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wieder – ich fing also mit ihm Krakehl an. Endlich packte ich ihn beim Kragen, weil er aber stärker war als ich, warf er mich bei der Balgerei in’s Wasser. Da kam just Herr Alsdorff vorbei. Er half mir wieder heraus, nahm dann seinen Stock und bläute mich jämmerlich durch, so was man Einen holzen nennt. Sehen Sie, das war der Anfang der Kur. Von dem Bade kriegte ich nun ein hitziges Fieber, und weil ich keine Wohnung hatte und nicht wußte wohin, nahm mich Herr Alsdorff mit auf seine Kneipe, das heißt, sein Zimmer. Er ließ mich in seinem Bette liegen, während er auf dem Sopha kampirte. Da habe ich nun vier Wochen gelegen und er hat sein Bischen Armuth mit mir getheilt und mir die Arzneien besorgt. So oft er mir etwas zu essen gab, gab er mir sehr offenherzig zu verstehen, ich sei ein schlechter, versoffener Kerl, der noch einmal hinter dem Zaune oder am Galgen umkommen müßte. Weil ich nun vier Wochen lang nichts zu thun hatte, als anzuhören, daß ich nichts taugte, so mußte ich es am Ende wol glauben. Dann hat mir mein Herr auch noch andere Dinge gesagt, die mir früher der Pfarrer in der Schule gesagt und die ich lange wieder vergessen hatte. Aber mein Herr sagte es mir so schön und so eindringlich, daß ich es weit besser einsah und behielt. Und als ich gesund wurde, war ich auch ein ordentlicher Kerl geworden. Sehen Sie, so hat mein Herr mir zwei Mal das Leben gerettet, denn ohne ihn wäre ich wol längst im Spital gestorben oder säße im Raspelhause. Und da habe ich es mir geschworen, ihn für meinen Herrn anzusehen, und ich thue für ihn, was ich kann, wenn es auch nichts weiter ist, als daß ich ihm die Stiefeln putze.

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Roderich Benedix: Das bemooste Haupt oder Der lange Israël. J. J. Weber, Leipzig 1846, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Roderich_Benedix_-_Das_bemooste_Haupt_(Leipzig_1846).pdf/36&oldid=- (Version vom 26.5.2020)