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Ort zu Ort“: „Will’s Ihr glauben! Das stellt sich dar!“ Indess scheint jedwedes Liebesbedürfniss doch noch nicht aus diesem zärtlichen Herzen gewichen zu sein und die schwarzen Augen sehen noch ziemlich herausfordernd in die Welt hinein, nur dass die Freundlichkeit nach echter Wirthsmanier jetzt etwas berechneter geworden ist und vorzugsweise denjenigen vorbehalten bleibt, die viel Melniker trinken und ihn – auch bezahlen. So hat sie trotz ihrer Klagen offenbar in diesem ewigen Trouble ganz gute Geschäfte gemacht, was schon daraus hervorgeht, dass sie im Stande war, einzelnen Cavalieren, wie dem „bösen Zahler“ Isolani, zweihundert Thaler zu creditiren, und dass „die halbe Armee steht in ihrem Buche“. Einstweilen hat sie sich möglichst herausgeputzt; so abgelagerte Schönheiten vertragen viel Schmuck. Ob sie ihre Silberketten und Granaten beim Juwelier baar bezahlt oder von Holk’schen Jägern und Kroaten für verabfolgten Melniker auf eine billigere Art erworben, wollen wir freilich nicht genauer untersuchen, sondern uns damit beruhigen, dass „wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten“. Ebenso wenig dürfte es gerathen sein, ernstliche Nachforschungen danach anzustellen, bei welcher nürnberger oder pilsener Bürgersfrau sie die Pelzhaube „geliehen“, mit der sie sich hier im Winterquartier geschmückt, eine Kopfbedeckung, welche die Wirthinnen ganz besonders in Gunst genommen zu haben scheinen, da man dieselben noch heute ganz ähnlich durch ganz Baiern von Böhmen an bis zum Bodensee bei ihnen, sowie bei wohlhabenden Bürgersfrauen und Bäuerinnen trifft.

Obwol wir nur so dürftige Andeutungen über die Vergangenheit unserer Gustel erhalten, so genügen sie doch, um uns zu überzeugen, dass ihr stark sinnliches Naturell, verknüpft mit einer gewissen derben Grazie, sie eher ins Lager geführt haben mögen, als irgendeine unglückliche Liebe. Ohnehin scheint sie nicht die Absicht zu haben, am gebrochenen Herzen zu sterben, da sie bald vor unsern Augen mit dem richtigen Takt dieser Damen trotz der herben Erfahrungen in Sachen des „Schottländers“ sich der Erziehung des Rekruten

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Friedrich Pecht: Schiller-Galerie. F. A. Brockhaus, Leipzig 1859, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Schiller-Galerie.pdf/220&oldid=- (Version vom 1.8.2018)