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die echte, wahre, denn die Freiheit ist das höchste Gut der Menschheit. Und nun lebt wohl!

(Posthörner von Außen.)

Alsdorff (am Fenster). Seht, eure Wagen sind angespannt. Die Postillone rufen. (In der Mitte.) Gebt mir die Hände. So – jeder von uns geht bald seinen eignen Weg. Aber einer trifft den andern wieder – möge dann der Bruder immer einen Bruder treffen, möge das Andenken an die schöne Jugendzeit das Feuer sein, das unser Inneres erwärmt, bis spät in die Zeit, wo das graue Haar uns mahnet, daß es noch ein anderes Wiederfinden gibt. Und nun geht – lebt wohl, lebt Alle wohl! (Reißt sich gewaltsam los und setzt sich auf einen Stuhl im Vordergrunde der Bühne. Die Andern stehen noch einen Augenblick, dann rufen sie: Lebe wohl und gehen still ab. Nach einer Weile hört man von zwei Hörnern die Melodie von Bertrand’s Abschied, die immer schwächer, endlich verhallt. Alsdorff steht auf und geht an das Fenster, um den abfahrenden Wagen nachzusehen.)


Zweiter Auftritt.
Alsdorff, Hannchen (kommt aus der Seite, wenn Alles ruhig geworden ist, tritt hinter ihn und legt ihm sanft die Hand auf die Schulter).

Alsdorff (dreht sich um).

Hannchen. Mein lieber Fritz!

Alsdorff (ihr die Hand gebend). Es war der letzte Abschied, liebes Weib. Der zweite Kreis meines Lebens liegt abgeschlossen auch hinter mir, die Jugendzeit und die Zeit des Jünglings. Jetzt beginnt der dritte – gebe der Himmel seinen Segen!

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Roderich Benedix: Das bemooste Haupt oder Der lange Israël. J. J. Weber, Leipzig 1846, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Roderich_Benedix_-_Das_bemooste_Haupt_(Leipzig_1846).pdf/87&oldid=- (Version vom 26.5.2020)