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niemals, in deinem Leben nicht. Darum lerne den Degen führen, daß du ein Mann wirst und vor einer blanken Klinge nicht in ein Mäuseloch kriechst, oder die Polizei rufst, wenn dich dein Nachbar einen Schafskopf schilt – aber werde kein Raufbold. Darum lerne ein Glas trinken, daß du etwas vertragen kannst und im Kreise munterer Gesellen nicht unter den Tisch fällst oder den Katzenjammer bekömmst, – aber werde kein Säufer! Halte dein Vaterland in Ehren und bete mir die Franzosen und Engländer nicht an, denn das deutsche Volk sollte das erste in der Welt sein, und wird es werden, wenn es frei und einig zum Selbstbewußtsein kommt und in stolzer Selbstachtung dem Auslande die offene Stirn bietet!! – Bedenke, wozu der Mensch da ist – nicht zum Essen allein und zum Arbeiten – das heißt ein Pflanzenleben führen. Freude braucht der Mensch – das heißt, was wir auf deutsch Freude nennen, – nicht etwa plaisir oder amusement! Lerne die schönste Ode auswendig, die je aus eines Dichters Feder floß, aus des unsterblichen, des deutschen Schillers Feder: „Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elisium,“ u. s. w. Mache Andern so viel Freude als du kannst und dir dabei mit; denn das Jauchzen der Lust ist dem lieben Gott ein schöneres Gebet, als das Schlagen an die Brust und das Zerknirschtsein. – Werde kein Weiberknecht, aber achte die Frauen, wie Schiller sie achtete, wenn er singt: „Ehret die Frauen“ u. s. w. Ueberhaupt lerne mir den Schiller auswendig und dazu den Jean Paul, dann kannst du ein Moralcollegium sparen. Sei als Jüngling ein Mann, und bewahre dir als Mann das Feuer des Jünglings, daß du nicht grämlich wirst über die Freuden der Jugend. Das alles thue, denn das heißt kein Philister sein –

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Roderich Benedix: Das bemooste Haupt oder Der lange Israël. J. J. Weber, Leipzig 1846, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Roderich_Benedix_-_Das_bemooste_Haupt_(Leipzig_1846).pdf/23&oldid=- (Version vom 19.5.2020)