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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/49

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Italiener nach Prag übertragen und hier widmeten sich ihr bald auch deutsche Meister. Daneben war diese Kunstfertigkeit aber auch schon in Nürnberg und in München heimisch geworden und dann auch nach anderen Orten in Deutschland verbreitet worden. Wie hoch man im ausgehenden 16. und 17. Jhdt. noch diese zu hohem künstlerischen Rang erhobenen Ziergefäße schätzte, ersieht man daraus, daß diese zumeist auch in rein goldener, meist mit Email kunstvoll verzierter und mit Juwelen geschmückter Fassung vollendet wurden. Da diese Goldfassung stets ohne Goldschmiedemarken gelassen wurde und die deutsche Verzierungsweise der italienischen sehr nahe kam, so ist es heute äußerst schwierig, das Ursprungsland dieser kleinen Kunstwerke zu ermitteln. Wir werden noch die charakteristischsten Beispiele dieser im Grünen Gewölbe besonders reich vertretenen Gruppe kennenlernen. Sie hat nahezu vollständig den Pokal auf hohem Schaft mit kegelförmig geschliffenem Kristallgefäß im 17. Jhdt. verdrängt. Das Grüne Gewölbe besitzt doch noch ein spätes Stück dieses Typus, einen Deckelpokal, dessen ovales Gefäß und Deckel aber auch die Technik des Steinschnitts in vertiefter Verzierung angewendet zeigt, auf der vorderen Breitseite des Gefäßes ist Diana im Bad eingraviert, auf der hinteren ein von Hunden verfolgter Hirsch. Der Deckel ist in vergoldetem Silber mit der gegossenen Figur des Aktaeon mit zwei Hunden gekrönt. Der hohe Schaft verrät den Wandel des Geschmacks, indem die Stelle des Knaufs von einem gelagerten Hirsch in vergoldetem Silber eingenommen wird. Dieser Jagdpokal ist sowohl in den Kristallteilen, wie in der silbervergoldeten Fassung und Montierung sicher als deutsches Erzeugnis vom Ende des 17. Jhdts. anzusprechen, vielleicht in Dresden entstanden (Tafel 8, 1).

Den Steingefäßen kamen im Mittelalter an Beliebtheit mindestens gleich die Trinkhörner, wozu alle Arten Hörner der Wiederkäuer verwendet wurden. Insbesondere bei den germanischen Völkern reicht ihr Gebrauch bis in das höchste Altertum zurück. Cäsar erwähnt in seinem Buch de bello gallico, daß die deutschen Stämme solche mit Reifen beschlagene Trinkhörner bei sich führten. Manche dieser Hörner, als „Greifenklauen“ bezeichnet, gelangten später in die Kirchenschätze und erhielten dann auch als Reliquienbehälter oder Salbölgefäße kirchliche Bestimmung, wovon uns die Heiltumsbücher des endenden 15. und des 16. Jhdts. noch Kunde geben. Ihre Fassung läßt dies auch noch durch dabei angebrachte kirchliche Motive erkennen. Neben dem Schmuck der Reifen und des Mundrandes ist zumeist dabei die Spitze des