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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/19

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Kunstkammer beimaß. Daß diese Bereicherung auch durch Kriegsbeute von Johann Georg I. gemacht sei, dafür haben sich bisher Beläge nicht finden lassen. Heinrich Zimmermann berichtet in Ilgs Kunstgeschichtlichen Charakterbildern aus Österreich-Ungarn, Wien 1893, S. 228, Johann Georg I. habe, als er nach Tillys Niederlage bei Breitenfeld 1631 als Verbündeter Gustav Adolfs nach Prag zog, dort zahlreiche Kostbarkeiten auf fünfzig Wagen und mehreren Schiffen fortschaffen lassen. Die Angabe geht wohl zuerst aus von J. M. Schottky, Prag, wie es war usw., Prag 1830, S. 56 und ist schon von Graesse in dem Katalog des Grünen Gewölbes von 1872 als haltlos zurückgewiesen worden. Wenn sich also Kurfürst Johann Georg I. 1631 der Bereicherung der Sammlung rühmen konnte, so boten hierzu die erwähnten Ankäufe und die beiden Nachlässe schon hinreichend Anlaß. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges aber mußte schon infolge der Kriegszeiten für lange Zeit ein Stillstand in der Entwicklung der Kunstkammer eintreten. Dieser war aber insofern wieder günstig, als infolge der durch die Zugänge eingetretenen Überfüllung der Räume die Notwendigkeit der Ausscheidung der nicht zugehörigen Gegenstände erkannt wurde und nach deren Durchführung eine Neuordnung vorgenommen werden konnte, durch die jedesmal die gleichartigen Gegenstände in zusammengehörige Gruppen vereinigt wurden, wodurch der Inhalt der Zimmer an einheitlichem Eindruck gewonnen hat. Das hiermit zugleich begonnene und 1640 abgeschlossene neue Inventar, dessen Fortführung der Kurfürst seinen Nachfolgern zur Pflicht machte, gibt den Inhalt der Kunstkammer, die seit 1619 um ein Zimmer erweitert worden war, nach den acht Zimmern, wie folgt an:

I. Prunkmöbel und Handwerksgeräte.
II. Die Werkzeuge des Kurfürsten August, Bildnisse.
III. Gestelle, Kredenzschränke und eingelegte Tische, angefüllt mit Kristallgefäßen, Venezianischen Gläsern, silbernen und goldenen Geschirren, Edelsteinen und Schmucksachen, sowie Kunstarbeiten aus Elfenbein, Korallen, Perlmutter, Nautilusschnecken und Straußeneiern. Fürstenbildnisse und Landschaften.
IV. Vier lange Tafeln und vier Tische, besetzt mit Kunstschränkchen und Schreibzeugen, Kunstkästchen mit silbernen und goldenen Verzierungen oder mit Perlmutter in Elfenbein eingelegt, angefüllt mit kleineren Kunstarbeiten. Ein Holzmodell des Schlosses. Gemälde aus der Schule Dürers