Seite:Schreiben an einen der Herausgeber dieses Journals von einem seiner Freunde zu Nürnberg, über die im vorigen Hefte unter dem Titel Der Sieg der Unschuld über die Bosheit abgedruckte Erzählung.pdf/11

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

So konnte er unmöglich fragen, wenn er schon im Voraus entschlossen gewesen wäre, die Frankin venerisch zu finden!

 Da er sie demungeachtet nach der Besichtigung für venerisch erklärte; da er noch überdieß den unter obrigkeitlicher Aufsicht stehenden Sebastians-Spital zum Cur-Ort in Vorschlag brachte: so konnte unmöglich nur das geringste Mißtrauen statt finden. Den Kaufmann Ehemännischen Ehegatten und dem Ehemann fället also nicht einmahl das mindeste Versehen zur Last, geschweige daß ihnen eine böse Absicht aufgebürdet werden könnte. Sie konnten doch nicht beurtheilen, ob die schmerzhafte und häßliche Krankheit, wodurch Frankin zu allen Pflichten eines Eheweibs unfähig war, und womit sie alle ihre Hemden und alle Betten, worein sie sich legte, verunreinigte, venerischer oder nichtvenerischer Qualität sey. Sie mußten auf das Urtheil des Kunstverständigen sich lediglich verlassen. Und eben daher waren sie vollkommen berechtigt, diesem gemäß den Weg Rechtens zu betreten.

 9.) Die Hochzeitschenken wurden um deßwillen aus den Behältern der Frankin genommen, damit man ihrer Schwester, wie auch geschehen, die Behälter-Schlüssel mitgeben konnte; daß aber Letztere ihre Abreise nicht bis zum folgenden Morgen verschob, war ihr eigener Wille, wovon sie Ehemann nicht abbringen konnte.