutterbuckeln sich der Verzierung des Beckenrandes nähert, noch mit Renaissancemotiven gebildet wird. Wenn auch das Becken nicht die Meistermarke von N. Schmidt trägt, so ist doch der gemeinsame Ursprung beider Stücke nicht zu bezweifeln. Wenn wir beide Stücke um 1600 anzusetzen haben, dann ist schon auffallend daran die phantastische Verwendung gleich dreier Seeschnecken zu Körperteilen eines Fabelwesens.

Bisher hatte sich die Entwicklung in der Verarbeitung der Seeschnecken in festen umgrenzten Bahnen bewegt, auch da, wo die Seeschnecke oder einzelne Perlmutterteilchen zur Ausgestaltung von Menschen oder Tierkörpern benutzt wurden. Ziergeräte oder Gefäße in menschlichen oder tierischen Körperformen zu bilden, war schon eine mittelalterliche Gepflogenheit, ja wir können aus Beispielen und aus Ciceros Reden gegen Verres entnehmen, daß solche schon im Altertum vorgebildet waren. Die Renaissance hat diese Übung übernommen und weiter entwickelt, sei es, daß Trinkgefäße nur aus Silber hergestellt wurden oder daß Naturprodukte mit dem Silber vereinigt wurden. Zur Ausstattung von Zunftstuben und Jagdhäusern wurden wohl am häufigsten solche Gebilde hergestellt und diese als Hohlgefäße mit abnehmbaren Köpfen zu Trinkgeräten verwendet. Aber auch die Ausstattung von Kredenzen in den Schlössern der Fürsten und den städtischen Rathäusern gab Anlaß zu solchen Gebilden, mochten dazu die Wappentiere die Anregung gegeben haben oder auch die Fabelwesen der Antike, die mit der Ornamentik der Renaissance die Phantasie erfüllten.

Zwei ziemlich naturgetreue Tiere schuf der vielseitige Nürnberger Meister Friedrich Hillebrand, der zu den meisten seiner durch seine Marken bekannt gewordenen Ziergeräte auch Seeschnecken oder Perlmutterplättchen verwendet hat. Das läßt also erkennen, eine wie überaus große Beliebtheit dieses Material gerade bei Ziergeräten gefunden hatte, seitdem wohl zuerst wie erwähnt vor 1526 für Albrecht von Brandenburgs Hallischen Domschatz es zu grotesken Figuren benutzt worden war. Hillebrands Papagei und Falke auf silbervergoldeten Sockeln in Renaissanceformen haben auf silbernem Grund